Abgelehnter Asylbewerber Fußballclub bangt um seinen Torwart

Danial M. (Mitte/Nachname zum Schutz seiner Familie abgekürzt) spielt als Torwart für den FC Neuenmarkt im Landkreis Kulmbach. Foto: red

BAYREUTH/KULMBACH. Der FC Neuenmarkt fühlt und bangt derzeit mit dem 22-jährigen Danial M., dem gegenwärtig in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Bayreuth Kirchenasyl gewährt wird. Der junge Afghane, der noch in der letzten Saison im Tor des damaligen A-Klassisten stand und einer der Garanten für die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die Kreisklasse war, soll in sein Heimatland abgeschoben werden.

Noch am vergangenen Freitag war Danial M. (Nachname zum Schutz seiner Familie abgekürzt) zur Meisterschaftsfeier eingeladen, doch sein Platz blieb leer. Er hatte Vereinsvorsitzendem Dieter Mühlbauer nur kurz signalisiert, dass er nicht kommen kann. Die Gründe wusste keiner.

Einen Tag später machte aber schon die Nachricht die Runde, dass Danial M., der mit seinen Eltern und weiteren Geschwistern in Neuenmarkt wohnte, am 3. Juli mit 69 anderen Asylbewerbern, deren Antrag abgelehnt wurde, vom Münchner Flughafen nach Afghanistan abgeschoben werden sollte.

Das Besondere an dem Fall: Während für die Eltern und weiteren Geschwister ein Abschiebeverbot besteht, ist er davon ausgenommen. Sein Asylantrag wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt, das Verwaltungsgericht in Bayreuth wies die Klage gegen den Bescheid zurück.

Seine Mitspieler haben den sympathischen Fußballer sehr schnell ins Herz geschlossen und verstehen die geplante Abschiebung nicht, denn Danial M. macht gegenwärtig eine dreijährige schulische Berufsausbildung in Bayreuth.

Zu Beginn der Ausbildung hätte er einen Antrag stellen müssen, dass er für diese Zeit ein Bleiberecht hat. Das wäre dem Vernehmen nach auch genehmigt worden, doch aus irgendeinem Grund wurde es nicht gemacht oder vergessen.

Daraufhin musste er alle drei Monate vorsprechen und sein Bleiberecht verlängern lassen. Nachdem der Betroffene im Juni offensichtlich vergessen hatte, das Bleiberecht zu verlängern, wurde die Abschiebung veranlasst.

Schonungslos ausgenutzt

Ein Betreuer, der namentlich nicht genannt werden will, sprach aus, was viele Vereinskameraden denken: „Letztendlich hätte er ja drei Jahre Bleiberecht, wenn er die Bürokratie beachtet hätte. Solche Fälle werden aktuell schonungslos ausgenutzt, um die Abschiebezahlen zu präsentieren, vor allem bei uns in Bayern.“

FC-Vorsitzender Mühlbauer fand nur lobende Worte für Danial: „Er ließ sich von Beginn super in die Mannschaft integrieren, war immer freundlich und für uns einfach ein Glücksfall. Dass jetzt alles an den Fallstricken der Bürokratie scheitern sollte, ist mehr als traurig.“

Der Zweite Bürgermeister von Neuenmarkt, Alexander Wunderlich, sagte zu dem Fall: „Wenn jemand sich integrieren will, sollte man alles tun, damit derjenige in Deutschland bleiben kann.“ Wunderlich zeigte Verständnis dafür, dass Danial M. als letzten Ausweg ins Kirchenasyl geflüchtet ist.

Schreit zum Himmel

Dass er die deutsche Sprache gelernt habe, zeige, dass er sich integrieren will, betonte Wunderlich. Für die deutsche Gesellschaft sei dies eine „gute Angelegenheit“. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Wirsberg, Hermann Anselstetter, der den Fall am Rande kennt, sagte: „Dass man den jungen Mann abschieben will, schreit zum Himmel.“

Das Vorgehen der Behörden sei „nicht fassbar“. Er sprach von einem Härtefall, der nochmals überprüft werden müsse. „Wir in Deutschland brauchen solche Leute“, betonte Anselstetter.

 

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