Ausstellung im Landratsamt Bilder von Sabine Gollner

Zeit für Reflexionen: Sabine Gollner vor einem Selbstporträt. Die Ausstellung Ungesagtes ist derzeit im Eingangsbereich des Landratsamtes Bayreuth zu sehen. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Gar nicht so leicht, mit Sabine Gollner über ihre Bilder zu sprechen. Was soll man auch sagen über eine Ausstellung, die den Titel Ungesagtes trägt. Noch bis 19. April sind die Arbeiten der Kulturpreisträgerin des Landkreises Bayreuth 2018 im Eingangsbereich des Landratsamtes zu sehen. Allein schon aufgrund ihrer kräftigen Farbsprache dürften sie jedem Besucher ins Auge fallen.

Viel lieber als über ihre Bilder, denen sie Bezeichnungen wie Contemplation, Reflexion, Selbstbildnis im Atelier oder Wortlose Demonstration gegeben hat, spricht Sabine Gollner über Themen wie Netzwerken, Leerstandsmanagement, Kreativwirtschaft, Stadtentwicklung oder die Reizüberflutung im Alltag. Als Künstlerin will sie sich gar nicht so gerne bezeichnet wissen. Vielmehr als Impulsstrategin. Als Ideengeberin. Als kreative Kraft, der der ländliche Raum am Herzen liegt. So hat sie vor sieben Jahren die Künstlerkolonie Fichtelgebirge ins Leben gerufen. Getragen von der Vision, durch wirtschaftlich-kulturelle Aktivitäten einen positiven Wandel für die Region bewirken zu können. In der Künstlerkolonie geht es nicht darum, mit Leinwand und Pinsel durch die Wälder und Auen zu streifen und so den erlösenden Musenkuss herbeizusehnen.

Die Künstlerkolonie ist ein Netzwerk, das inzwischen 108 Mitglieder zählt und Kreative aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Webdesign, Filmmusik oder Kreativpädagogik vereint. Man muss dazu nicht seinen Wohnsitz im Fichtelgebirge haben. Auch Kreative aus England oder aus Tschechien gehören dem Netzwerk an. „Wir sind Dienstleister und keine armen Künstler“, sagt die Netzwerk-Gründerin. Dass kreative Köpfe in die Metropolen abwandern, will sie verhindern. Dafür werden ihre Projekte auch vom bayerischen Finanzministerium gefördert. „Wir brauchen Arbeitsplätze im ländlichen Raum“, sagt die Impulsstrategin, die in Bayreuth aufgewachsen ist, 18 Jahre in England gelebt hat, den Brexit für einen Wahnsinn hält und nun im Fichtelgebirge ihre Heimat gefunden hat.

Tolle Kunstlehrer

Das Interesse für bildende Kunst wurde in ihrer Schulzeit in Bayreuth geweckt. Tolle Kunstlehrer habe sie damals am Gymnasium Christian-Ernestinum gehabt. „Die haben mir den Kopf gedreht.“ Im Kunstunterricht durfte man seinen eigenen Neigungen nachgehen. Es ging um Freiheit und das Recht auf einen eigenen Blickwinkel. Dieses Recht kann man auch in ihren Bildern, die im Laufe von 20 Jahren entstanden sind, verwirklicht sehen. Bisweilen blickt die Malerin dabei auf sich selbst. Die Porträts sind mit Hilfe von Spiegelflächen entstanden. „Man sieht sich im Zentrum des Universums.“ Wie ein Kind. Es geht um die Frage: Wo bin ich in der Welt? „Ich habe mehr Fragen als Antworten“, sagt Sabine Gollner.

Malschule in Bad Berneck

Zu sehen sind überdies zwei Künstlerinnen auf einem Sofa. Die eine sehr erfolgreich in ihrem Metier, die andere grün vor Neid. Der eine oder andere Hiesige dürfte in der Ausstellung über das Ungesagte auch den Kopf eines einstigen Bayreuther Kunstlehrers entdecken. Er soll nicht allzu beliebt gewesen sein. Aber offenbar hat auch dieser Pädagoge prägend gewirkt. Jedenfalls: Eine eigene Malschule in Bad Berneck könnte sich Sabine Gollner, die nach ihrem Architekturstudium unter anderem auch viele Jahre als Dozentin für freies Zeichnen und Aktzeichnen an der University of Central England tätig war, gut vorstellen. Zu klären wäre nur noch die offene Frage der Finanzierung.

 

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