Baustelle Lanzendorf Suche nach einem besseren Konzept

Seitdem die Lanzendorfer Talbrücke an der A9 saniert wird, kommt es vor allem in Fahrtrichtung Süden regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen. Immer wieder kracht es vor allem im Zulauf zur Baustelle schwerer. Foto: Nils Katzenstein

HIMMELKRON/MÜNCHBERG. 
Ein tödlicher Verkehrsunfall ereignete sich am Dienstagmittag auf der Autobahn A 9 in südlicher Fahrtrichtung zwischen den Anschlussstellen Münchberg-Süd und Gefrees. Dabei kam ein Lastwagenfahrer ums Leben, als er offenbar ungebremst in den stockenden Lastverkehr auf der rechten Spur fuhr, der sich nach Polizeiangaben bereits ab der Baustelle an der Lanzendorfer Talbrücke verlangsamte. Schon vor dem Unfall befassten sich die Autobahndirektion Nordbayern und die Polizei damit, wie die Verkehrssituation an der Autobahn entschärft werden kann. Immer wieder kommt es zu Staus und Unfällen.

Kurz vor 11.30 Uhr am Dienstag fuhr ein mit Holzpaletten beladener polnischer Sattelzug auf dem rechten Fahrstreifen bei stockendem Verkehr auf einen vorausfahrenden Tankzug auf, so die Polizeimeldung. Durch den Aufprall wurde das Führerhaus des auffahrenden Lastwagens so stark zerstört, dass für den 23-jährigen polnische Fahrer jede Hilfe zu spät kam. Rettungskräfte konnten den jungen Mann nur noch tot bergen.

Der Fahrer des Biodiesel-Tankzuges, auf den der Laster aufgefahren war, verletzte sich nach Polizeiangaben bei dem Zusammenstoß leicht. Für die Bergungsmaßnahmen und die Unfallaufnahme musste die A 9 in Richtung München zwischen den Anschlussstellen Münchberg-Süd und Gefrees für mehrere Stunden komplett gesperrt werden.

Seit Mitte Februar laufen die Sanierungsarbeiten an der Lanzendorfer Talbrücke an der A9. Und obwohl die Planer von der Autobahndirektion Nordbayern nur eine von sechs Fahrspuren weggenommen haben, staut sich der Verkehr massiv. Vor allem in Fahrtrichtung Süden. Die Planer überdenken derzeit das Baustellenkonzept.

„Das ist ein für alle Beteiligten unbefriedigender Zustand“, sagt Matthias Wölfel von der Autobahndirektion Nordbayern im Gespräch mit dem Kurier. „Wir sind auf der Suche nach Möglichkeiten zur Nachbesserung.“ In Fahrtrichtung Norden, hier stehen im Baustellenbereich drei Fahrspuren zur Verfügung, laufe der Verkehr ohne größere Behinderungen. Aber in Richtung Süden komme es vor der Baustelle regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen – vor allem auf der rechten Spur im Schwerlastverkehr. Die Baustelle verengt sich in der Baustelle auf zwei Fahrspuren, und oft geht es für Lastwagen schon Kilometer weit vor der Baustelle nur noch im Schneckentempo weiter.

Erste Maßnahmen hat die Autobahndirektion ergriffen. Am Autobahndreieck Bayerisches Vogtland wird auf die Behinderungen für den Transportverkehr hingewiesen. Lastwagen sollen die Lanzendorfer Talbrücke weiträumig umfahren. Auch am Autobahndreieck Hochfranken werde in dieser Woche noch eine solche Beschilderung aufgestellt, sagte Wölfel am Dienstag, noch bevor es zu dem schweren Lkw-Unfall gekommen war. „Das sind Sofortmaßnahmen, die man relativ schnell umsetzen kann.“ 

Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Derzeit werde der Verkehr an und vor der Baustelle mit Kameras beobachtet – auch das, was sich an der Anschlussstelle Bad Berneck/Himmelkron tut. Daraus wollen die Verantwortlichen Schlüsse ziehen und weitere Maßnahmen ergreifen, damit sich die Situation vor Ort entspannt. Die Baustelle liege zwar im Plan und gehe zügig voran. Dennoch wird sie bis Ende des Jahres bestehen bleiben. 

Matthias Wölfel bestätigt Überlegungen, die Auffahrt Bad Berneck/Himmelkron in Fahrtrichtung Süden zu sperren. Ob das eine Entlastung bringen würde, soll unter anderem die Kamerabeobachtung ergeben. Der Zubringer von der B 303 sei eine „nicht gerade gering belastete Anschlussstelle“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Wenn überhaupt, solle die Auffahrt zuerst probeweise dichtgemacht und die Auswirkungen beobachtet werden.

Der Verkehrspolizei hat die Baustelle an der Lanzendorfer Brücke in den ersten Wochen schon einiges an Arbeit beschert. 26 mal kam es in der Baustelle selbst zu Unfällen. Das gehe vom abgefahrenen Spiegel bis zu größeren Blechschäden, berichtet Günter Schönfelder, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Bayreuth. „Das sind die üblichen Baustellenunfälle“, sagt er. Und erfahrungsgemäß sei es bedauerlicherweise normal, dass es an Autobahnbaustellen zu mehr Unfällen komme als beim normalen Autobahnverkehr. 

Zusätzlich haben sich aber von Norden her im Zulauf zur Baustelle bis zu Anfang dieser Woche zehn weitere Unfälle ereignet. Und das seien jene, die der Polizei Kopfzerbrechen bereiten. Denn hier kracht es heftiger, wenn der Verkehr sich verlangsamt und heranfahrende Lastwagen sich bildende Staus übersehen. In den ersten Wochen der Baustelle hat es so auf der A 9 nördlich der Lanzendorfer Brücke zwei schwere Auffahrunfälle mit gegeben, bei denen es nicht bei Blechschäden geblieben ist. Spätestens seitdem arbeiten die Verantwortlichen unter Hochdruck an einer Lösung. 

Am Dienstagmittag dann der dritte schwere Lastwagenunfall im Rückstau, diesmal mit tödlichem Ausgang.

 

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