Aus Bayreuther Manufaktur Barockkommode unterm Hammer

Barockkommode der Gebrüder Spindler. Foto: Auktionshaus Metz

BAYREUTH. Vermutlich stand sie einst in der Wohnung eines Bayreuther Juristen, Richters oder Apothekers. Jedenfalls in einem Haushalt des gehobenen Bürgertums. Am Samstag, 15. Dezember, wird eine Barockkommode aus der Bayreuther Manufaktur der Gebrüder Spindler im Heidelberger Auktionshaus Metz versteigert. Der Limitpreis liegt bei 65.000 Euro.

Daran, dass das prächtige Möbelstück tatsächlich in Bayreuth gefertigt wurde, lässt Mike Metz, der Inhaber des Auktionshauses, keinen Zweifel. Laut Metz lässt sie die Kommode klar den Gebrüdern Spindler zuordnen. Was sich an der Würfelmarketerie und den filigran ausgeführten Einlegearbeiten erkennen lässt. Mit Blick auf die Darstellungen gerät Metz fast ins Schwärmen: „Das ist wie ein in Holz eingelegtes Gemälde.“

Johann Heinrich und Heinrich Wilhelm Spindler stammen aus einer Künstlerfamilie. Ihr Vater Johann Spindler hat nach Angaben der Bayerischen Schlösserverwaltung vermutlich die Parkettböden im Neuen Schloss in Bayreuth gelegt. Nach dem Tode von Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth im Jahr 1763 wurden Mitglieder der Familie von Preußens König Friedrich II. nach Potsdam berufen, um dort maßgeblich an der Ausstattung der königlichen Schlösser mitzuwirken.

Ob die nun zu versteigernde Kommode nicht auch aus Potsdam stammen könnte? „Nein“, sagt Mike Metz. Dann wäre sie wohl nach französischen Vorbildern gefertigt worden, was mehr dem Geschmack Friedrichs des Großen entsprochen hätte. Möglicherweise wäre sie dann mit einer Marmorplatte versehen worden. Ein weiteres Indiz weist darauf hin, dass die Kommode aus Bayreuth stammt: Auf der Rückseite und am Boden finden sich Klebeetiketten mit der Aufschrift „Bayer. Staatseisenbahnen... Bayreuth am 3. 8. 1897“.

Reise nach Irland

Jedenfalls hat das Möbelstück eine weite Reise angetreten, die es bis nach Irland geführt hat. Und zwar ins Landgut Ballymenoch House in Cardross, Nordirland. Als Provenienz gibt das Auktionshaus an: Lord Belmont beziehungsweise Sir Daniel and Lady Dixon. Durch den Verkauf des Landguts kam es auch zur Veräußerung der Spindler-Kommode, die nun in Heidelberg gelandet ist.

Das Möbelstück steht auf vier geschwungenen, geschnitzten Füßen. Die dreischübige Kommode ist mit einer mehrfach geschweifte Front versehen. Die überstehende, profilierte Platte folgt der Form des Unterbaus. Im Text des Auktionskatalogs heißt es: „Meisterhaft marketiert, teilweise schattiert, brandschattiert und gefärbt mit Landschaft, Delphinbrunnen, Putto, Hund, Bandmuster mit Rocailles und Würfelparkett. Feuervergoldete Bronzebeschläge.“

Der Limitpreis der Auktion liegt bei 65.000 Euro. Bei Metz hat man sich bei der Preisfindung an einem früheren Verkauf einer Spindler-Kommode orientiert. Dieses Möbelstück habe knapp 80.000 Euro gebracht.

Kommode im Neuen Schloss

Weitaus höher lag der Preis für eine Spindler-Kommode, die im Neuen Schloss in Bayreuth zu sehen ist. Wie die Schlösserverwaltung auf ihrer Homepage mitteilt, handelt es dabei um ein Hauptwerk der Gebrüder Spindler, das beispielhaft den Bayreuther Rokoko vertritt. Diese Möbelstück wurde einst mit großer Unterstützung der Ernst von Siemens-Stiftung zum Preis von mehr als 380.000 Euro gekauft.


Info: Weitere Infos zur Auktion unter www.metz-auktion.de

 

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