Angst der Hoteliers vor Billiganbieter

Hoteliers in Bayreuth wollen sich gegen ein Hotel mit 180 Zimmern am Bahnhof wehren. Das brauche es nicht, und würde die Existenz vieler kleinerer - und auch großer Betriebe in Bayreuth gefährden. Foto: Andreas Harbach

Es ist ein Bebauungsplanverfahren, das der Bauausschuss am vergangenen Dienstag beraten hat. Und das der Stadtrat am Mittwoch ebenfalls auf dem Tisch hat. Ein Verfahren mit einem Thema, das die Hoteliers in Bayreuth aufbringt. Denn: Ein Investor will am Bahnhof ein Hotel und ein Parkhaus bauen. Die Mehrheit der Stadträte hat das begrüßt. Die Hoteliers in Bayreuth sagen: Das geht gar nicht.

Sie saßen am Dienstag hinten im Zuschauerraum. Hörten sich die Diskussionen im Bauausschuss an, die sich hauptsächlich um die Gestaltung des Hotels mit 180 Zimmern drehte. Hörten Argumente aus den Reihen der Stadträte, die für sie keinen Zweifel ließen: Die Stadträte wollen dem Plan eines Investors - dem Vernehmen nach eine Hotelkette - wohl eher keine Steine in den Weg legen. Man sehe das Projekt als "Chance für Bayreuth" sagte beispielsweise der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske. Sorgen machte man sich vor allem um den Verbleib und die Zukunft des Haltepunkts für die Fernbusse.

Sorge um die Existenz

Die Bayreuther Hoteliers treibt aber eine ganz andere Sorge um: die um ihre Existenz. Beileibe nicht nur die vermeintlich kleinen Beherbergungsbetriebe. Marc Jungk ist Geschäftsführer des Arvena-Kongresshotels. Er saß auch im Sitzungssaal des Rathauses. Und er sagt: "Die Hoteliers begehren auf. Sie tun das auch nicht zu Unrecht. Das liegt zum einen daran, dass keiner von uns etwas Offizielles weiß." Es sei auch weitgehend unausgesprochen geblieben, wer dort am Bahnhof investieren wolle. Nur Helmut Zartner (DU) habe indirekt den Namen der Kette genannt. "Das Preissegment ist bekannt. 180 Zimmer, 40 bis 45 Euro die Nacht", sagt Jungk.

Auslastung bei 60 Prozent übers Jahr gesehen

Komme dieses Hotel, dann würde das "auch uns als 400-Betten-Haus Gäste wegnehmen". Man müsse sich, sagt Jungk, "einfach mal die Gesamtauslastung aller Hotels in Bayreuth anschauen: die liegt übers Jahr bei 60 Prozent. Selbst zur Festspielzeit sind wir nicht alle an allen Tagen ausgebucht. Schon deshalb sehe ich, sehen wir, keinen Bedarf für so ein Hotel". Weil ein weiteres, zumal so großes, Haus "uns allen Kapazität wegnimmt, die ohnehin nicht voll ausgelastet ist". Das im Bauausschuss vorgebrachte Argument, dass in Bayreuth die wenigsten Häuser darauf ausgelegt sind, Gäste gleich busladungsweise aufnehmen zu können, die müssten nach Bamberg ausweichen, ziehe nicht, sagt Jungk: "Wir haben auch schon Bus-Touristen aus Bamberg aufnehmen können, weil dort wegen Hochwassers die Zufahrt zum Hotel nicht möglich war. Die bauen deshalb auch kein weiteres Hotel."

Privatbetriebe bleiben auf der Strecke

Der Neubau eines großen Hotels im unteren Preissegment werde vor allem "die kleinen und die alteingesessenen Privatbetriebe treffen, die in einem ähnlichen Segment unterwegs sind", sagt der Manager des Arvena. "Der eine oder andere Privatbetrieb würde mit Sicherheit auf der Strecke bleiben. Das würde die Vielfalt, die wir in Bayreuth haben, zerstören." Zudem gehe er davon aus, dass die Gewerbesteuer eines Ketten-Hotels nicht in Bayreuth gezahlt werde. "Die bringen kein Geld, die tragen es aus Bayreuth raus."

Jungk: Welterbe ist keine zweite Gartenschau

Die Hoteliers sehen Bayreuth auch durch das Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus - anderen Meinungen zum Trotz - nach Jungks Aussagen "noch lange nicht als Übernachtungsdestination. Das Opernhaus ist toll. Aber um Gäste zum Bleiben zu bewegen, muss noch mehr die Welt der Wilhelmine und die Welt Wagners vermarktet werden". der typische Welterbe-Tourist werde, das glaubt Jungk, Bayreuth auf dem Weg von Regensburg nach Bamberg eher im Vorbeifahren mitnehmen. "Das Welterbe wird uns keine zweite Landesgartenschau und keine zweite Festspielzeit bescheren."

