Angeklagter bestreitet Prozess um Kopfstoß im Musikcenter

Viele Zeugen, unterschiedliche Geschichten: Langwierige Wahrheitssuche in einem Prozess um einen Kopfstoß im Musikcenter Trockau. Foto: Archiv/red

BAYREUTH/TROCKAU. Es ist der Klassiker für einen Strafrichter: Junge, alkoholisierte Männer stehen gruppenweise in Diskos oder auf Bierfesten herum, halten Ausschau nach dem weiblichen Geschlecht - und irgendwann geraten die jungen Männer aneinander. Bei solchen Prozessen zeigt sich fast immer: Jeder Beteiligte hat aus seiner Sicht etwas anderes „erlebt“, wie nun im Fall einer Prügelei mit Kopfstoß im Musikcenter Trockau.

Als Angeklagter vor Strafrichter Eik Launert erscheint ein 24-Jähriger aus dem Nürnberger Land, der zusammen mit vier Freunden in Trockau Party machen wollte. Der Ausflug vom 20. Januar 2018 wurde beendet, als einer der Quintetts rief: „Kommt, wir hauen ab!“

Zuvor soll der 24-Jährige einem 19-jährigen aus Neuhaus an der Pegnitz einen Kopfstoß verpasst und ihm die Nase gebrochen und einem anderen jungen Mann einen Faustschlag versetzt haben. Die zwei Verletzten gehörten zu einer Oberstufenklasse des Pegnitzer Gymnasiums, die per Diskobus angereist in jener Nacht im Musikcenter feierte.

Der wegen zweifacher Körperverletzung angeklagte Mann machte sofort deutlich, dass er zu unrecht auf der Anklagebank sitze: Man sei ganz gemütlich an einem Stehtisch um einen Wodka-Tower herumgestanden – das ist ein großer Wodka-Energy-Gemeinschaftsdrink – da habe einer seiner Freunde, Fahrer der Gruppe aus dem Nürnberger Land, aus einer Gruppe von „Jungen“ heraus vom Nebentisch einen Wodka aufs T-Shirt geschüttet bekommen.

Solche Ereignisse sind meist Anlass zum Streit – auch in diesem Fall. Der Angeklagte und seine Freunde behaupten, die „Jungs“ von nebenan hätten Streit gesucht und sich noch nicht mal entschuldigt und anstatt dessen zu seinem Freund, einem Ausländer, gesagt: „Verpiss dich, Kanacke!“ Der Angeklagte will bei der entstehenden Rangelei dazwischen gegangen sein, etwas abbekommen haben und sich dann im Tohuwabohu um sich schlagend nur gewehrt haben. Einen Kopfstoß habe er gewiss niemandem versetzt.

Eine Zweimetermann kommt ins Spiel

Die Zeugen aus der Gruppe der Pegnitzer Oberstufler haben etwas anderes erlebt: Der von Wodkaspritzern getroffene junge Mann aus dem Nürnberger Landkreis sei aggressiv gewesen – was dieser bestätigt. Die Pegnitzer Zeugen aber sagen im Gegensatz zu ihm, dass man sich habe entschuldigen wollen – doch der Mann habe nicht mit sich reden lassen.

Da sei, so sagt einer aus, jemand mit Baseballkäppi auf dem Kopf hinter seinem aggressiven Kumpel hervor gekommen und habe plötzlich zum Kopfstoß angesetzt.

Der Angeklagte beteuerte: „Ja, ich trage eine Basecap. Aber wie soll ich damit in der Lage sein, einen Kopfstoß zu setzen? Da ist doch der Schirm dazwischen.“ Mehrere Pegnitzer Zeugen dagegen sagen aus, der Angreifer habe die Kappe verkehrt herum getragen.

Der Angeklagte sagt, er sei von einem riesigen Kerl, „bestimmt zwei Meter groß“ am Hals gepackt und durch die Disco geschoben worden. Ja, es gab einen derartigen Riesen, sagen die Pegnitzer Zeugen, aber der habe nur schlichten wollen.

Schlichten? Nein, sagt der Fahrer der Nürnberger Gruppe empört: Er sei dem Riesen hinterher und „ihm auf den Kopf gesprungen“, um seinen besten Freund herauszuhauen: Er habe furchtbar nach Luft gejapst, „ich weiß ja, dass er Asthma hat und ich hatte Angst er stirbt.“

Doch wie konnte die Identität des Angeklagten nach dem erfolgreichen Kommando „Kommt, wir hauen ab“„ identifiziert werden?

Die Pegnitzer Oberstufler recherchierten tags darauf auf den Facebook- und Instagram-Seiten des Musikcenters und fanden den Mann mit der Käppi.

Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt, dann sollen der Zweimetermann und auch zwei weitere Begleiter des Angeklagten als Zeugen angehört werden.

 

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