Bayreuth: Glanzlose Festspieleröffnung

Ein bisschen Promi-Glanz: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (links) und Schauspielerin Michaela May. Foto: Ronald Wittek

Die gute Nachricht ist: Es ist nichts passiert. Die schlechte Nachricht ist: Es ist nichts passiert. Nach den Bluttaten in den vergangenen Tagen liegt ein Schatten über der sonst so glanzvollen Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Wer die Festspiele früherer Zeiten kennt, mag jetzt einwenden, dass der Glanz Jahr für Jahr ohnehin immer mehr verblasste. Doch in diesem Jahr war alles anders.

Die Gewalttaten der vergangenen Tage haben nicht nur die Polizeipräsenz verstärkt, um Sicherheit zur erhöhen, um Angst vor einem ähnlichen Vorfall zu vermeiden. Sie haben auch die Promi-Dichte reduziert. Die Auffahrt war auch keine Auffahrt mehr. Bis auf den US-Botschafter durfte niemand vorfahren. Und durchs Königsportal, wie sonst immer, trat bei dieser Festspieleröffnung auch niemand. Vom Parkplatz kommend ging’s durch die Seiteneingänge. Links oder rechts noch einmal mit Polizeikontrolle.

Die Gäste wurden von Fotografen und Journalisten belagert – auch das ein Novum. Es gab keine strikte Abtrennung der Presse vom Promiauflauf. Allein die Zaungäste, abzählbar in diesem Jahr, mussten hinter einem Absperrgitter bleiben. Die Fotografen stürzten sich auf jeden, der aussah, als könnte er auch nur ein bisschen berühmt sein. Wenn schon so viele Promis absagen, sollen zumindest schöne Kleider gezeigt werden. Doch auch hier fehlte das Besondere.

 

 

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte noch kurz vor der Premiere eine andere Robe gewählt. Der Helmbrechtser Designer Adam Dzielak hatte eigens für die Eröffnung der diesjährigen Festspiele ein Abendkleid für Merk-Erbe designt, das sie „wie eine Göttin“ aussehen lassen sollte. Ganz offensichtlich hatte auch Dzielak gehofft, dadurch in hellem Glanz zu scheinen. Er tigerte seit dem Vormittag mit zwei Models, die seine Kreationen trugen, auf dem grünen Hügel herum. Und dann kam die Oberbürgermeisterin – in einem anderen Gewand. Nach den Gewalttaten der vergangenen Tagen hatte sie sich gegen etwas Göttinnengleiches entschieden. Sie trug einen langen schwarzen Rock, dazu einen schwarzen Blazer mit weißen Punkten.

Auf eine extra für diesen Anlass entstandene Kreation setzte auch Gisela Hübner, Gattin des Landrats Hermann Hübner. Mit Sibylla Peda, Inhaberin eines Kostümverleihs und einst Gewandmeisterin der Trebgaster Freilichtbühne, hatte Gisela Hübner ihr zweiteiliges dirndlartiges Kleid entworfen und trug es auch. Orangefarben, mit Schößchen, dazu Handtasche, Tuch und Schuhe in Pink.

Schon seit dem Vormittag stand die Bayreutherin Elfriede Tittelbach vor dem Kartenbüro der Bayreuther Festspiele. Sie trug eine aquafarbene Robe, festlichen Schmuck. Bereit für den Opernbesuch. Sie hoffte darauf, noch eine Premierenkarte zu ergattern. Ohne Chance. Dabei blieben viele Plätze frei, hatte doch das gesamte Kabinett seine Teilnahme an der Festspieleröffnung abgesagt. „Aber ich habe gehört, dass die Plätze frei bleiben sollen“, bedauerte Elfriede Tittelbach und zuckte mit den Schultern. Sie ärgerte sich darüber, trotz eigentlich guter Chancen doch nicht in die Premiere zu kommen.

Uwe-Eric Laufenberg auch. Er ist der Regisseur des Premieren-“Parsifals“ und hätte es natürlich gerne gehabt, dass kein Sitz frei bleibt. Aber verkauft ist verkauft, sagte auch Heinz-Dieter Sense, ehemals kaufmännischer Direktor der Bayreuther Festspiele, und „auch wenn die Leute nicht kommen, können wir da nicht einfach jemanden hinsetzen“. Elfriede Tittelbach ging unerfüllter Hoffnung nach Hause.

Die wenigen Schaulustigen dann auch. Denn es ist nichts passiert.

Um was ging es schnell wieder bei "Parsifal"? Hier wird die Handlung mit Lego-Figuren kurz erklärt:

 

 

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