Abholzaktion Schiefe-Ebene-Lehrpfad verwüstet

NEUENMARKT/HIMMELKRON. Große Abholzaktionen wie zuletzt an der Schiefen Ebene soll es künftig nicht mehr geben. Das sagte CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner nach einer Begehung des Lehr- und Informationspfades Schiefe Ebene zusammen mit Bezirksheimatpfleger Günther Dippold auf Einladung des Arbeitskreises Initiative Schiefe Ebene (Akise).

Roland Fraas, der Neuenmarkter Eisenbahnfreund, der den Lehr- und Informationspfad vor Jahren mit großer Mühe ins Leben rief , hatte von der teilweise sehr rigorosen Abholzaktion in den Wintermonaten erfahren und Alarm geschlagen. Der Lehr- und Informationspfad ist teilweise nicht mehr begehbar, entlang der Eisenbahnstrecke ist teilweise eine Kraterlandschaft entstanden. Emmi Zeulner versprach, umgehend einen Runden Tisch mit allen Beteiligten einzuberufen, um künftig ähnliche Abholzaktionen zu vermeiden oder zumindest besser zu steuern.

Der frühere Kreisbaumeister des Landkreises Hof, Architekt Gernot Dietel, Sprecher des Arbeitskreises Akise, verwies darauf, dass die ersten Freilegungsarbeiten beziehungsweise Baumfällungen zwischen Bauwerk V und Bauwerk X von der Deutschen Bahn in enger Zusammenarbeit mit der Akise erfolgten.

Dietel: „Besonderer Wert wurde auf Erhaltung von Baumgruppen oder Solitärbäumen gelegt. Leider liefen diese Arbeiten schon kurz nach Eröffnung des Lehrpfades aus dem Ruder. Es fanden Kahlschläge entlang der Bahnlinie im oberen Bereich zwischen Bauwerk XI und XIII statt, wie sie nicht vereinbart waren. Es wurde rücksichtslos geholzt und der Pfad unpassierbar hinterlassen“, sagte Dietel.

Der ausgeschilderte Weg mit Informationstafeln zu den wichtigsten Bauwerken führt vom Deutschen Dampflokomotiv-Museum (DDM) bis zum Bahnhof Marktschorgast, von dort kann die Bahn zur Rückfahrt genutzt werden. Eine besondere Attraktion stellen die neue Aussichtsplattform und eine nachempfundene Bahnwärterstation am Einschnitt bei Bahnkilometer 79,7 mit zwei optischen Telegraphen dar, die von den Benutzern des Lehr- und Informationspfades bedient werden können.

Damit ist die Schiefe Ebene jetzt auch ohne Dampfspektakel für Eisenbahnfreunde und Wanderer interessant geworden. Architekt Gernot Dietel warb in mehreren Veröffentlichungen wie Lok-Magazin oder Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte für diesen Erlebnispfad. Ausgerechnet in diesem Streckenabschnitt wüteten die Holzfäller der Bahn am schlimmsten. 

Der Arbeitskreis hat sich zum Ziel gesetzt, das überregional bedeutende Bau- und Technikdenkmal Schiefe Ebene an der Bahnlinie Bamberg - Hof stärker ins Bewusstsein zu rufen. Sprecher Gernot Dietel: „Ziele sind, die Schiefe Ebene wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, sie mit einem Lehr- und Informationspfad erlebbar zu machen, sie auch überregional zum Ziel zu machen und sie in das DDM einzubinden.“

Was aber jetzt in den zurückliegenden Monaten entlang der Schiefen Ebene geschah, habe weder etwas mit Denkmalschutz, Naturschutz oder gar mit einem Landschaftspark zu tun. Was Zeulner besonders traurig macht: „Ehrenamtliche haben hier diesen Lehrpfad gepflegt, und diese Arbeit wurde mit Füßen getreten.“

Architekt Gernot Dietel ging kurz auf die Bedeutung der Schiefen Ebene ein, die seit ihrer Eröffnung am 1. November 1848 die erste Gebirgsbahn Europas für durchgehenden Bahnbetrieb mit Dampflokomotiven darstellt. Die Bahnanlage mit ihren gemauerten Dämmen und Brückenbauwerken ist vollkommen in ihrem Ursprungszustand von 1847/48 erhalten. Die Bahnanlage stehe in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz.“

Und jetzt von einer umgebenden Landschaft zu sprechen, das klinge fast wie ein Hohn. Die Teilnehmer des Ortstermines waren sich am Ende einig: Es sei traurig, welcher Raubbau an der Natur vollzogen wurde.

Langfristig sei die Einbindung des Lehrpfades in den regionalen Tourismus wünschenswert, sagte Dietel. Ebenso eine Hinweistafel auf das Technikdenkmal europäischen Ranges an der A 9 und die Einrichtung eines eisenbahnhistorischen Betriebes zwischen den Bahnhöfen Neuenmarkt/Wirsberg und Marktschorgast mit Zwischenbahnsteigen an der Schiefen Ebene.

Den Vorschlag, das Technikdenkmal in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen unterstützte Bezirksheimatpfleger Günther Dippold.

 

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