Letzter regulärer Poetry Slam der Saison Hobby-Poeten im finalen Wettstreit

BAYREUTH. Der Poetry Slam zieht. Lange vor dem offiziellen Beginn des letzten regulären Poetry Slams dieser Saison am Mittwochabend war das Podium bereits bis auf den letzten Platz besetzt. Das überwiegend junge Publikum erlebte ein Kopf-an-Kopf-Rennen der zehn DichterInnen, die es der zuvor willkürlich ausgewählten Jury mit ihren vorgetragenen Texten nicht immer leicht machten. Von eher melancholisch-ernsten Texten über Traumreisen im Drogenrausch bis hin zu reinem Slapstick war alles vertreten.

Den Anfang machte Tobias Leonhardt, der einen Text über die metaphorische Bedeutung des Liegens und Stehens darbot, womit er die Jury jedoch nicht überzeugen konnte. Gunnar Blick baute hingegen mit seinem klar durchdachten, gestisch untermauerten Ecstasy-Trip eine Spannungskurve auf, während der „sehr tolle“ Hund von LoonyLorna einen etwas langweiligen Ausflug in die Berge erlebte.

Ein beliebtes Thema ist die ständige Raucher-Nichtraucher-Debatte, die Christoph Kretschmer mit neuen Theorien zum Dunstkreis aller Menschen anreicherte, die ihm aber nicht ins Finale verhalf. Anders die zu Guttenberg-Persiflage von Dennis Langer: witzig-bissig, tagesaktuell und ironisch zugespitzt erntete sie nicht zuletzt wegen der gekonnten Neologismen zuhauf Lacher und „Szenenapplaus“. Der Einzug ins Finale war gesichert.

Martin Geiers frühmorgendliche Erlebnisse eines bekifften WG-Partyveranstalters, der im Freibad einbricht, um einen Schokoriegel zu kaufen, brachte einige grandiose Ideen – man denke an den Vergleich zwischen einem Gartenzaun und dem guten alten Reck aus dem Sportunterricht – doch konnten auch sie die Jury nicht komplett überzeugen.

Sandkastenliebe Leonie

Richtige Lacher fehlten auch Gerd Krauß, der eine klare, aber dann doch recht blasse Story des Autoliebhabers Rick präsentierte. Auch immer ein großes Thema ist die Liebe, ob nun melancholisch wie bei Schlumpf oder sarkastisch wie bei Jonathan Baumgärtner, der von einer Wiederbegegnung zwischen Karl und dessen großer Sandkastenliebe Leonie, die weiland fünf Jahre lang ein Mannsweib gewesen war, erzählte. Rückblickend fällt Karl auf, dass wohl durchaus die frühen Liebeserfahrungen zu seiner jetzigen Homosexualität geführt haben könnten. Der zweite Finalist des Abends hieß Arne, der mit seiner bisweilen etwas makabren Jugendgeschichte über das „Aufschieben“ gerade deswegen überzeugen konnte, weil man am Anfang nicht genau wusste, was einen erwartet, um dann in den Sog des stetigen Aufschiebens hineingezogen zu werden.

Geradezu schade war es, dass Arne keinen Text für das Finale vorbereitet hatte und durch pures „Entertaining“ bei einem Dichterwettstreit natürlich nicht gewinnen konnte. So ging der erste Platz verdient an Dennis Langer, der nochmals mit zwei Texten aufwarten konnte, wobei sein lyrisches Ich „Herr von Runkenstein“ allerhand Kurioses passierte.



INFO Das „Highlander“ genannte große Saisonfinale aller Slam-Gewinner der letzten Monate findet am 26. Mai um 20 Uhr im Podium statt.
 

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