Akten, Zeugnisse und Familienerbstücke - alles lagert bei seiner Ex-Frau Mollath: Privater Besitz ist noch da

Gustl Mollath auf dem Weg zum Untersuchungsausschuss des Landtages

Die angeblich verschollene persönliche Habe von Gustl Mollath (56) ist noch da. Zeugnisse, sonstige Dokumente, Geschirr – und sogar ein Bild seiner verstorbenen Mutter. Es lagert verpackt bei Verwandten von Ex-Frau Petra M. (53). „Selbstverständlich sah sich die ehemalige Ehefrau in der Pflicht, diese aufzuheben", sagte ihr Anwalt dem Kurier. Und sie sei „bereit, Mollath diese im Fall einer Entlassung zu geben."

Gegenüber Journalisten hatte Mollath immer wieder beklagt, dass all die Sachen spurlos verschwunden seien. Als Gustl Mollath wegen Gemeingefährlichkeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht worden war, räumte seine damalige Frau Petra 2007 dessen ehemaliges Wohnhaus leer – mit Genehmigung von Mollaths rechtlichem Betreuer. Beim Ausräumen des ihren Angaben nach völlig vermüllten Anwesens sortierte sie die persönliche Habe Mollaths aus und sammelte die Gegenstände in 20 Kartons.

Das seien in der Hauptsache Kleidungsstücke gewesen, aber auch Akten. „Was an Papieren erkenntlich war", sagt Petra M., habe sie „aus dem Wust" herausgezogen und aufgehoben. Zeugnisse, Papiere von Versicherungen und persönliche Gegenstände wie Fotos von Mollaths Familie „Alles, was irgendwie hätte wichtig sein können", sagt sie.

Vieles weggeworfen

Wegen der schieren Masse habe sie jedoch Papiere über längst abgeschlossene Rechtsstreitigkeiten weggeworfen. Sie habe fast alles durchgeschaut, was bei mehr als 200 Quadratmeter Wohnfläche sehr aufwendig gewesen sei. „Ich habe alles gemacht, was im Rahmen meiner Möglichkeiten stand." Sie hatte auch mit dem Bezirkskrankenhaus Straubing gesprochen, wo Gustl Mollath anfangs untergebracht war.

Mollath hatte aus der geschlossenen Psychiatrie heraus seine Frau nach der Räumung des Hauses auf Schadenersatz verklagt. Er bekam nicht recht.

In den vergangenen sieben Jahren mussten immer mehr Kleidungsstücke Mollaths wegen Mottenfraß' weggeworfen werden. Die Akten und seine persönliche Sachen aber sind weiterhin vorhanden, Petra M. will sie nun katalogisieren und ihm zurückgeben.

Warum geht Petra M. erst jetzt damit an die Öffentlichkeit? All die Jahre, so Anwalt Jochen Horn, habe man nicht davon ausgehen müssen, dass Gustl Mollath demnächst entlassen werde. Und überhaupt, dieser habe nie bei Petra M. nach seinen Habseligkeiten gefragt. Mollath selbst habe jede Hilfe abgeschlagen und jede Kooperation verweigert. Dies bestätigen sein damaliger Betreuer und seine Ex-Frau. Das ist auch aktenkundig. Mollath sagt dagegen seit Jahren, man habe ihm sein Haus und seine Autos widerrechtlich genommen. Auch seine persönliche Habe sei spurlos verschwunden.

Eile geboten

Sein Haus aber wurde deswegen zwangsversteigert, weil er bei seiner damaligen Frau Petra hohe Schulden hatte und diese sich gerichtlich durchsetzte. Nachdem der Betreuer seine Erlaubnis gegeben hatte, fing Petra M. an, das Haus zu räumen. Sie stellte die Arbeiten aber sofort ein, als der Betreuer ihr mitteilte, Mollath sei nicht mehr sein Klient. Allerdings sei Eile geboten gewesen. Denn das Datum der Zwangsversteigerung sei näher gerückt, sagt Petra M. Außerdem war sie arbeitslos, nachdem Mollath sie bei der HypoVereinsbank wegen angeblicher Schwarzgeldverschiebungen angeschwärzt hatte.

Um trotzdem weiter räumen zu können und auf der sicheren Seite zu sein kaufte sie „in Treu und Glauben" den Hausrat Mollaths. Der Kaufvertrag liegt der Redaktion vor. Mollath hatte vor seiner Unterbringung seinen persönlichen Besitz vertraglich einem Freund überschrieben, nachdem er sich zuvor 3000 Euro von diesem geliehen hatte. Jener Freund bestätigte dies gegenüber dem Kurier. Den Vertrag habe er aber nicht mehr.

Petra M. betont, dass sie nie ohne Erlaubnis von Mollaths Betreuer in dessen Haus war. Selbst als Nachbarn anriefen und sagten, seit Wochen stehe die Haustür auf, habe sie erst die Polizei gerufen. Sie lebte damals in Berlin und sei nur alle paar Wochen in Nürnberg gewesen. Mollath sagt, sie habe sich widerrechtlich Zugang verschafft um Beweise für Schwarzgeld wegzuschaffen. Dem gegenüber steht Mollaths Verhalten selbst: Er hatte kurz nach der Trennung von seiner Frau Kisten mit ihrer Habe vor das Grundstück gestellt.

 

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