Neues Buch Wie sich Wilhelmine bettete

Buchautor Arno Kröniger Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Da war sein Forschergeist geweckt: „Ich interessiere mich für alles, was nicht mehr da ist“, sagt Arno Kröniger, während er sein neues Büchlein in Händen hält. „Das Neue Schloss der Eremitage – zerstört und vergessen“, lautet der Titel. Es gewährt Einblicke in die Welt der Markgräfin Wilhelmine, die bisher kaum bekannt waren. Denn Krönigers Buch zieren mehrere Farbfotografien, die die Gemächer zumindest teilweise so zeigen, wie sie Wilhelmine einst bewohnt hatte. Dies gilt insbesondere für die Decken- und Wandgestaltung sowie die Bettnischen.

Drei Jahre hat der Bayreuther, der bereits mehrere Bücher im hiesigen Dialekt oder auch über Richard Wagner veröffentlicht hat, an seinem neuen Werk gearbeitet. Dafür hat er auf Messen Ansichtskarten gekauft oder im Internet ersteigert.

Die gewichtigsten Schätze hat Kröniger im Bildarchiv Foto Marburg, Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, gehoben. Die bisweilen leicht rotstichigen Farbfotos sind in den Jahren 1943/45 entstanden. Noch rechtzeitig, bevor das Neue Schloss der Eremitage im April 1945 ein Raub der Flammen wurde.

Kurz vor Kriegsende waren Teile des Reichsfilmarchivs Berlin in die Eremitage transportiert worden. „Da es sich dabei noch um Nitrozellulose-Filme handelte, ist die explosionsartige Brandwirkung im Schloss nachvollziehbar“, schreibt Kröniger. Die gesamte Inneneinrichtung des Schlosses verbrannte.

Umso wertvoller sind die Farbfotos des Marburger Bildarchivs. Wer sehen will, wie sich Wilhelmine einst bettete, erhält hier detaillierte Einblicke. Die Bettnische im Schlafzimmer der Markgräfin war in die Wand eingelassen. Die Deckenstuckatur hatte ein vergoldetes Bandwerk mit Blumengehängen und fantastischen Vögeln. Zwei Nussbaumkommoden in Sargform und Landschaftsbilder komplettieren die Ausstattung des Raumes.

Audienzzimmer der Markgräfin

Als besonders repräsentativ erweist sich das Audienzzimmer der Markgräfin. Vergoldete Stuckaturen und die rote Damast-Bespannung der Wände mit vergoldeten Leisten kennzeichnen die glanzvolle Ausstattung des Raumes. Die Farbaufnahmen zeigen auch zwölf Bilder mit Maria Theresia von Österreich, die allerdings erst in den 1930er Jahren an die Wände gehängt wurden.

Das Eckzimmer, das ins Schlafzimmer des Markgrafen führt, ist von einem grünen Farbton geprägt. Die Holzteile der unteren Wandverkleidung und die Türen waren in hellem und dunklem Grün gestrichen und mit vergoldeten Stäben gefasst.

1945 in Schutt und Asche versunken

Doch die ganze Herrlichkeit ist 1945 in Schutt und Asche versunken. „Von der ungewöhnlichen Ausstattung der Räume hat sich aufgrund eines Bombentreffers im Zweiten Weltkrieg leider nichts erhalten“, heißt es lapidar auf der Homepage der bayerischen Schlösserverwaltung.

Wer heute das Neue Schloss in der Eremitage besucht, benötigt viel Fantasie, um sich in Wilhelmines Wohnwelt hineinzuversetzen. Oder Arno Krönigers Buch.

Eine Rekonstruktion der Räume erscheint nicht möglich. Was sich der Buchautor aber wünschen würde: mit seiner Arbeit den Anstoß zu geben, in einem oder mehreren Räumen der Zirkelbauten in einer Filmpräsentation die Geschichte des Schlosses und die in seinem Buch rekonstruierten Räume zu zeigen und so wieder erlebbar zu machen.


Info: Arno Kröniger "Das Neue Schloss der Eremitage - zerstört und vergessen", Akron-Verlag Bayreuth, www.akron-buch.de

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading