Auch in Oberfranken läuft es rund Rödl & Partner erzielt Rekordumsatz

Christian Rödl steht seit dem Jahr 2011 an der Spitze der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner. Foto: red

NÜRNBERG/BAYREUTH. Der deutsche Mittelstand ist auf heimischen und besonders auf internationalen Märkten erfolgreich. Sein Wachstum kurbelt auch das Geschäft von Rödl & Partner an, denn die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft begleitet Unternehmen interdisziplinär bei grenzüberschreitenden Projekten und Geschäftstätigkeiten.

Der Umsatz von Rödl & Partner stieg im Geschäftsjahr 2017 auf 415 Millionen Euro (Vorjahr: 386,2 Millionen Euro). Das bedeutet einen neuen Rekordwert und entspricht einem Zuwachs von 7,5 Prozent. Auf Deutschland entfielen 218,7 Millionen Euro (+ 8,32 Prozent). Das Geschäft außerhalb Deutschlands legte auf 196,3 Millionen Euro zu (+ 6,51 Prozent).

Diese Zahlen gab Geschäftsleitungsvorsitzender Christian Rödl in der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens in Nürnberg bekannt. Alle Geschäftsfelder legten ihm zufolge erneut deutlich zu.

Fast 180 Mitarbeiter in Oberfranken

Auch in Oberfranken hat sich Rödl & Partner positiv entwickelt. Insgesamt fast 180 Mitarbeiter zählt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft aktuell an den Standorten Hof, Selb, Kulmbach, Bamberg und Bayreuth.

Die größte Niederlassung Hof/Kulmbach erwirtschaftete im vergangenen Jahr erstmals mehr als 5,5 Millionen Euro, wie Leiterin Ute Coenen im Gespräch mit unserer Zeitung bilanzierte. Das sei ein Umsatzsprung von acht Prozent.

Zum Wachstum hätten sowohl die Felder Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung als auch die Rechtsberatung beigetragen. Michael Braun, der zusammen mit Coenen die Niederlassung führt, betonte: „Wir sind sehr zufrieden. Die günstige konjunkturelle Lage hat unsere Mandanten und damit auch uns beflügelt.“

Braun wurde jüngst zum Partner des Unternehmens ernannt. Damit werde auch die Rechtsberatung in der Hofer Niederlassung gestärkt, sagte Coenen. Sie sprach von einem guten ersten Halbjahr 2018.

Globale Handelskonflikte

Sorgen bereiteten ihren Mandanten allerdings die zunehmenden globalen Handelskonflikte. Verantwortlich für das Wachstum der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft, die ihren Stammsitz in Nürnberg hat, war vor allem der weiterhin steigende Bedarf nach komplexen - häufig transaktionsbezogenen – Beratungsdienstleistungen.

Aber auch der Bereich Abschlussprüfung konnte deutlich zulegen. Rödl & Partner fokussiere sich auf mittelständisch geprägte Weltmarktführer aus Deutschland, sagte Christian Rödl. „Damit entfaltet sich unser sehr spezifisches, auf interdisziplinäre Beratung ausgerichtetes Geschäftsmodell voll und ganz zum Nutzen unserer Mandanten. Da wir selbst ein international agierender Mittelständler sind, verstehen wir ihre Anforderungen nur zu gut.“

Im Geschäftsfeld Rechtsberatung resultierte das Umsatzplus vornehmlich aus der Beratung bei grenzüberschreitenden Unternehmenskäufen und -verkäufen von deutschen Unternehmen. 2017 war eines der aktivsten und erfolgreichsten Jahre für M&A-Transaktionen für Rödl & Partner, wie das Unternehmen mitteilte.

Beratungsbedarf durch Erbschaftsteuerreform

Weltweit wurden demnach 262 nationale und internationale Transaktionen realisiert. Das entspreche einer Steigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 63 Prozent der Transaktionen waren mindestens zwei Dienstleistungsbereiche von Rödl & Partner interdisziplinär im Einsatz.

Der Bereich Steuerberatung erhielt 2017 nicht nur durch die Beratungsfelder Verrechnungspreise und Umsatzsteuer Rückenwind, sondern auch durch die anhaltenden Auswirkungen der Erbschaftsteuerreform. Denn bei Familienunternehmen bestehe mit Blick auf die Unternehmensnachfolge nach wie vor großer Beratungsbedarf, hieß es in einer Mitteilung. So müssten etwa die neuen Junior-Gesellschafter Testamente errichten und rechtliche Vorsorgepakete erstellen.

Christian Rödl berichtete von einem gelungenen Jahresstart. Zwar seien weltpolitische Ereignisse wie zunehmende Handelsbarrieren schwer kalkulierbar, doch gerade deshalb würden Unternehmen umso mehr nach Verlässlichkeit in der Beratung und Betreuung suchen.

Die geschäftliche Zuversicht gründet nicht zuletzt auf einer aktuellen internen Erhebung von Rödl & Partner unter mittelständischen deutschen Weltmarktführern. Danach stufen mehr als 70 Prozent das allgemeine Geschäftsklima in Deutschland als gut beziehungsweise sehr gut ein.

Kampf um die besten Köpfe

Die gleiche positive Einschätzung gaben die Unternehmen auch mit Blick auf ihre Wachstumsaussichten und die Geschäftstätigkeiten im internationalen Markt. Diese bewerteten nahezu 90 Prozent der Befragten als stark beziehungsweise stabil.

Rödl & Partner forciert seine Anstrengungen, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden. Denn der Kampf um die besten Köpfe ist härter geworden. Niederlassungsleiterin Ute Coenen berichtete: „Das Thema Personal treibt uns um. Es wird immer schwieriger, sehr gute Mitarbeiter zu finden.“

Ihr Unternehmen wolle vor allem damit punkten, dass es neuen Mitarbeitern gute Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Dabei spiele Weiterbildung eine zentrale Rolle. Coenen sieht die hauseigene Fortbildungsakademie in Nürnberg als großen Pluspunkt für Rödl & Partner an.

Weltweit 4700 Mitarbeiter

Rödl & Partner beschäftigt weltweit etwa 4700 Mitarbeiter, 1900 davon in Deutschland. Das Unternehmen hat 111 eigene Niederlassungen in 51 Ländern. Die Geschichte von Rödl & Partner ist eng mit Oberfranken verbunden. Bernd Rödl, der die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft 1977 als Ein-Mann-Unternehmen in Nürnberg gründete, war in Hof aufgewachsen. Sein Sohn Christian ist heute Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Bernd Rödl, der am 9. November 2015 verstarb, gehörte zu den ersten Rechtsanwälten in Bayern, die sich als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer qualifizierten. Von Anfang an setzte er auf eine fachübergreifende Beratung. Der Durchbruch für sein Unternehmen gelang mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Als erste westdeutsche Kanzlei eröffnete Rödl & Partner noch vor der Wiedervereinigung eine Kanzlei in Sachsen. Es folgte 1989 der Auslandsstandort in Prag, dann in Warschau und Budapest. 1994 expandierte das Unternehmen nach China, 1999 in die USA.

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