Amokfahrer im Glück Zwölf Kugeln trafen sein Auto

Im Prozess um die Amokfahrt, die im Kugelhagel am Sophenberg endete, berichtete ein Polizist, wie er dem Beschuldigten den Zündschlüssel abnehmen konnte. Foto: Arne Dedert, dpa-Archiv

BAYREUTH. Falls der Amokfahrer gläubig ist, darf er bei nächster Gelegenheit Kerzen stiften. Zwölf Kugeln aus Polizeiwaffen trafen sein Auto am 17. April am Autobahnparkplatz am Sophienberg. Am zweiten Prozesstag gegen den Mann erläutert ein Beamter der Spurensicherung, dass sogar noch mehr Schüsse abgegeben worden waren.

Neben den Einschüssen in dem silbernen Mercedes stellten die Spurensicherer fünf oder sechs Stellen auf der Fahrbahndecke an dem Parkplatz fest, wo Projektile Spuren hinterlassen hatten.

Der 26-Jährige aus Berlin steht nicht als Angeklagter, sondern nur als Beschuldigter vor dem Schwurgericht. Die Kammer muss prüfen, ob der aufgrund einer psychischen Erkrankung mutmaßlich schuldunfähige Mann gemeingefährlich ist. Wird das bejaht, muss das Gericht ihn in die Psychiatrie einweisen.

Am 16. April hatte der 26-Jährige in Berlin Streit mit seiner Mutter, der in Handgreiflichkeiten endete. Wie berichtet, gestand der Beschuldigte, seine Mutter gewürgt und ihr den Autoschlüssel weggenommen zu haben. Mit den Worten „Ich ziehe jetzt in den Krieg“ verschwand er aus der Wohnung, setzte sich in das Auto und fuhr Richtung Süddeutschland.

Der Auftrag: Bloß nicht ins Stadtgebiet lassen

Auf der A 9 in Höhe von Hof sichteten Streifenpolizisten den zur Fahndung ausgeschriebenen Mercedes – die Jagd begann. Der Beschuldigte raste davon, überholte rechts, ignorierte Anhaltezeichen. In einer Kurve am Bindlacher Berg verlor er bei einem Tempo von weit über 120 Sachen beinahe die Kontrolle über sein schleuderndes Auto.

Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt Alarm. Die Beamten der Dienstgruppe haben in solchen Fällen die Aufgabe zu verhindern, dass ein Amokfahrer in das Stadtgebiet abbiegt. Der damals damalige Dienstgruppenleiter, ein Hauptkommissar, koordinierte die Streifen und er sollte wenig später am Sophienberg eine Hauptrolle dabei spielen, den außer Kontrolle geratenen 26-Jährigen einigermaßen heil zu stoppen.

Als Zeuge berichtete der Hauptkommissar, man habe zunächst die Ausfahrt Bayreuth-Süd rechtzeitig blockieren können. Die hier aufgestellte Anhaltestelle habe der Amokfahrer jedoch ignoriert. und sei weiter gefahren, verfolgt von mehreren Polizeiautos aus Hof. Der Dienstgruppenleiter und seine Streifenkollegen fuhren hinterher. Das Einsatzkonzept sieht nämlich auch vor, dass mehrere Streifenwagen hinter einem Amokfahrer eine Reihe bilden sollen, um so zu verhindern, dass ein Verfolgter auf der Autobahn wendet und zum Geisterfahrer wird.

Der Verfolgte saß in der Falle

Die Streifen der Polizeiinspektion hatten kaum beschleunigt, da hörten die Beamten über Funk, dass der verfolgte Mercedes abrupt in den Parkplatz am Sophienberg eingefahren war. Im Wissen, dass dahinter bereits mehrere Polizeiautos in den Parkplatz abgebogen waren, beorderte der Dienstgruppenleiter seine Leute zur Ausfahrt des Parkplatzes, um dort eine Barriere aus Polizeiautos zu bilden.

Der Zeuge sagte: „Wir hörten Schüsse. Wir wussten nicht, wer geschossen hatte und was passiert war. Die Situation war nicht einfach.“ Mit gezogenen Pistolen näherten sich die Bayreuther Polizisten dem Schauplatz, wo der Fahrer des silbernen Mercedes in einer Parklücke rangierte, obwohl er von Polizisten umstellt war. Ein Beamter musste sich mit einem Sprung über eine Betonbegrenzung in Sicherheit bringen.

„Ein Kollege sprühte durch das zerbrochene Beifahrerfenster eine ganze Dose Pfefferspray in das Auto. Er regierte nicht“, berichtete der Dienstgruppenleiter. „Ich sah, wie er den Zündschlüssel drehte und wieder starten wollte. Ich steckte die Dienstwaffe weg, beugte mich durch das Beifahrerfenster und versuchte den Schlüssel abzuziehen.“ Nach einem kurzen Handgemenge mit dem Beschuldigten gelang das dem Beamten. Das Auto, die Waffe des Amokfahrers, war nicht mehr funktionsfähig.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Berichts haben wir den Namen des Dienstgruppenleiters geschrieben. Nach einer Beschwerde der Polizei haben wir das geändert.

 

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