Kinder-Statisten beim "Lohengrin" Fliegen wie im Superhelden-Comic

BAYREUTH. Echt abgehoben: Bei den Bayreuther Festspielen, in der Oper „Lohengrin“, gibt es einen Ritterkampf in der Luft. Weil die echten Sänger zu schwer dafür wären, machen das Jungs für sie. Wir haben uns bei ihnen umgehört.

Oper kann mühselig sein. Man muss selber still sitzen, und vorne auf der Bühne tut sich auch nicht viel, ausser dass da Leute rumsingen. Das ist bei den Bayreuther Festspielen natürlich immer anders, besonders aber heuer. Da fliegen sogar zwei Darsteller hoch über der Bühne rum. Und das ist ziemlich irre, für die Zuschauer ebenso wie für die Überflieger.

Echt spektakulär, wirklich eine Schau! Zu sehen ist die Flugeinlage bei "Lohengrin", einer romantischen Oper von Richard Wagner. So fängt die Geschichte an: Eine Fürstin wird angeklagt. Sie soll ihren Bruder umgebracht haben, um selber den Thron zu besteigen.

Sie war es aber nicht, sagt sie. Niemand glaubt ihr. Doch dann kommt der Ritter, den sie sich erträumt hat, wirklich. Er nimmt den Zweikampf gegen den Ritter Telramund auf, der sie angeklagt hat. Lohengrin (so heißt der Retter, was aber - pssssst! - vorerst niemand wissen darf) gewinnt, und alle sind zufrieden und wissen nun, dass die Frau wirklich unschuldig ist. Weil man im Mittelalter glaubte, dass Gott immer den Guten hilft. Es verliert also in solchen Zweikämpfen laut Gottesgericht immer der Böse.

Und so sieht das aus, wenn Benjamin Müller und Kilian Hellmuth in der Luft aufeinandertreffen. Quelle: Michael Weiser via Youtube

Ja, dieser Zweikampf wird diesmal in der Luft ausgetragen. Der böse Telramund schwebt von links heran, der gute Lohengrin fliegt wie ein Superheld von rechts auf die Bühne, die beiden hauen mit Schwertern aufeinander ein, und dann rupft Lohengrin dem andern einen Flügel aus, und der andere stürzt dann ab und liegt schließlich auf der Bühne.

Oper als Superhelden-Comic! Das hat es in Bayreuth noch nicht gegeben. In manchen Zeitungen stand nach der Premiere, es seien Stuntmen gewesen, die für Lohengrin (den singt Piotr Becala, ausgesprochen Betschawua) und Telramund (Tomasz Konieczny, sprich Tomasch Konietschni) diesen gefährlichen Kampf übernommen hätten. Reingefallen! Es waren nämlich Buben aus Bayreuth: Benjamin Müller (13), Kilian Hellmuth (10) und Valentin Lotze (12). Die Drei lösen sich beim Fliegen ab.

Klar, dass nur die erfahrensten und sportlichsten Statisten so etwas machen können. Und Benni Müller ist der allererfahrenste der drei Jungs, für ihn ist es schon das sechste Festspieljahr. "Beim ersten Mal ist das schon spektakulär", erzählt er. "Danach ist es dann okay." Nervös sei er jedenfalls nicht mehr.

Auch die beiden anderen sind Feuer und Flamme für ihre Einsätze. "Es fühlt sich toll an, in der Luft herumzufliegen wie ein Vogel", sagt Kilian Hellmuth. Und Valentin Lotze stimmt zu: "Ich will auf jeden Fall wieder mitmachen und überhaupt so lang, wie es geht. Wenn man einmal hier mitgemacht hat, dann lässt man nicht mehr los - weil es so cool ist."

Wie ihr euch denken könnt, fliegen die Jungs nicht wegen ihrer Flügelchen auf dem Rücken. Sie werden in ein sogenanntes Fluggeschirr gekleidet, ein System aus Gurten und Schnallen, das wie ein Kombi-Klettergurt aussieht. An Seilen, an denen drei, vier Erwachsene kräftig ziehen, schweben sie über die Bühne. Damit nichts schiefgeht, proben alle eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn den Flug. Und die Helfer greifen vorher immer selber in die Fluggeschirre und heben die Doubles an, um zu prüfen, ob nicht noch eine Schnalle offen ist. Immerhin kämpfen die Jungs in fast zehn Meter Höhe. Da muss alles mehrfach überprüft werden, wie beim Klettern.

Grimmig gucken? Von wegen!

So viel Spaß macht es also, über einer der wichtigsten Opernbühnen der Welt herumzufliegen. Da ernst zu bleiben, ist eine ernste Herausforderung. „Wir sollen eigentlich gar nicht lachen, aber das ist ganz schwer“, gibt Benjamin Müller zu. „Wir sollen eigentlich grimmig gucken, aber wir müssen immer lachen – und das ist nicht gut.“

Gegen die Lust zu lachen helfen nicht mal die 20, 30 Minuten Schminken zuvor. Zwei Leute kümmern sich um die Doubles, der eine zum Beispiel malt die Hände blau an, der andere klebt den Jungs Gummihaut mit künstlichen Haaren auf den Kopf. Das ist natürlich nicht lustig. Das Herumfliegen dagegen schon.

Die Drei haben jetzt erst mal Pause. Im kommenden Jahr, bei den Festspielen 2019, dürfen sie dann wieder abheben. Und im Fernsehen könnt ihr sie dann auch bewundern. Denn ein Team von der „Sendung mit der Maus“ hat auf der Bühne gefilmt. Klar, dass die auch den Flug mit Kameras eingefangen haben. Wann sieht man so was schon auf einer Opernbühne? Schaut doch dann mal, ob die beiden Kämpfer wenigstens ein paar Sekunden lang ein grimmiges Gesicht haben.


INFO: Wann die "Sendung mit der Maus" genau ausgestrahlt wird, weiß der Sender auch noch nicht. Wir geben euch aber natürlich rechtzeitig bescheid.

 

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