Auch Kaufland verlässt das "Fritz"

Das Kaufland im Fritz. Foto: Stefan Linß

Die 50 Mitarbeiter haben nun Gewissheit: Kaufland gibt seinen Laden in Kulmbach auf. Die Gerüchte, dass der Lebensmittelhändler im Einkaufszentrum "Fritz" schließen wird, halten sich schon lange hartnäckig. Vor knapp einem Monat hatte die Kaufland-Pressestelle in Neckarsulm unserer Zeitung noch mitgeteilt, die Situation am Standort werde sich nicht ändern. Damals verkündeten der Modemarkt Adler und der Kräuterladen Elsbeth Müller ihren Rückzug aus dem "Fritz".

Nun hat Kaufland offensichtlich die Meinung geändert und beschert dem Kulmbacher Einkaufszentrum den nächsten großen Leerstand. "Das ist schade für uns und schade für die Kunden", sagt Maarten Koorn von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Futura, der das Einkaufszentrum gehört. "Aber jedes Ende ist auch der Anfang von etwas Neuem", betont der Eigentümervertreter im Gespräch mit dem Kurier. Er selbst habe auch erst aus der Presse von der Kaufland-Entscheidung erfahren. Radio Plassenburg hatte die Nachricht zuerst am Mittwoch verbreitet.

Mit dem Betriebsrat soll ein Sozialplan verhandelt werden

Kaufland teilt auf Nachfrage mit, dass zunächst nur ein vorläufiger Beschluss zur Schließung der Filiale in Kulmbach vorliegt. "Nach eingehender Prüfung in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, künftige Umsatzpotenziale und Modernisierungsbedarf wurden die derzeitigen Ergebnisse ausgewertet", sagt die Pressestelle. "Um im endgültigen Schließungsfall gute und sozialverträgliche Lösungen für jeden der rund 50 beschäftigten Mitarbeiter zu finden, werden wir zeitnah Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan mit dem Betriebsrat aufnehmen, um Varianten zu erörtern", heißt es aus dem Unternehmen.

Als Termin für die eventuelle Schließung nennt Kaufland den August 2019. Der Handelskonzern spricht von einer schwierigen Entscheidung. "Wir bedauern sehr, wenn Mitarbeiter und Kunden von einer Filialschließung betroffen sind", teilt Kaufland weiter mit. Derzeit sei zwar kein Alternativstandort in Aussicht, das Unternehmen sei aber weiter auf der Suche nach einem geeigneten Standort in Kulmbach und Umgebung.

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Das Unternehmen hat Mitarbeiter und den Betriebsrat am Montag über die Schließungspläne informiert. Paul Lehmann von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi war dabei. Er ist entsetzt über das Vorgehen von Kaufland. "Man kann darüber nur noch den Kopf schütteln. Das ist wirklich bitter", sagt der Gewerkschaftssekretär.

Einige der Mitarbeiterinnen haben geweint, als sie erfahren haben, dass sie ihren langjährigen Arbeitsplatz verlieren werden. "Offenbar hat sich Kaufland überhaupt keine Gedanken gemacht, was aus den Beschäftigten werden soll", kritisiert Paul Lehmann. Es sei nichts investiert worden und plötzlich heißt es, dass die Umsätze nicht mehr stimmen.

 Gewerkschaft will um Alternative zur Schließung kämpfen

"Unsere Priorität ist es, den Standort zu halten", sagt der Gewerkschaftssekretär. Sollte das nicht funktionieren, dann müsse mit der Stadt gesprochen werden, ob es nicht doch einen alternativen Platz mit genügend Fläche gibt, an denen sich eine neue Kaufland-Filiale niederlassen kann. Als letzte Möglichkeit sieht Lehmann den Sozialplan.

"Ich bitte die Bevölkerung darum, sich mit der Kaufland-Belegschaft zu solidarisieren und zu helfen, wo es geht", sagt der Verdi-Mitarbeiter. Einfach anderswo eine Stelle im Verkauf anzunehmen, sei für die Mitarbeiter nicht einfach und möglicherweise mit Einbußen verbunden.

