Abend der Talente: Stipendiatenkonzert: Eine Art Klassentreffen

BAYREUTH. So schnell geht eine Woche in Bayreuth vorüber: Am Montag waren sie begrüßt worden, drei Vorstellungen im Festspielhaus durften sie ansehen, als letzten Höhepunkt gab es am Donnerstag das Stipendiatenkonzert. Mit Günther Groissböck als Stargast.

Wie jung die Musiker da auf der Bühne sind, merkt manchmal an ganz kleinen Unsicherheiten. Wenn etwa Jonathan Debus ganz am Anfang des „Solo de Concours for Trumpet and Piano“ von Theo Charlier ein Ton leicht verrutscht. Wie jung diese Künstler sind, merkt man aber auch daran, wie sie mit derlei umgehen, mit kleinen Fehlern, mit der Nervosität, der Hitze, dem um eine Viertelstunde verzögerten Einstieg in den Abend: mit leichtem Sinn und Begeisterung. Wie eben bei Debus, der mit dem eleganten, schlanken Ton der Trompete das Stück dann doch ganz hervorragend gestaltet und nebenher den Farbenreichtum seines Instrumentes dokumentiert.

Energie und Eleganz

Ob bei Debus oder den vielen anderen Musikern dieses Abends im Zentrum: Es macht Spaß, einem Stipendiatenkonzert zu lauschen, nein, nicht nur zu lauschen, auch zu schauen: Das Sprühen, die Energie dieser hoch talentierten Menschen teilt sich auch über die Augen mit. Wie etwa bei den Gitarristen Ivan Danilov und Sören Golz, die Manuel de Fallas „Danza ritual de Fuego“ präsentierten: Da trifft Präzision auf Schönheit des Klangs, im dem Tempo eigentlich nur möglich, weil die beiden wortlos über Blickkontakt kommunizieren.

Ein Stipendiatenkonzert ist etwas besonderes. Deswegen, weil es keiner bestimmten Dramaturgie, sondern der Auswahl an Talenten folgt. Deswegen auch, weil keine Moderation das Konzert unterbricht – keine Show, nur Musik. Vor allem aber, weil es eine Art klassenübergreifendes Schülertreffen ist. Am Anfang wird Donald McIntyre begrüßt, der Wotan aus dem legendären „Ring“ von Patrice Chereau. Viel Beifall und Bravorufe. Viel Beifall und Bravorufe erhalten aber auch die jungen Leute. Und natürlich auch der Sänger, der als ältester Absolvent so etwas wie den Schulsprecher gibt: Günther Groissböck, der Gurnemanz im aktuellen „Parsifal“ singt „Abendlich strahlt der Sonne Auge“ aus dem „Rheingold“ und verabschiedet das Publikum mit „Leb’ wohl, du kühnes, herrliches Kind“ aus der „Walküre“ .

Man geht zu solchen Konzerten, weil man selber mal Stipendiat war und sich der Sache verbunden fühlt. Oder weil man zu denen gehört, die jungen Menschen die Gelegenheit geben, als Stipendiaten nach Bayreuth zu kommen. Oder weil man sich für hoch veranlagte Menschen interessiert, die bereits oder demnächst auf viel größeren Bühnen singen und spielen. Kamile Zaveckaite etwa, eingeladen vom Richard-Wagner-Verband Bayreuth; sie spielte eine Suite de Danzas Criollas von Alberto Ginastera. Ein Tanz, ja, man hörte und sah es, energiegeladen und leidenschaftlich. Man hätte gern weitergehört und geschaut. Aber so ist das eben beim Stipendiatenkonzert: es gibt ja noch so viel mehr zu sehen und zu hören. Muss sie eben wiederkommen zu ihrem Steingraeber-Flügel.

 

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