Bahnhof: Von Bahn, Bund und Land vergessen

Landrat, OB und Abgeordnete setzen sich für eine Verschönerung des Kulmbacher Bahnhofs ein. Foto: Gabriele Fölsche

Der Kulmbacher Bahnhof ist alles andere als ein Schmuckstück. Der Weg zu den Gleisen führt über steile Treppen, die Unterführung ist schlecht beleuchtet und riecht muffelig. Doch die Appelle der Kommunalpolitiker und Abgeordneten an die Deutsche Bahn, endlich etwas zu unternehmen, waren bisher vergeblich. Auch die jüngsten Resolutionen der Stadt und des Landkreises Kulmbach werden vermutlich daran nichts ändern.

Der neue Resolution des Stadtrates an die Verantwortlichen von Bund, Freistaat und Deutscher Bahn schloss sich Ende März auch der Kreistag an. Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur sei die Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung eines Standortes im ländlichen Raum, heißt es darin. Damit die Stadt als Oberzentrum und Pilotkommune für das Projekt "Bayern barrierefrei 2013" gerecht werde, sei "ein barrierefreier und moderner Bahnhof unabdingbar. Leider ist die Realität eine andere."

Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, Familien mit Kinderwägen und Fahrradfahrer tun sich auf dem Kulmbacher Bahnhof schwer. Weder Aufzüge noch Querungshilfen sind vorhanden. Die Unterführung durchquert niemand gerne. "Trotz jahrelanger Bemühungen ist der Kulmbacher Bahnhof bayernweit einer der letzten seiner Größenordnung in einem solchen Zustand", schreibt die Stadt. Dabei seien Programme vorhanden, was der Ausbau der Bahnhöfe zum Beispiel in Neuenmarkt und Untersteinach, Bad Staffelstein und Kronach und Pegnitz zeige.

Bahn lässt sich wohl nicht umstimmen

Um die Forderung nach Barrierefreiheit zu unterstreichen, trafen sich jetzt Landrat Klaus Peter Söllner (FW), Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) und die Landtagsabgeordneten Inge Aures (SPD), Martin Schöffel und Ludwig von Lerchenfeld (beide CSU) zu einer symbolischen Putzaktion. Allerdings dürfte diese die Bahn nicht umstimmen. Auch Kreisrat Wolfgang Hoderlein (SPD) kämpfte in den vergangenen Jahren vergeblich um Verbesserungen. Der Kulmbacher Bahnhof ist gemäß Landesentwicklungsprogramm nur noch ein Bahnhof der Kategorie fünf von sechs. Was einem Oberzentrum nicht mehr entspricht, wie Oberbürgermeister Schramm findet. Täglich nutzten etwa 1600 Reisende die Bahn, aber der Bauzustand und die Sauberkeit würden vernachlässigt. "Der Bahnhof muss endlich wieder in vernünftiger Weise hergestellt werden", fordert Landrat Söllner.

Bahnsprecher: "Möglichst viele sollen profitieren"

Ein Bahnsprecher teilte auf Anfrage mit: "Grundsätzlich gilt, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel so eingesetzt werden, dass möglichst viele Reisende davon profitieren. Das heißt, dass große und mittlere Bahnhöfe sowie Umsteigebahnhöfe Priorität haben." Zu diesen zählt die Bahn den Kulmbacher Bahnhof offenbar nicht. Das Fahrgastaufkommen scheint der Knackpunkt zu sein. "Der barrierefreie Ausbau kann daher nur Schritt für Schritt erfolgen", so der Sprecher weiter. Die derzeit laufenden Ausbauprogramme basierten auf Auswahlkriterien von Bund und Freistaat. "In den aktuell Programmen von Bund und Freistaat konnte Kulmbach leider aus finanziellen Gründen nicht berücksichtigt werden können."

Kulmbach könnte in Folgeprogramme rutschen

In den vergangenen zehn Jahren habe die Deutsche Bahn rund 800 Millionen Euro in den barrierefreien Ausbau von größeren und Umsteigebahnhöfen investiert. Kulmbach stehe weiterhin auf der Liste für barrierefrei auszubauende Bahnhöfe und werde für die nächsten Folgeprogramme weiterhin betrachtet. Auch der Bayreuther Bahnhof wird voraussichtlich vor 2023 nicht ausgebaut. Rund 80 Prozent der Reisenden in Bayern, täglich über eine Million Menschen, könnten barrierefrei die Bahnsteige nutzen. Derzeit sind rund 400 Bahnhöfe in Bayern barrierefrei ausgebaut. Bis 2021 kommen weitere 115 Bahnhöfe dazu.

Wunsch nach besserer Anbindung ans Schienennetz

Der Kreistag erneuerte zudem seine den Schienenverkehr betreffenden Ziele: Den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Hof-Nürnberg (Franken-Sachsen-Magistrale) und die vollständige Elektrifizierung und westliche Anbindung über den Knotenpunkt Neuenmarkt/Wirsberg (Oberfrankenachse). Das zweite Gleis zwischen Marktschorgast und Stammbach sei wiederherzustellen wie auch die durchgehende Zweigleisigkeit von Hof über Neuenmarkt/Wirsberg, Bayreuth und Schnabelwaid. Das Oberzentrum Kulmbach sei außerdem langfristig wieder in den Fernverkehr einzubinden.

 

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