Schramm sieht Steigerungspotenzial für den Umsatz

"Mir tut die Beschäftigten leid", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm. "Es war zu spüren, dass sie sich mit Herzblut eingesetzt haben." Umso bedauerlicher sei es, dass Kaufland nun diese unternehmerische Entscheidung getroffen hat. Die Stadt habe versucht, dem Konzern darzulegen, warum ein Bleiben sinnvoll ist. In unmittelbarer Nähe auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei und des Güterbahnhofs entstehen in den kommenden Jahren das Grüne Zentrum, der Uni-Campus und neue Wohnungen.

"Wir haben ein großes Interesse daran, dass Kaufland in der Innenstadt bleibt", erklärt Henry Schramm. Trotzdem habe die Geschäftsleitung von Kaufland die Situation anders beurteilt, weil der Umsatz derzeit nicht gestimmt hat.

Eigentümer hat angeblich neue Interessenten

Bereits im November 2014 machten in Kulmbach Gerüchte die Runde, dass große Geschäfte das "Fritz" verlassen wollen. Angeblich habe sich Kaufland für den ehemaligen Hela-Baumarkt in der Lichtenfelser Straße interessiert. Dort eröffnete 2015 der Renovierungsdiscounter Tedox seine Kulmbacher Filiale. Kaufland verwies damals jedoch auf den bestehenden Mietvertrag und blieb dem "Fritz" treu.

Dass der Vertrag nun über den August 2019 hinaus noch verlängert wird, ist sehr unwahrscheinlich. "Fritz"-Eigentümervertreter Maarten Koorn zeigt sich trotz der schlechten Nachricht optimistisch. "Es gibt Möglichkeiten, auf der Fläche etwas Neues zu machen", sagt er. Mehrere Interessenten haben in Gesprächen signalisiert, dass sie sich vorstellen können, ins Center einzuziehen.

Kaufland-Fläche in kleinere Einheiten teilen

Das "Fritz" plane einen Umbau. Ein Lebensmittelhändler könne dort durchaus eine gute Zukunft haben. Auch ein Drogeriemarkt sowie Spielwaren- oder Bekleidungsgeschäfte seien vorstellbar. "Vielleicht war Kaufland auch nicht der geeignetste Mieter", sagt Maarten Koorn. Der Lebensmittelhändler verfolge ein Konzept, das sich auf der freien Fläche einfacher umsetzen lasse als in einem Einkaufszentrum.

Eine Idee, die das "Fritz" verwirklichen will, ist der Umbau der großen Kaufland-Fläche in mehrere kleine Einheiten. Wir verfolgen den Plan, eine Verbindung zwischen dem Parkhaus und dem Laden herzustellen", verrät Maarten Koorn. Bislang war die räumliche Situation ein bisschen unglücklich. Die Kaufland-Kunden mussten mit dem Einkaufswagen erst durch das Center und dann mit dem Aufzug ins Parkhaus, um zum Auto zu kommen. Das könnte ein Grund gewesen sein, warum die Umsätze für Kaufland nicht gestimmt haben.

"Fritz" will von Uni und Grünem Zentrum profitieren

"Wir haben uns da schon eine gute Lösung ausgedacht", sagt Koorn. Eine Rolltreppe soll künftig das Parkhaus mit seinen über 900 Stellplätzen direkt mit den Geschäften im Erdgeschoss verbinden. Das verbessere die Zugänglichkeit besonders mit Einkaufs- und Kinderwagen. Die Futura-Vermögensgesellschaft hat das angrenzende Grundstück mit Gebäuden an die Stadt verkauft. Dort entstehen Universität und das Grüne Zentrum. Von dieser positiven Entwicklung werde früher oder später auch das Einkaufszentrum profitieren. Maarten Koorn ist überzeugt davon. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, es richtig gut zu machen."

Außerdem sei geplant, dass im September dieses Jahres Kreuzers Backhäusla im Einkaufszentrum auf einer größeren Fläche mit erweitertem Sortiment und Café-Bereich eröffnen wird. Im Oktober kommt darüber hinaus auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern ein neues Haushaltswarengeschäft ins "Fritz".

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