Badelatschen und Pudelmütze 15 Hartgesottene beim Eisschwimmen im Fichtelsee

FICHTELBERG. Hartgesotten, mutig oder etwas verrückt? Das lässt sich so leicht nicht ergründen. 14 Schwimmer folgten am Samstag dem Niederländer Paul Hörmann. Bei Temperaturen etwas über null, Nieselregen und Wind gingen sie eisbaden im Fichtelsee. Wer die Minute und etwas länger im Wasser hinter sich gebracht hatte, war danach gut aufgelegt.

So fühlt sich das an

Der Sänger und Schauspieler Paul Hörmann aus den Niederlanden steigt bereits seit Jahren mit seinen Mitstreitern in den eiskalten Fichtelsee. Damit möchte er einen Brauch aus den Niederlanden in der Region etablieren. Dort beginnen Tausende das neue Jahr mit einem Bad in der eisigen Nordsee oder einem der vielen Seen. Das härte ab und wappne den Körper gegen alle Unbilden, die im Lauf des Jahres kommen. Der Niederländer weiß schon gar nicht mehr, wie oft er ins eiskalte Wasser gestiegen ist. Dem Kurier schilderte er, wie es sich anfühlt, in das Loch im Eis zu steigen. „Natürlich kostet das Überwindung“, sagt er. Schließlich habe das Wasser an der Oberfläche fast den Gefrierpunkt erreicht. „Wenn man reinsteigt, stockt zunächst die Atmung“, sagt Hörmann.

Das sei schon ein echter Schock. Da schrumpften die Blutgefäße, man möchte juchzen und japsen. Worauf es jetzt ankommt: „Man muss sich zwingen, ruhig durchzuatmen“. Wer dann im Wasser ist, bekommt die Kälte zu spüren. Der Niederländer beschreibt das so: „Das ist wie ein Brennen, ein Glühen. Wie Millionen Nadeln, die auf die Haut stechen. Das ist ein unglaublich intensives Gefühl.“ Der ganze Körper schalte um. Der Organismus sei in diesen Sekunden nur auf sich konzentriert, auf die Kälte und das Wasser. Das Herz pumpe deutlich und man spüre, wie der ganze Körper durchblutet werde.

Die Hormone hüpfen

„So 40 bis 50 Sekunden soll man drinbleiben“, so Hörmann. Wie er schildert, beginnen dann die Hormone zu hüpfen. „Ich kann das aushalten, sagt sich der Körper und schüttet große Mengen Glückshormone aus.“ Die Leute im Wasser schauen sich an und reichen sich die Hände. Viele empfänden dann ähnlich: „Wir haben es geschafft, sagen sie sich.“ Diese Erfahrung bringe Menschen zusammen. Nicht selten umarmen sie sich vor Glück oder posieren wie Sieger. Wer das hinter sich habe, sei gewappnet gegen die Unbilden des kommenden Jahres.

Der Fitness-Opi

Hans-Jürgen Zippel aus Ludwigschorgast steht mit Strickmütze, im Bademantel und mit Gummischuhen nach dem Eisbad vor dem Hotel und gibt Interviews. Er wirkt ganz zufrieden. Wind und Nieselregen stören ihn nicht, während er spricht. Seine Haut ist leicht gerötet. „Ich gehe eisbaden, wann immer ich die Gelegenheit dafür habe“, sagt der 59-Jährige. Im Internet tritt er als der Fitness-Opi auf. Zum Eisbaden kam er durch seinen Großvater, inzwischen besinnt er sich auf die alten Werte der Heilkunst. „Ich leide an Rheuma. Das Eisbaden ist gut gegen die Schmerzen“, sagt er. Jahrelang habe er Morphium genommen. Nun helfen ihm die Eisbäder. Die nimmt er im Goldbergsee, im Trebgaster See und sogar in gefluteten Steinbrüchen bei Gefrees.

Die Wanne war voll

Gegen halb elf begannen die Vorbereitungen. Da kamen auch schon die Schaulustigen. Thomas Müllinger schnitt mit einer langen Motorsäge Quader aus dem Eis. Bernd Deyerling, Ulrich Pscherer und Walter Kellner schoben die Brocken teils unter die Eisfläche oder holten sie aus dem Wasser. Mit den 15 Wagemutigen im Wasser, war die Wanne anschließend gut gefüllt. Sollten sich im nächsten Jahr mehr Leute beteiligen, müsste das Loch noch größer sein.

Für den guten Zweck

Paul Hörmann geht nicht umsonst in die Kälte. Er stieg bereits in den Weißenstädter See. Mit seiner Aktion unterstützt er das Jugendkulturmobil Wunsiedel. Am Fichtelsee wurden Spenden für einen Pumptrack, einen besonderen Fahrradparcours in Wunsiedel, gesammelt.

 

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