Aus Marktredwitz Brandschutz made in Oberfranken

1000 Grad – doch die Hand bleibt unbeschadet: Marketing-Leiter Heiko Faltenbacher demonstriert, was das Dämmsystem aushält. Foto: Florian Miedl

MARKTREDWITZ. Eine Wärmedämmung ist einfach eine Wärmedämmung, und Fassadenverkleidungen sind einfach Fassadenverkleidungen: Der Laie jedenfalls macht sich keine tiefschürfenden Gedanken über die Mauern des Hochhauses, hinter denen er wohnt. Der 14. Juni 2017 allerdings war ein Tag, der vieles veränderte: Damals brach in London im 24 Stockwerke hohen Grenfell Tower ein Feuer aus, die Flammen breiten sich hinter der wärmegedämmten und vorgehängten Fassade blitzschnell aus. Mit diesem Unglück, bei dem 71 Menschen starben, ist der Brandschutz von Hochhäusern zum Top-Thema geworden - auch in Deutschland.

Dass es in einer Wohnung zu einem Brand kommt, wird sich nie vermeiden lassen. Das ist auch Heiko Faltenbacher von der Firma Heck Wall Systems in Marktredwitz klar. Der Prokurist und Marketing-Chef des Baustoff-Herstellers ist sich aber sicher, dass Brände in Hochhäusern wie in Einfamilienhäusern nicht zwangsläufig in der Katstrophe enden müssen.

Heck Wall Systems hat nach einer zweieinhalbjährigen Entwicklungszeit eine Wärmedämmung - das Verbundsystem Heck MW A1 - auf den Markt gebracht, die nach seinen Worten eine bislang nicht gekannte Qualität des Brandschutzes bietet: „Uns ist der Durchbruch beim vorbeugenden Brandschutz gelungen“, sagt Faltenbacher.

Mit einer Portion Stolz präsentiert er gemeinsam mit seinem Kollegen Nico Jeschar von der Marketing-Abteilung die europäische und die deutsche Zulassung für das Dämmsystem.  

Nach Firmenangaben handelt es sich um das erste Wärmedämm-Verbundsystem, das in Europa die besonders strenge „Euroklasse A1“ erfüllt. Es biete damit die brandsicherste Dämmung für Gebäudefassaden. 

Heck Wall Systems bietet seit Jahren Dämmsysteme an. Um die höchste Brandschutz-Klassifizierung zu erreichen, wurden sämtliche Komponenten der Platten weiterentwickelt, verbessert und strengen Prüfverfahren unterzogen.

Das neue Dämmsystem - es besteht aus Steinwolle, einem Armierungsmörtel und einem speziellen Armierungsgewebe - ist, wie Faltenbacher erläutert, nicht brennbar. Es hat einen Schmelzpunkt von über 1000 Grad, setzt bei einem Brand keine giftigen Gase frei und schwächt das Aufkommen von Rauch.

Das alles könne den gefürchteten Flashover verhindern: Vom Flashover spricht man, wenn sich die Flammen des ursprünglichen Zimmerbrandes blitzschnell über die Fassade von Etage zu Etage ausbreiten.  

Die Marktredwitzer Spezialisten sehen einen großen Bedarf für das neue Dämmsystem: Seit der Brandkatastrophe in London haben viele Städte in Deutschland eine Überprüfung der Hochhäuser angeordnet - oft mit drastischen Folgen.

So  wurden erste vor wenigen Tagen in Duisburg nach einer Begehung durch Brandschutzexperten zwei Hochhäuser binnen Stunden evakuiert. 200 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, weil die Stadt die Nutzung der zwölfgeschossigen Häuser untersagte.

Die Fachleute stellten fest, dass sich bei einem Feuer im Keller der Rauch möglicherweise über offene Schächte und das Treppenhaus bis in die Wohnungen ausbreiten würde und die Bewohner dann nicht gerettet werden könnten.

Auch in Nürnberg gibt es nach Angaben des Baureferats 124 Hochhäuser mit einer Mindesthöhe von 22 Metern, die zum Teil noch inspiziert werden.

 

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