Auftritt in Bischofsgrün Landstadt Fichtelgebirge: Erfinder stellen ihre Idee vor

Der Verein Große Landstadt Fichtelgebirge hat sich eine Vorstandschaft gegeben, von links 1. Vorsitzender und Initiator Matthias Popp, 2. Vorsitzende Sigrid Reul-Herold und Schatzmeister Rolf Küstner. Foto: Harald Judas

BISCHOFSGRÜN. Sie liegen alle im Fichtelgebirge, und sie haben alle die gleichen Probleme sowie wenig Geld, diese zu lösen. Die Kommunen des Fichtelgebirges organisatorisch zu einer Großen Landstadt Fichtelgebirge zusammenzufassen, ist die Idee von Professor Matthias Popp aus Wunsiedel. Diese wurde nun im Bischofsgrüner Kurhaussaal erstmalig im Landkreis Bayreuth vorgestellt.

Gleichzeitig hat die Initiative an dem Abend eine Satzung beschlossen und einen Vorstand gewählt, womit in einer Mitgliederversammlung im Anschluss an den Infoabend die Vereinsgründung abgeschlossen wurde. Bischofsgrüns Bürgermeister Stephan Unglaub sprach als Hausherr zunächst von einem „spannenden Thema“ und wies auf aktuelle Tendenzen hin, enger zwischen den Landkreisen zusammenzuarbeiten. „Es ist uns auch gelungen, die Regionalmanagements zusammenzubringen“, sagte er.

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Ideengeber Matthias Popp erläuterte die Grundidee der Großen Landstadt. Eine Verwaltung, einmal richtig gut, statt 42-mal vor Ort. Komfortverbesserung, Kosteneinsparung und mehr Fachwissen und Fachkompetenz würden so möglich. Wobei sich die Arbeitsplätze in der Verwaltung dank der digitalen Möglichkeiten auf die Region verteilen ließen und eine Verwaltung jeweils vor Ort erhalten bliebe.

Ziel des Ganzen: Das Fichtelgebirge soll aus der Rolle des Bittstellers herausfinden. Popp: „Heute ist es so, dass eine Kommune darauf schaut, dass ein Investor bleibt.“ Bei der Großen Landstadt gebe es keine interne Konkurrenz um Betriebe und Gewerbesteuer. Eine große Kommune könnte aber auch besser Träger der Energiewende sein. Und auch ein Nahverkehrskonzept im Fichtelgebirge ließe sich so leichter umsetzen. „Einzelkämpfertum überwinden“, so die Devise. Viel besser als seine Kräfte zu messen, sei es, Stärken zu bündeln.

Leidet die wohnortnahe Infrastruktur?

Die Große Landstadt wäre organisatorisch eine kreisfreie Stadt. Jede Gemeinde dürfe sich mit anderen zusammenschließen, die rechtlichen Grundlagen seien vorhanden. Ein Zusammenschluss würde sogar mit Bedarfszuweisungen unterstützt. Die Landkreisfrage hätte sich damit erübrigt. „Wir wären mit 160.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Bayerns“, so Popp.

Um die Belange der einzelnen Mitgliedskommunen dennoch zu erfassen, soll ein erweiterter Vorstand im Verein von jeder Kommune einen Vertreter umfassen. Anschließend zeigte sich, dass rund um das Konstrukt durchaus konträre Meinungen aufeinandertreffen. Dass die wohnortnahe Infrastruktur leiden würde, die Interessen der einzelnen Gemeinden trotzdem zu kurz kommen, war eine Befürchtung.

Bedenken gegen politische Gruppierung

Der Gefreeser Bürgermeister Harald Schlegel gab zu bedenken: „Tatsache ist, dass wir die Menschen mitnehmen müssen.“ Bischofsgrüns Bürgermeister Stephan Unglaub sprach sich dafür aus, die Idee besser „ohne politisches Geplänkel“ voranzubringen. „Wenn wir nicht als Wählervereinigung aufgetreten wären, hätte es nie diese Aufmerksamkeit gegeben“, entgegnete Popp. Man wolle Wählern ein Angebot machen. Ziel sei es auch, in möglichst vielen Kommunen schon 2020 mit eigenen Listen anzutreten.

Der Verein Große Landstadt Fichtelgebirge ist per Satzung eine überparteiliche Wählervereinigung mit offiziellem Sitz in Höchstädt, die zum Start 28 Mitglieder, darunter sechs aus dem Landkreis Bayreuth und zwei aus dem Landkreis Tirschenreuth, hat. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden Matthias Popp (Wunsiedel), seiner Stellvertreterin Sigrid Reul-Herold (Höchstädt), Bernd Leutheußer (Marktredwitz) als Schriftführer und Rolf Küstner (Thiersheim) als Schatzmeister. Jede Kommune soll in einem Beirat vertreten sein.

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Umfrage: Braucht es die Landstadt Fichtelgebirge?

Andreas Leest (Bad Berneck): „Das ist eine herausragende Idee. Eine einheitliche, effiziente und günstige Verwaltung. Dazu keine Konkurrenz mehr unter den Gemeinden um Gewerbeansiedlungen, um Steuern oder im Tourismus. Das Dritte ist der größere politische Einfluss. Die Landstadt hätte ein ganz anderes Gewicht. Wenn ich diese drei großen Argumente sehe, hoffe ich, die Bürger werden in der Lage sein, die Vorteile für die Region zu sehen.“

Alfons Klingel (Fichtelberg): „Die Idee ist sehr gut und auch zu unterstützen. Aber nicht als politische Gruppierung. Ein Verein wäre meiner Meinung nach die bessere Lösung, als eine neue politische Vereinigung aufzutun. Somit könnten dann auch alle Mandatsträger jeder Couleur, ohne Rücksicht auf eine Parteizugehörigkeit tatkräftig mit unterstützen. Man muss einen Grundstock aus der Bevölkerung gewinnen. Die meisten kennen die Idee nicht, haben wir dazu gehört. Die müssten erst einmal mehr Informationen erhalten.“

Armin Kellner (Fichtelberg): „Ich bin ein Verfechter der Idee. Auch München hat als kleines Kloster angefangen. Wir sind machtlos und hilflos, irgendetwas zu unternehmen. Als sich in Himmelkron ein Möbelriese ansiedeln wollte, hat man es verhindert. Wir haben Fläche, Infrastruktur, könnten sagen, wir entwickeln dieses Gebiet zur Erholung und andere Gebiete, wo angesiedelt werden kann. Ich würde mich freuen, wenn ich 90 wäre und das wäre etabliert.“

Christa P. Meist, Bischofsgrün: „Ich habe zwei große Reformen erlebt. Immer hieß es, dadurch, dass wir zusammenfassen, eröffnen sich Spielräume, geht es allen besser. Das eine war die Gebietsreform, das andere der Übergang von der EWG zu unserem Europa. In unserer Diskussion kamen Schulwege für Kinder, Wege zu Ärzten jedenfalls nicht vor. Ich bin gespalten. Soll ich mich einbringen, oder soll ich warnen. Es gibt noch ganz gewaltigen Diskussionsbedarf.“

 

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