81:86 gegen Vechta Medi-Team rutscht aus Playoff-Plätzen

Mit großem Engagement in allen Bereichen war Gregor Hrovat (Mitte) der Motor der Bayreuther Aufholjagd. Hier suchte er einen Weg zwischen Robin Christen (links) und Chris Carter (rechts) hindurch. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Das fünfte sieglose Bundesligaspiel in Folge hat Medi Bayreuth vorerst aus den acht Playoff-Plätzen heraus gedrängt. Obwohl das Programm in diesen Wochen extrem schwer war und das Mittelfeld der Tabelle sehr dicht gedrängt ist, war die Heimniederlage am Sonntag gegen den sensationell starken Aufsteiger Rasta Vechta mit 81:86 (34:40) in dieser Hinsicht sehr schmerzhaft.

 

Vorwerfen müssen sich die Bayreuther vor allem, dass sie sich von den inzwischen schon gut bekannten Stärken des Aufsteigers anscheinend überraschen ließen. Die aggressive, bewegliche und vor allem glänzend organisierte Verteidigung ist längst ebenso als Ursache für den Höhenflug von Rasta Vechta anerkannt, wie engagierte und kluge Arbeit beim Offensivrebound – und doch bekamen die Gäste genau mit diesen Qualitäten sofort das Geschehen unter Kontrolle. Gleich die ersten beiden Bayreuther Angriffe endeten mit Ballverlusten, und am Ende des ersten Viertels standen bereits sechs davon in der Statistik. Zusammen mit sieben Offensivrebounds bedeutete das für Vechta nach zehn Minuten schon neun Würfe mehr. Da ist dann schon gar kein großes Kunststück mehr nötig, um elf Punkte mehr zu sammeln. Kurz nach der ersten Pause zogen die Gäste dann durch einen schnellen 10:0-Lauf gar auf 37:19 davon.

„Es ist eines unser Probleme, dass wir oft so überrascht werden“, sagte der verletzte Steve Wachalski bei Halbzeit gegenüber Telekomsport. „Dass wir so überlaufen werden, muss uns Sorgen machen. Da fehlt mir auch das Brennen bei den Spielern. Wir müssen dieses Spiel gewinnen, und das muss man auch sehen!“

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Zu diesem Zeitpunkt hatte der Aufwärtstrend des Medi-Teams nach einer Auszeit aber schon begonnen. Ausgangspunkt war die deutliche Verbesserung der Defensive. Plötzlich war die Selbstverständlichkeit in den Abläufen der Gäste dahin, während die Bayreuther ruhiger und geduldiger auf den Druck der Rasta-Defensive reagierten und damit sowohl die Fehlerquote senkten, als auch die Trefferquote erhöhten. In der Summe gelang damit ein 15:2-Lauf zum 34:39, der noch vor der Halbzeitpause realistische Hoffnungen auf eine Wende aufkommen ließ.

Aufholjagd bis zum 60:60-Ausgleich

Das verstärkte sich zu Beginn der zweiten Hälfte, als der anfangs noch stark angeschlagen wirkende De’Mon Brooks an Sicherheit gewann und gleich an den ersten sechs Medi-Punkten beteiligt war (40:45/23.). In dem nun hochklassigen und immer schneller werdenden Schlagabtausch hielt zwar auch Vechta mit spielerischer Qualität dagegen und hielt den Abstand bis zum Ende des dritten Viertels konstant, doch sechs Bayreuther Zähler in den ersten 90 Sekunden des letzten Abschnitts führten zum umjubelten 60:60.

Erst jetzt durfte man von Rasta Vechta wirklich überrascht sein, denn der Aufsteiger reagierte darauf abgeklärt und sicher wie eine Spitzenmannschaft. Zwei Dreier sorgten schnell wieder für eine 66:60-Führung, und die Distanztreffer von Adonis Thomas und Bastian Doreth innerhalb von 35 Sekunden zum 69:73 und 72:75 (37.) beantworteten sie jeweils sofort mit locker herausgespielten Punkten durch den sträflich freien Seth Hinrichs unter dem Korb. Dem glänzenden letzten Viertel von Gregor Hrovat, der zweieinhalb Minuten vor dem Ende gar auf 75:77 verkürzte, setzte Vechta die ebenso eindrucksvolle Steigerung von TJ Bray entgegen: Der sammelte in der zweiten Hälfte 14 Punkten und verdoppelte nebenbei noch seine tolle Bilanz bei den Assists von sieben auf 14.

