Banker vergreifen sich an Kundenkonten

Zwei Fälle von Veruntreuung von Kundengeldern wurden jetzt bekannt: In der Sparkasse Kulmbach-Kronach und in einer anderen Kulmbacher Bank vergriffen sich Bankkaufleute am Geld ihrer Kunden. Foto: dpa

Eine Bankfachwirtin aus dem Raum Kulmbach hat über Jahre hinweg das Geld mehrerer Kunden veruntreut. Von August 2009 bis 2013 soll sie dadurch einen Schaden von 1,1 Million Euro verursacht haben. Der Prozess am Bayreuther Landgericht beginnt am Dienstag. Ein Untreuefall erschüttert derzeit auch die Sparkasse Kulmbach-Kronach.

Die Bankmitarbeiterin, die sich an den Kundenkonten vergriffen haben soll, war in leitender Position beschäftigt: Sie führte eine Geschäftsstelle und betreute Privatkunden. Offenbar geriet sie durch den privaten Handel mit hochriskanten Wertpapieren in Finanznöte. Um die entstandenen Verluste auszugleichen, soll sie sich von Kundenkonten bedient haben.

Kontoauszüge gefälscht

Teilweise habe sie die Beträge wieder ausgeglichen, so die Staatsanwaltschaft Bayreuth. Die EDV sei von ihr so umgestellt worden, dass sich die Kunden am Auszugsdrucker nicht mehr über ihre Kontostände informieren konnten. Als es zu Nachfragen kam, soll sie gefälschte Kontoauszüge ausgereicht haben, um ihr Tun zu verschleiern. Teils soll sich die Bankfachwirtin entschuldigt haben und von einem Versehen gesprochen haben. Um internen Fragen zu entgehen, tat sie so, als seien die Kontozugriffe mit den Kunden abgesprochen gewesen.

Über eine Million Euro veruntreut

In vier Jahren ist dabei ein Vermögensschaden in Höhe von 1,1 Million Euro entstanden. Einen Teil soll die Mitarbeiterin jedoch selbst wieder beglichen haben. Den Rest bezahlte die Bank mittels Gutschriften. Dennoch blieb ein Teil der Summe als ungedeckter Schaden offen. Mittlerweile sind einige der hinters Licht geführten Kunden verstorben. Die verbotenen Transaktionen sollen auch über Konten des Ehemannes der Frau gelaufen sein. Sie wird in dem Prozess der Untreue in 41 Fällen beschuldigt, in denen sie das Vertrauen der Kunden missbrauchte. Im September 2013 wurde sie von der Bank fristlos entlassen.

Sparkassen-Mitarbeiter ebenfalls im Visier der Ermittler

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Coburg im Falle des Sparkassen-Mitarbeiters laufen derzeit noch. Der Mitarbeiter soll Geld von Kundenkonten beiseite geschafft haben. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Pfab, auf Anfrage mitteilte, handelt es sich um eine Größenordnung von rund 200.000 Euro. Da die Ermittlungen noch liefen, könne noch keine endgültige Schadenssumme benannt werden. Auch die Zahl der Einzelfälle stehe noch nicht fest, so Pfab.

Ergebnis liegt frühestens in acht Wochen vor

Der beschuldigte Bankkaufmann sitzt seit dem 7. Juni in Untersuchungshaft. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass frühestens in acht Wochen mit einem Ermittlungsergebnis zu rechnen ist. Wie hoch die Strafe ausfiele, wenn der Mann verurteilt würde, hänge von der Zahl der Fälle der Schadenshöhe ab. Das Strafmaß reiche von einer einfachen Geldstrafe bis zu einer hohen Freiheitsstrafe.

Sparkasse stellte Strafanzeige

Dem Pressesprecher der Sparkasse Kulmbach-Kronach, Markus Lieb, zufolge habe die Bank auf Kundenhinweise reagiert und betroffenen Mitarbeiter sofort vom Dienst freigestellt. Wie und warum es zu der Veruntreuung gekommen ist, darauf weiß die Bank noch keine Antwort. "Derzeit wird der Sachverhalt hausintern geprüft", erklärte Lieb. Die Sparkasse habe selbst Strafanzeige gestellt und arbeite mit der Kriminalpolizei Coburg eng zusammen. Ein betroffener Kunde soll ebenfalls Anzeige erstattet haben. "Sollte Kunden durch das Verhalten unsers Mitarbeiters ein nachweislicher Schaden entstanden sein, wird die Sparkasse diesen Schaden selbstverständlich umgehend erstatten", versicherte Lieb. "Wir bitten betroffene Kunden, sich hierzu direkt an die Revision unseres Hauses zu wenden."

 

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