Bahnbrücken: Kurzsichtige Entscheidung

Zu niedrige Brücken verhindern den Bau von Oberleitungen auf der Bahnstrecke über Neuenmarkt-Wirsberg. Unser Symbolbild zeigt einen Regionalexpress in Schnabelwaid, der von Bayreuth nach Nürnberg fährt. Foto: Peter Gisder

Wie konnte das bloß passieren? Man versteht nicht, warum weder die Bahn noch die Baubehörden an die Zukunft des Schienenverkehrs denken. Und damit Ostoberfranken abhängen.

Da wird jahrzehntelang um eine Verkehrsentlastung für die Anlieger der Bundesstraße B 289 gerungen. Für die Ortsumgehung von Untersteinach und Kauerndorf, die von vorne herein kostspielig und technisch höchst aufwendig ist, wird ein massiver Eingriff in die umliegende Landschaft in Kauf genommen. Und jetzt droht das ganze, millionenschwere Verkehrsprojekt an einem Planungsfehler zu scheitern.

Üblicherweise sitzen sämtliche an einem solchen Großprojekt Beteiligte mehrfach beieinander. Die planenden Ingenieure und die Bahn-Verantwortlichen dürften schon länger wissen, dass bei der ausgehandelten Brückenhöhe ein Fahrdraht über den Gleisen nicht genug Platz hätte. Nur ist in der Öffentlichkeit nie darüber gesprochen worden. Dabei waren die Folgen für den Bahnverkehr absehbar.

Oder haben Staatliches Bauamt und die DB Netz AG bewusst auf höhere Brücken verzichtet, weil sie eine Elektrifizierung der wenig genutzten Strecke in naher Zukunft für unwahrscheinlich hielten? Dann wäre es eine Entscheidung, die kurzsichtiger nicht sein kann. Politiker aller Couleur sind sich über den Ausbau des Schienennetzes längst einig. In der umweltfreundlichen Mobilität liegt die Zukunft. Das schient auch die Oberste Baubehörde in München erkannt zu haben, die über das umfangreichste Gleisnetz aller Länder wacht. 6000 Kilometer Schienenverbindungen und 14 400 Brücken zählen dazu.

Mit dem Verweis auf niedrige Fahrgastzahlen verweigert die Bahn nicht nur den Bau von Oberleitungen, sondern auch den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen wie in Kulmbach. Der Anschluss an den Fernverkehr ist für die Bürger und den Wirtschaftsstandort Oberfranken jedoch von großer Bedeutung, um nicht selbst den Anschluss zu verpassen.

Ob sich das Ruder noch ein Mal herumreißen lässt? Der Abriss eines Neubaus wäre irrsinnig, ein neues Planfeststellungsverfahren bis zum tatsächlichen Baubeginn könnte Jahre dauern. Wie es aussieht, hat der Ausbau der Straße über den der Schiene gesiegt.

ute.eschenbacher@nordbayerischer-kurier.de

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