Mitentscheidend waren am Ende aber auch wieder ähnliche Bayreuther Fehler wie am Anfang. Drei Minuten vor dem Ende lief Bastian Doreth in eine klassische „Falle“ der Rasta-Abwehr an der Mittellinie, und 90 Sekunden später unterlief ihm ein weiterer Ballverlust. Dazwischen fiel das 75:79 durch Bray – und zwar nach zweimaligem Offensivrebound.

Einzelkritik

ERIC MIKA (11 Punkte / 22:58 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 0): Mit sieben Punkten der Topscorer des ersten Viertels; dann weniger ein Faktor und gegen Ende bei der Aufholjagd einer kleineren Besetzung nicht mehr so gefragt (3/6 aus dem Feld, 5/5 Freiwürfe, vier Rebounds).

ADONIS THOMAS (11 / 24:04 / -3): Die Erwartungen nach zwei frühen Dreiern zum 6:7 und 9:9 konnte er kaum erfüllen (4/9 Würfe); gegen Ende in einer Rolle näher am Korb nicht glücklich in der Defensive.

KASSIUS ROBERTSON (9 / 36:41 / 0): Als Scorer nicht so effektiv wie an guten Tagen, dafür um Verstärkung des Spielaufbaus bemüht: acht Assists, darunter ausgesprochen starke wie die Vorbereitung der wichtigen Dreier zum 69:73 (Thomas) und 72:75 (Doreth); gute Defensivarbeit gegen Hollins.

Kyan Anderson (2 / 13:13 / -7): Letztlich war es keine gute Idee von Trainer Raoul Korner, den Rückkehrer sofort einzusetzen und dafür auf David Stockton zu verzichten. Anderson konnte noch keine spielerischen Akzente setzen und lief in der Defensive wiederholt Josh Young hinterher.

BASTIAN DORETH (5 / 26:47 / 2): Die Hauptrolle im Aufbau spielte der Kapitän unauffällig, aber gewohnt engagiert und solide (fünf Assists). Von seinen Gegenspielern Di Leo und Carter ging nicht mehr aus. In den letzten drei Minuten unterliefen ihm aber zwei schmerzliche Ballverluste.

Andreas Seiferth (5 / 11:11 / -7): Gegen Vechtas Rebound-Kämpfer konnte der Nationalcenter keinen einzigen Abpraller erobern; im letzten Viertel nicht mehr eingesetzt.

Gregor Hrovat (17 / 24:06 / -5): Seine Energie an beiden Enden des Spielfelds lieferte den Antrieb für die Bayreuther Aufholjagd. Allein seine Bilanz im letzten Viertel würde auch für ein ganzes Spiel nicht schlecht aussehen: Elf Punkte, zwei Rebounds, zwei Assists, zwei Ballgewinne, ein Block; insgesamt 3/4 Dreier, 1/2 Zweier, 6/6 Freiwürfe; dazu bester Rebounder (7) und klar effektivster Spieler im Team.

Lukas Meisner (7 / 13:34 / -9): Der Einsatz von Brooks reduzierte seine zuletzt umfangreiche Rolle wieder etwas, aber er sie solide (2/4 Würfe, zwei Assists, zwei Ballverluste, ein Rebound).

DE’MON BROOKS (14 / 27:26 / 4): Nur acht Tage nach seiner Adduktorenverletzung in Berlin kam sein Einsatz überraschend. Nach verhaltener erster Halbzeit mit einigen Unsicherheiten war er nach der Pause zumindest offensiv sogar fast der gewohnte Faktor mit zehn Punkten in knapp 13 Minuten Einsatzzeit.

