Angehende Sportökonomen und Lehrer entwickeln Projekt Freischwimmen Schwimmkurse bei Studenten

Joana Fuchs, Maximilian Reif und Katja Messingschlager (von links) sind drei von sechs Studenten, die ab heute Schwimmkurse für Kinder geben, die sonst vielleicht nicht schwimmen lernen würden. Foto: Waha

Wer nicht schwimmen kann, hat ein Problem. Nicht schwimmen zu können, grenzt aus. Nicht schwimmen zu können, kann gefährlich sein. Tödlich enden im schlimmsten Fall. Studenten des Instituts für Sportwissenschaft der Bayreuther Uni helfen mit, dass Kinder schwimmen lernen. Am Mittwoch startet ein erster Kurs – einer mit einer längeren Vorgeschichte.

Freischwimmen heißt das Projekt, das Prof. Peter Kuhn aus der Taufe gehoben hat. Kuhn ist gut vernetzt in Bayreuth. Er ist zusammen mit dem Bundespolizisten Peter Müller einer der Köpfe des Forums Bayreuth ohne Gewalt. Und er ist einer, der empfänglich ist für Ideen.

Wie die von Dr. Wolfgang Gruber, dem Chef des Med-Centers. „Wolfgang Gruber unterstützt Bayreuth ohne Gewalt. Und zusammen mit dem Forum wollte er Kurse für Kinder anbieten. Da sagte ich, ich hätte was Besseres“, sagt Peter Kuhn im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe ein Projekt-Seminar auf das Thema angesetzt.“ Als Ergänzung zu weiteren Seminar-Segmenten, die Titel tragen wie Durchboxen, Gewaltprävention durch Selbstwertförderung mit der Herzoghöheschule. Oder Mitspielen: Hier wird die sportliche Handlungsfähigkeit am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium gefördert.

Zehn Sportstudenten – alles angehende Lehrer oder Sportökonomen – tüfteln ein Semester lang über dem Projekt Freischwimmen. Das Ziel: „In fünf Jahren soll kein Kind in Bayreuth mehr die Grundschule verlassen, das nicht schwimmen kann“, sagt Kuhn. „Werden wir vielleicht nicht ganz schaffen. Aber wichtig ist, dass es läuft.“ Man wolle alle, die mit dem Thema Schwimmen und Schwimmunterricht in Bayreuth zu tun haben, miteinander vernetzen. Schwimmverein (SVB), Wasserwacht, Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), die Bäder.

„Uns ist wichtig, dass man uns nicht als Konkurrenz wahrnimmt“, sagt Kuhn. „Sondern als Ergänzung. Für die Kinder, die ewig warten müssten, um einen Schwimmkurs zu bekommen. Oder deren Eltern kein Geld oder keinen Zugang zum Schwimmen haben. Denen wollen wir mit unseren Studenten helfen.“ Gruber habe zugesagt, dort finanziell zu helfen, wo es Geld kosten würde.

Nach einem halben Jahr theoretischer Phase startet jetzt die Umsetzungsphase. Und zwar ganz praktisch: Am heutigen Mittwoch startet der erste Kurs. Unkonventionell im ungeheizten Becken des Altstadtbades. Niederschwellig soll das Angebot sein. „Wir waren am Wochenende beim Kinderfest am Menzelplatz, haben Flyer verteilt und Kinder und ihre Eltern angesprochen. Die waren recht angetan“, sagt Viktoria Richter, Mitarbeiterin Wolfgang Grubers.

Wir – das waren natürlich auch die Studenten: Katja Messingschlager, Maximilian Reif und Joana Fuchs. Drei von sechs Studenten, die sich neben dem Studium zu Rettungsschwimmern ausbilden ließen. Die drei werden auch heute im Becken stehen und den ersten Kindern das Element Wasser näherbringen. „Am Menzelplatz war Premiere, erster Feindkontakt“, sagt Maximilian Reif lachend. Der erste Kurs sei blitzschnell belegt gewesen: „Die Kinder, die wir angesprochen haben, waren echt aufgeweckt. Einer sagte, er könne schon schwimmen. Aber sein Bruder nicht, den hat er uns gleich gezeigt“, sagt Katja Messingschlager. Und Joana Fuchs sagt, sie hätten „ganz viele positive Rückmeldungen bekommen“. Wahrscheinlich, mutmaßen die drei Studenten, kommen zum ersten Termin ohnehin gleich mehr Nichtschwimmer als geplant. Neun Unterrichtstermine sind angesetzt, genau durchgetaktet bis zu den Sommerferien.

Bei anderen Anbietern rennen die Sportstudenten und Kuhn mit ihrem Freischwimmen offene Türen ein. Manuel Friedrich etwa, Vorsitzender der DLRG in Bayreuth, kennt die Zahlen der DLRG nur zu gut, nach denen jedes dritte Kind nicht schwimmen könne. Friedrich sagt zwar, in „der Stadt Bayreuth ist die Lage nicht ganz so dramatisch wie am Land“. Nicht zuletzt deshalb, weil das Sportamt der Stadt seit 40 Jahren Kindergärten, die Interesse haben, Schwimmkurse anbietet, wie Sportamtsleiter Christian Möckel sagt. Aber: „Es gibt tatsächlich ein großes Problem an den Schulen. Die Lehrer sind überfordert, wenn sie mit 30 Schülern zum Schwimmen gehen und zehn von ihnen können nicht richtig schwimmen. Das ist eigentlich ein untragbarer Zustand“, sagt Friedrich. Die Schwimmkurse der DLRG sind ausgebucht. „Meist ein halbes Jahr im Voraus.“ Rund 300 Kinder lernen in den Kursen der DLRG Schwimmen. Der Bedarf nach Schwimmkursen sei groß – größer als das Angebot.

Das bestätigt Jürgen Bayer, der Geschäftsführer der Bayreuther Verkehrs- und Bäder-GmbH (BVB): „Wir bieten seit einiger Zeit wieder selber Kurse an. Die sind auch Monate vorher ausgebucht.“ Schwimmen, sagt Bayer, gehört „zur Lebensgrundausstattung. Es ist extrem wichtig, dass Kinder schwimmen lernen“. Deshalb begrüße er die Initiative Freischwimmen – und könne sich vorstellen, Zeiten in für Schwimmkurse in den BVB-Bädern anzubieten, in denen schon viele Schwimmkurse stattfinden.

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