Baden in Erinnerung: Von der Schwimmschule zum Spaßbad Bayreuth: Das Kreuzer wird 50

An diesem Samstag startet das Kreuzsteinbad in Bayreuth in seine 50. Saison. Kurier-Redakteur Eric Waha hat mit passionierten Schwimmern über ihre Erinnerungen an das "Kreuzer" gesprochen - und mit den Badbetreibern über deren Pläne für die Zukunft.

Eigentlich ist es wie immer. Wie jedes Jahr, einen Tag vor der Eröffnung. Menschen in Arbeitskleidung wuseln durch das Kreuzsteinbad, erledigen letzte Arbeiten an den Grünanlagen. Erledigen die letzten Feinarbeiten an den Becken, fahren die Temperatur des Wassers hoch. Prüfen ein letztes Mal die Anlagen, die Filter. Und wie immer ist das Wetter schlecht.

Auch in dieser so besonderen Saison, der 50. seit der Eröffnung des Bades, die sich am 14. Mai jähren wird. Vier Tage, nachdem die Frühschwimmer und die Stammgäste, die treu und vollkommen unabhängig vom Wetter kommen, heute wieder in die Fluten tauchen. „Die stört das nicht, wenn es kalt ist oder regnet. Die Frühschwimmer stehen sicher wieder am Samstagfrüh, 20 Minuten vor 7 Uhr vor dem Eingang – und plaudern über den Winter und was seitdem alles passiert ist“, sagt Olaf Schurig, der Leiter des Kreuzsteinbades.

Schurig (43) gehört inzwischen auch schon zum Inventar des Bades, seit 1990 arbeitet er dort. Und wie in jedem Jahr, wenn eine große Baustelle anstand, zieht sie sich in die Badesaison hinein. Auch das ist fast Tradition im Kreuzsteinbad. „1997 hatten wir beispielsweise nur sechs Wochen offen. Statt wie sonst vier Monate“, sagt Schurig. Damals war die Attraktion gebaut worden. Das Wellenbecken, das aus dem Kreuzer, wie die Bayreuther es liebevoll nennen, oberfrankenweit einzigartig machte für einige Zeit. Jetzt wird die Halle B umgebaut, das vorletzte Gebäude, an dem seit der Eröffnung 1964 kaum etwas verändert worden war.

1,2 Millionen Euro, sagt der Geschäftsführer der Bayreuther Verkehrs- und Bäder GmbH (BVB), Jürgen Bayer, steckt das Unternehmen in die Modernisierung. „Bis Juli werden wir noch brauchen, unser Wunsch wäre schon gewesen, bis zur Eröffnung fertig zu sein, aber es war zu viel zu machen“, sagt Bayer. „Der Zustand war schlecht, wir mussten sogar die Bodenplatte austauschen. Aber dann ist das Gebäude wieder am Stand der Technik.“ Die Halle B ist von zentraler Bedeutung für das Bad: Aufsuichts- und Personalräume sind hier untergebracht, ebenso der Sanitätsraum, die Toiletten, Umkleiden mit Schließfächern und die Duschen mit warmem Wasser, „statt der vier kostenpflichtigen Duschen werden wir dann je acht für Damen und Herren haben“, sagt Schurig. Und eine vernünftige Behinderten-Anlage. Bis Juli ersetzen Duschen, Toiletten und Umkleiden in Containern die Halle B.

„Dann fehlt nur noch der Eingangsbereich, der noch genauso ist wie 1964“, sagt Schurig. Und den kennt wirklich nahezu jeder Bayreuther. Denn das Kreuzer ist Hort unendlich vieler Geschichten, ist der Ort, an dem viele schwimmen gelernt haben, an dem sich beim Sonnen und Baden die erste Liebe ergeben hat in den vier Monaten zwischen Mai und September.

Herbert Künzel (86) war schon in der alten Schwimmschule mit seinen Freunden „Maadla schaua“, wenn er nicht im Wasser war, das aus dem Sendelbach stammte, der das 100 mal 100 Meter große Becken speiste. „Der Schwimmverein, der 1921 gegründet wurde, hatte die Schwimmschule 1922 von der Stadt gepachtet. Eigentlich nur für zehn Jahre. Dann blieben wir doch bis 1961 Pächter“, sagt der ehemalige Jugendpflege der Stadt, der über Jahrzehnte im Vorstand des Schwimmvereins war.

Die Anfänge des Kreuzers hat Susanne Helger (55) hautnah erlebt, denn „ich hab ja im Schwimmbad gewohnt, weil mein Vater der erste Leiter des Bades war“. Kurt Essigmann zog mit seiner Familie 1963 in den Bungalow am Eingang ein und „wir hatten praktisch den ganzen Sommer über einen Haufen Gäste in unserem großen Garten“, sagt Susanne Helger. „Während andere sich für viel Geld einen Pool kaufen mussten, hatten wir gleich drei.“ Noch heute, sagt Susanne Helger, werde sie oft von alteingesessenen Bayreuthern angesprochen: „Du bist doch die glaa Essigmann. Dann kenna mir uns ja scho ewich.“ Bis 1979 wohnte sie im Bad, dem sie ihre Abneigung gegen kaltes Wasser verdankt, „weil ich bei 16 Grad Wassertemperatur mal für einen Werbefilm schwimmen gehen musste im Kreuzer“.

Auch Uwe Duwe (52), der sich wie Susanne Helger auf einen Facebook-Aufruf unserer Zeitung zum Kreuzer gemeldet hat, hat viele Erinnerungen an das Bad, das so viele Bayreuther zu ihrem Lieblingsort im Sommer machen – „viele sogar immer am gleichen Platz, damit man sie auch findet“, wie Helger sagt. „Kreuzer im Sommer war Pflicht. Nach der Schule, ich war im Graf-Münster-Gymnasium, sind wir sofort ins Bad. Ohne Umweg“, sagt Duwe, dessen Vater als Mitglied der DLRG oft Aufsicht geführt „und vielen Bayreuthern das Schwimmen beigebracht hat“. Als Jugendlicher hat er oft mitgeholfen, hat die Mülleimer im Bad geleert, Wasserproben entnommen. „Im Kinderplanschbecken war das a scheener Zitronensaft am Abend“, erinnert er sich. Als das Bad zum letzten Mal umgebaut wurde, hat er an den Plänen des Wellenbeckens mitgearbeitet. „Ich hab eine besondere Beziehung zum Kreuzer“, sagt Duwe. Nicht zuletzt wegen einschneidender Erlebnisse, die sich eingebrannt haben wie die Sonne auf der Haut: „In den 70er Jahren, beim Annecy-Austausch, da hat sich eine französische Schülerin ganz selbstverständlich oben ohne gesonnt. Wir Jungs waren trichterförmig mit gehörigem Abstand um sie herum gelegen. Das war schon was Besonderes, damals“, sagt Duwe. Bsonders – wie die Vorfreude jedes Jahr, „die große Frage, wann das Bad aufmacht“. Meistens, kurz bevor das Wetter schlecht wird.

 

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