Nik Raivio: Nicht eingesetzt.

Statistik

Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 26/55 (47 Prozent), davon 11/28 Dreier (39 Prozent): Hrovat (3/4), Thomas (3/5), Robertson (3/9), Doreth (1/2), Meisner (1/3); Freiwürfe: 18/19 (95 Prozent); Rebounds: 22 defensiv, 8 offensiv (Hrovat 7/0); Assists: 22 (Robertson 8); Ballgewinne: 7 (Hrovat 3); Ballverluste: 18 (Hrovat 4); Effektivität: 97 (Hrovat 25, Mika 15, Brooks 13, Robertson 11, Doreth 10).

Rasta Vechta: Carter (2 Punkte / 5:58 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -6), DILEO (0 / 16:49 / 0), BRAY (17 / 36:08 / 1), KESSENS (14 / 17:55 / -3), Young (14 / 21:05 / 15), Nash (9 / 20:16 / 4), van Slooten, Herkenhoff (2 / 9:14 / -1), HOLLINS (11 / 34:01 /2), HINRICHS (17 / 32:35 / 10), Christen (0 / 5:59 / 3); Feldwurfquote: 35/70 (50 Prozent), davon 8/22 Dreier (36 Prozent): Bray (5/8), Hollins (2/7), Hinrichs (1/2); Freiwürfe: 8/12 (67 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 14 offensiv (Hinrichs 5/4); Assists: 20 (Bray 14); Ballgewinne: 15 (Hollins 5, Bray 4); Ballverluste: 12; Effektivität: 105 (Bray 33, Hinrichs 20, Kessens 14, Young 12).

 SR: Anne Panther, Simonow, Frölich; Zuschauer: 3211.

 Stationen: 0:5 (2.), 9:9 (5.), 9:19 (8.), 13:24 (1. Viertel), 19:27 (12.), 19:37 (13.), 34:39 (20.), 34:40 (Halbzeit), 38:40 (22.), 43:52 (25.), 47:58 (28.), 54:60 (3. Viertel), 60:60 (33.), 62:69 (34.), 75:77 (38.), 77:83 (40.), 81:86 (Ende).

 Trainerstimmen

Pedro Calles (Trainer Vechta): „Zunächst möchte ich sagen, wie toll es ist, hier zu spielen. Die Stimmung hier war schon immer super, und ich habe mich sehr auf das Spiel gefreut. Außerdem ist es sehr angenehm ein Spiel gegen Raoul Korner zu coachen. Er ist ein Trainer, den ich nicht nur mag, sondern den ich bewundere. Es war eine großartige Mannschaftsleistung und ein toller Kampf von Anfang an. Es war extrem schwer, die Führung zu halten und die Stabilität in unserem Spiel zu wahren, vor allem als Bayreuth auf 60:60 ausgleichen konnte. Hier aber haben wir den Kopf nicht verloren und genau den Basketball gespielt, den wir Tag für Tag trainieren. Ich möchte unsere Verteidigung hervorheben. Daraus resultierten 15 Ballgewinne für uns, die wir in leichte Punkte umwandeln konnten.“

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): „Vielen Dank für die schmeichelhaften Worte und Glückwunsch zum Sieg! Ich denke, dass man heute gesehen hat, warum Vechta so weit oben steht. Sie spielen einen sehr intensiven und intelligenten Teambasketball. Man muss sich von dem Gedanken lösen, dass wir gegen einen Aufsteiger verloren haben. Wir haben heute gegen ein sehr gutes und exzellent gecoachtes Team verloren. Wir haben im ersten Viertel nicht zu unserer Intensität gefunden, statt dessen haben wir uns da den Schneid abkaufen lassen. Vielleicht hat man auch die Unsicherheit der vorangegangenen Spiele gemerkt. Wir haben uns dann in die Partie hineingebissen und haben taktisch etwas umgestellt, aber die Hypothek aus den ersten zehn Minuten war zu groß. Wir haben zu viele Offensivrebounds zugelassen und auf der Gegenseite zu viele Ballverluste fabriziert.“

 

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