Ausstellung: Zum Lachen in die Stadtkirche

"Luther vom Sockel": Matthias Ose in der Stadtkirche. Foto: Andreas Harbach

Diese Erkenntnis mag nicht den gängigen Klischees entsprechen, aber es ist schon so: Bisweilen kann man zum Lachen auch in die Kirche gehen. Zumindest zum Schmunzeln. In der Bayreuther Stadtkirche, wo noch bis 12. Oktober die Ausstellung „Luther vom Sockel“ zu sehen ist, ist dies derzeit der Fall.

Der Bayreuther Zeichner und Karikaturist Matthias Ose zeigt hier seine eigene völlig entspannte, humoristische, aber doch auch respektvolle Sicht auf den großen Reformator, um den sich in diesem so genannten „Luther-Jahr“ fast alles in der evangelischen Kirche zu drehen scheint.

Erfreulicherweise sind die Zeiten, in denen man den Protestanten bilderstürmende Tendenzen nachsagte, lange vorbei. Es gilt nicht mehr allein das Wort. Doch zählt es nach wie vor. Oses Bilder entfalten eben dann ihre stärkste Kraft und den ihm eigenen Witz, wenn Text und Zeichnung ineinandergreifen. Etwa wenn ein etwas verbissen wirkender Luther seine 96. These „Halloween ist Firlefanz“ an die Wand nagelt und dabei von einem skeptisch dreinblickenden Kürbiskopf mit schwarzer Zahnlücke schräg von der Seite beäugt wird. Oder wenn ein vom heiligen Furor gepackter Luther mit erhobenem Zeigefinger von der Kanzel herab einer Gemeinde voller teilnahmslos dreinblickender Kürbisköpfe am Reformationstag die Leviten ließt. Oder wenn Ose die gepflegte Halbbildung aufs Korn nimmt: Martin Luther – war das nicht so ein King aus Amerika?

Gemälde als Vorlage

Ose hat sich intensiv mit mehreren Lebensstationen des Reformators auseinandergesetzt. Die Wartburg, die Veste Coburg oder Wittenberg, wo sich ganz entzückend gezeichnet Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, tauchen auf. Bisweilen nahm sich Ose für seine Motive historisierende Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert als Vorlage. An anderer Stelle heißt es: nach Dürer, nach Cranach.

Dunkle Seiten

Auch die dunkle Seiten des Reformators thematisiert der Bayreuther Zeichner: Wie sich Luther gegen die Bauern stellt. Oder wie ihm der Teufel (antisemitische) Gedanken einflößt. Oses eigene biografische Spur – er wurde in Meiningen geboren – bricht sich Bahn, wenn er die Vereinnahmung Luthers durch Erich Honecker thematisiert, der den Reformator einst zu einem der bedeutendsten Söhne Deutschlands erklärte. Oses Amt ist es, Luther von diesem Sockel herunterzuholen. Was ihm auf feinsinnige Art gelingt. „Wenn Gott keinen Spaß versteht, so möchte ich nicht in den Himmel“, heißt es an anderer Stelle der Ausstellung.

Ganz so schlimm wird es da oben schon nicht sein. Der Besuch der Ausstellung in der Stadtkirche legt diese Vermutung zumindest nahe.

INFO: Die Ausstellung „Luther vom Sockel“ mit Karikaturen und Illustrationen von Matthias Ose ist noch bis 12. Oktober in der Bayreuther Stadtkirche zu sehen. Danach wird sie in La Spezia gezeigt.

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