Bayerns oberster Jäger spricht Klartext

Jäger sind schießwütige Männer, die Frauen in ihren Reihen nur ungern dulden. Und Zukunft hat die Jagd sowieso nicht, sie ist nur ein altmodisches Relikt der Vergangenheit. Oder? Jürgen Vocke, der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, hat am Mittwochabend in Kulmbach seine Ansichten vertreten. Auch zum Thema Wolf. Hier lesen Sie seine drei wichtigsten Thesen.

These 1: "Der Wolf passt nicht problemlos in unsere Natur"

Nach neuesten Zahlen des Lupus-Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung leben derzeit 31 Rudel sowie acht Wolfspaare mit Aussicht auf Nachwuchs in Deutschland. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum Monitoring-Jahr 2013/14, als 25 Wolfsrudel, acht Paare und drei sesshafte Einzelwölfe gezählt wurden, teilt die Deutschen Presse-Agentur (DPA) mit. Jäger dürfen Wölfe im Normalfall nicht erlegen.

Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, steht der Entwicklung skeptisch gegenüber. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob ein Tier wie der Wolf noch in unserer übernutzte Natur passt", sagt Vocke. Er sagt: "Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort."

Die Jagd auf den Wolf ist ein umstrittenes Thema. „Die Koexistenz von Wolf und Mensch ist auch in Deutschland machbar“, meint der Naturschutzbund (Nabu) dazu. Sein Experte Markus Bathen bilanziert gegenüber der DPA: „Die Anzahl von Angriffen innerhalb von 15 Jahren Wölfe in Deutschland: null.“ Vocke aber sagt: "Wir reden irgendwann nicht mehr nur über ein paar Wölfe. Und Schäfer zum Beispiel haben schon heute ein Problem. Auch, weil sie gar nicht die Hunde haben, die es mit dem Wolf aufnehmen können."

Landwirte und Schäfer fürchten den Wolf: In betroffenen Regionen hätten Kollegen „aufgerüstet“, um sich wehren zu können, sagt Knut Kucznik von der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde, einem bundesweiten Zusammenschluss von Weidetierhaltern gegenüber der Nachrichtenagentur. „Wir Hirten sind nicht gegen den Wolf, sondern für unsere Tiere“, betont der Brandenburger.

These 2: "Die Zukunft der Jagd liegt im Wildbret"

Heimat, dieses Thema werde immer wichtiger, sagt Vocke. "Und Wild ist ein Stück Heimat." Der Bayerische Jagdverband setzt verstärkt auf das Thema Wildbret. "Mit Trophäen braucht man heute niemandem mehr kommen. Wildbret ist unser Sympathiefaktor", sagt Vocke. Gerade wenn Menschen sich wieder mehr darauf besinnen, woher ihr Essen komme. Allerdings stellt Vocke  auch fest, dass immer weniger Menschen in der Küche mit Wild umgehen können. "Deswegen versuchen wir, diese Fähigkeit zu schulen." Der Jagdverband bringt zum Beispiel Kochbücher heraus, die sich ausschließlich mit dem Thema Wild beschäftigen.

Vocke will den Leuten bewusst machen, dass Wild nicht nur als Ausnahme zum Weihnachtsfest auf den Tisch kann. "Wild lässt sich auch wunderbar grillen", sagt er. Zu diesem Thema gehöre aber auch, den Jägern klar zu machen, dass sie nur "sauberstes Wildbret" vermarkten dürfen. Der Bayerische Jagdverband hat eine Liste veröffentlicht, wo Kunden heimische Anbieter von Wildbret finden.

Vocke sagt, Wildbret sei günstiger als viele glauben. "Freilich, ein Hase oder Fasan kosten Geld. Aber die Preise für Wildschwein zum Beispiel sind moderat." Der Landesjägertag im kommenden Jahr wird in Kulmbach stattfinden, vom 15. bis zum 17. April. Thema des Treffens, zu dem wohl 600 Jäger aus ganz Bayern kommen werden: Wildbretvermarktung. "Das Thema passt perfekt nach Kulmbach, weil wir dort eben die Genussregion haben", sagt Jagdverbandssprecher Thomas Schreder.

These 3: "Die Jagd wird weiblicher, und sie ist nicht nur für Großkopferte"

Frauen sind unter Jägern immer noch in der Minderheit. "Aber wir haben es geschafft, den Anteil der Frauen zu erhöhen", sagt Vocke. Im Jahr 1994 machten Frauen noch 0,3 Prozent der Jäger aus. Heute sind es zehn Prozent. In den Jägerkursen seien mancherorts 25 Prozent der Teilnehmer weiblich. "In meinem Kreisverband in Ebersberg nehmen wir zum Beispiel jede Frau, die sich auf einen der 25 Plätze bewirbt, im Kurs auf", sagt Vocke.

Auch das Klischee vom "großkopferten" Jäger lässt Vocke nicht gelten. Obwohl dieses Bild immer noch in den Köpfen derer sitze, die sich oberflächlich mit der Jagd auseinandersetzen. "Wir haben alle möglichen Menschen in unseren Reihen. Vom Müllfahrer über den Uni-Professor bis hin zum Bischof."

Info: Jürgen Vocke war am Mittwochabend zum Akademiegespräch nach Kulmbach gekommen. In einer Diskussion stellte er sich den Fragen der anwesenden Jäger und Journalisten. Den Abend moderiert hat der Journalist Dietmar Gaiser, der unter anderem durch Sendungen wie "Jetzt red i" und "Kunst und Krempel" bekannt ist. 

 

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