"Wir verstehen uns ja alle gut"

Mit seiner Meinung stehe er nicht alleine da, sagt Jungk im Gespräch mit dem Kurier. Auch die Geschäftsführer anderer großer Häuser - "wir verstehen uns ja alle ganz gut" - vertreten die Ansicht. "Man darf ja auch nicht vergessen im Stadtrat, dass wir mitten in der Stadt in Kürze ein Bed & Breakfast-Hotel bekommen."

Das sagen die Hoteliers kleiner Häuser

Die Hoteliers seien alle überrascht worden von den Plänen eines Investors, ein 180-Zimmer-Haus am Bahnhof bauen zu wollen, sagt Christine Dumproff-Hirschmann vom Hotel Goldener Hirsch im Gespräch mit dem Kurier. Komme so ein Hotel, müsse "eigentlich jedes Haus Angst um die Existenz haben, wobei wir kleinen vielleicht sogar eher noch flexibel reagieren könnten. Zur Not könnte man das übers Personal wuppen" - was Entlassungen bedeuten könnte, sagt Christine Dumproff-Hirschmann. Was die Hotel-Chefin ärgert: "In Kürze wird es ja schon ein Low-Budget-Haus in der Innenstadt geben mit dem Bed & Breakfast. Ein Haus, gegen das keiner von uns was hat." Denn: Das Haus werde in ein Bestandsgebäude in der Stadt integriert, "das ist auch sinnvoll dort, weil es für Leute gedacht ist, die in der Stadt bleiben, die auch Geld in die Stadt bringen".

Seit Generationen zahlen sie hier Gewerbesteuer

Die meisten Hotels in der Stadt seien alteingesessene Häuser, zahlten zum Teil schon "wie in unserem Fall seit drei Generationen hier Gewerbesteuer - und stützen damit die Stadt", sagt Dumproff-Hirschmann. Eine Hotelkette werde wohl kaum in Bayreuth Gewerbesteuer zahlen. "Im Gegenteil: Die ganze Sache kostet ja auch noch viel Geld durch den Umbau dort oben." Was Christine Dumproff-Hirschmann besonders ärgert: "Das Fachmarktzentrum damals wurde abgeschmettert, um auf den Einzelhandel Rücksicht zu nehmen. Auf die Hoteliers nimmt keiner Rücksicht."

Kein Augenschmaus - architektonisch gesehen

Ähnlich argumentiert Martina Groh-Walter, Geschäftsführerin des Hotels Lohmühle. Sie sagt im Gespräch mit dem Kurier, dass nicht nur gestalterische Argumente - "ich weiß, wie solche Hotels aussehen. Fünfgeschossig ist das dort kein Augenschmaus" - und verkehrsplanerische Gründe - "man würde Platz für einen Fernbushalt vergeben, außerdem sind bei diesem Hotel keine Busparkplätze im Plan-Entwurf zu erkennen" - gegen ein solches Projekt sprechen würden: Ihr fehlt, sagt Groh-Walter, eine vernünftige Planung. In Regensburg, Welterbe-Stadt wie Bayreuth, gebe es eine Hotel-Bedarfsanalyse, anhand derer geplant werde. "In Bayreuth habe ich mehrere Ämter angerufen: Da weiß keiner was von einer solchen Analyse." Außerdem müsse man doch erst einmal abwarten, wie das 90-Betten-Haus in der Stadtmitte anlaufe. Weil das Argument der Bustouristen immer wieder auftauche: "Drei solcher Anfragen bekommen wir im Schnitt im Jahr", sagt Groh-Walter.

Engpässe? Besser planen!

Engpässe in der Zimmer-Kapazität in Bayreuth könne man durchaus auch durch bessere Planung in den Griff bekommen, sagt Groh-Walter. Kongresse fänden aus ihrer Erfahrung oft geballt statt. Würde man das entzerren, gäbe es auch keine Probleme. Zumal es in Bayreuth nach ihrer Berechnung knapp 1700 Hotel-Betten gebe, durch Gasthöfe kämen noch einmal knapp 300 dazu, "im Umkreis von 15 Kilometern noch einmal 651 Betten".

Das sagt die BMTG

Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG), bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung: Eine Bedarfsanalyse für Hotels gibt es nicht in Bayreuth. „Ich habe zwei Angebote eingeholt in jüngerer Vergangenheit, dann kam jedes Mal das Gerücht, dass sich ein weiteres Hotel niederlassen wolle. Deshalb gibt es aktuell nichts offizielles.“ Becher sagt, er verstehe durchaus die Sorgen der Hoteliers, aber: Aus seiner Sicht gebe es durchaus Bedarf für Betten im niedrigen Preissegment. „Zudem haben wir mit dem H4-Hotel nur ein Hotel einer internationalen Kette, das über ein entsprechendes Reservierungssystem verfügt. Es ist auch nicht außergewöhnlich, dass sich in einer Stadt wie Bayreuth eine Kette ansiedeln möchte.“ Er sei überzeugt, dass der Bedarf an Betten in Bayreuth mittelfristig steigen werde, auch und gerade wegen des Welterbes Opernhaus. Bayreuth werde sich touristisch weiter positiv entwickeln.

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