Auf Wachstumskurs Frenzelit investiert 20 Millionen Euro

Mit der Maschine im Hintergrund und der neuen Halle, in der die beiden stehen, sehen kaufmännischer Leiter Heinz Jahreiß (links) und Geschäftsführer Thomas Dötsch Frenzelit für die Zukunft gerüstet. Foto: Andreas Harbach

HIMMELKRON /BAD BERNECK. Bei Frenzelit läuft’s gut. So gut, dass der Spezialist für Dichtungen, Isolationen und Kompensatoren kräftig investiert – rund 20 Millionen Euro sind für 2018 und 2019 veranschlagt. Allein knapp die Hälfte dieser Summe ist bereits in eine neue Halle inklusive einer großen Maschine für technische Textilien am Standort Himmelkron geflossen.

Im vergangenen Jahr hat Frenzelit beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Marke geknackt, sagt Geschäftsführer Thomas Dötsch. Die Auftragslage sei in den einzelnen Geschäftsbereichen gut bis sehr gut, fast überall werde im Dreischichtbetrieb produziert. Die Ertragslage nennt er auskömmlich. In normalen Jahren würden knapp fünf Prozent der Erlöse wieder investiert. Doch jetzt musste tiefer in die Tasche gegriffen werden, denn: „Wir wären an Wachstumsgrenzen gestoßen, wenn wir jetzt nicht reagiert hätten.“ Und so wurde in Himmelkron seit Mai 2018 eine 3500 Quadratmeter große Produktionshalle gebaut, die die Nutzfläche dort auf insgesamt rund 25.000 Quadratmeter erweitert. Weitere 20.000 Quadratmeter stehen am Firmensitz im benachbarten Bad Berneck zur Verfügung. 500 der insgesamt rund 650 Mitarbeiter haben an diesen beiden Standorten ihren Arbeitsplatz.

Bis zu 1100 Grad hitzebeständig

Einen Teil der neuen Halle füllt eine extra für Frenzelit konstruierte Maschine. Der Laie sieht hauptsächlich blau lackierte Metallabdeckungen, hinter denen automatisierte Produktionsschritte ablaufen, sowie silbrig glänzende Lüftungsrohre. Noch läuft der Probebetrieb, aber wenn gegen Ende Februar die Serienproduktion startet, soll hier pro Stunde bis zu einer Tonne einer speziellen Glasfaser auf Silikatbasis hergestellt werden, die bis zu 1100 Grad hitzebeständig ist.

Von der Zentralheizung bis zur Raumfahrt

Der Einsatzbereich? „Überall, wo es richtig heiß ist“, sagt Reiner Schrei, der den größten Frenzelit-Geschäftsbereich Technische Textilien verantwortet. Soll heißen: In der Autoindustrie, die mit rund einem Drittel die größte Einzelbranche ist, in der Stahlherstellung, bei der Glasproduktion oder auch in der Luft- und Raumfahrttechnik. Aber auch die Brenner in konventionellen Heizungsanlagen etwa in Einfamilienhäusern werden mit dem Material isoliert. „Von der Zentralheizung bis zur Raumfahrt – da ist im Prinzip oft die gleiche Faser im Einsatz, nur die von uns entwickelten Anwendungen sind unterschiedlich“, sagt Schrei.

Überall dabei, nirgends sichtbar

Frenzelit fungiert als Zulieferer, produziert vor allem so genanntes Halbzeug, das die Abnehmer dann zu eigenen Produkten weiterverarbeiten. „Wir sind überall dabei, aber nirgends sichtbar“, sagt Schrei dazu. Geschäftsführer Dötsch nennt ein paar Beispiele – etwa die Hitzeisolation an Motor und Abgasstrang bei Autos und Lastwagen, Dichtungen für Rohrleitungen in Raffinerien und der chemischen Industrie, Filtermaterialien für Gase oder Öle, aber auch Isolation oder Heizsysteme etwa in Zügen. „Die ICE-Züge von Siemens: Da sind wir in jeder Dreh-Kupplung drin, auch in China“, sagt Dötsch nicht ohne Stolz.

53 Prozent Exportanteil

Apropos Ausland: 53 Prozent beträgt der Exportanteil von Frenzelit, es gibt eigene Auslandsstandorte in Tschechien, den USA, Dubai, Indien und China sowie feste Service- und Logistikpartner in 65 Ländern weltweit. Was für Mitarbeiter auch die Chance biete, Auslandserfahrung zu sammeln, sagt der kaufmännische Leiter Heinz Jahreiß. Im Schnitt 45 Auszubildende und duale Studenten seien ständig im Unternehmen, die nach erfolgreichem Abschluss möglichst übernommen werden. Was allerdings nicht ausreiche, um den eingeschlagenen Wachstumskurs zu stemmen, so Dötsch.

Auf der Suche nach Nachwuchs

Allerdings werde es zunehmend schwerer, neue Mitarbeiter auf dem freien Markt zu finden. Dabei würden für die anspruchsvolle Entwicklungsarbeit, die bei Frenzelit in Zusammenarbeit mit den Kunden, aber auch den Hochschulen in Bayreuth und Hof geleistet werde, viele gute Leute gebraucht, sagt Jahreiß. Deshalb werde auch versucht, Studenten über Praktika, Bachelor- und Masterarbeiten vom Unternehmen zu begeistern und ihnen klar zu machen, dass sie bei einem innovativen Mittelständler ein interessanteres Arbeitsfeld mit mehr Verantwortung finden als etwa bei Audi oder BMW.

Maschine für die Zukunft gerüstet

Zurück zur neuen Halle und zur neuen Maschine. Auf der werden zunächst bestehende Produkte produziert, die bisherige Kapazität verdoppelt. Doch sie stehe auch für den Spagat, dass in bestehende Technologien ebenso investiert werden muss wie in künftige, betont Dötsch. Die Maschine sei auch darauf ausgelegt, später Produkte herzustellen, die derzeit noch in der Entwicklung sind, etwa für den Bereich Elektromobilität.

Auch Verwaltung braucht mehr Platz

Womit das Wachstum bei Frenzelit wohl noch nicht ausgeschöpft sein dürfte. Das Unternehmen hat jedenfalls gerade erst eine Bauvoranfrage an die Stadt Bad Berneck für eine eventuelle Erweiterung in Frankenhammer gestellt. Es zeichne sich ab, dass auch dort Bedarf besteht, etwa für die Verwaltung, sagt Dötsch. Entschieden sei aber noch nichts.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading