50 Jahre Kurier: Schreiben, was ist

50 Jahre Nordbayerischer Kurier: Am 2. Januar 1968 kam die Bayreuther Tageszeitung mit ihrer ersten Ausgabe auf den Markt. Repro: Nordbayerischer Kurier

Die grüne Schleife wird es jetzt ein Jahr lang geben auf der ersten Seite des „Nordbayerischen Kuriers“. Denn die Tageszeitung für Stadt und Region hat etwas zu feiern: 50. Geburtstag. Am 2. Januar 1968 gab es die erste Ausgabe einer Zeitung, die aus zwei Zeitungen eine gemacht hat: „Bayreuther Tagblatt“ und „Fränkische Presse“ waren mit diesem Tag Geschichte. Für unzählige Geschichten, Berichte, Nachrichten seitdem.

Kurier-Verleger Laurent Fischer blättert in dieser Geschichte, er kennt sie, sie ist Familiengeschichte für ihn. „Hätten wir die Fusion nur etwas später gemacht, hätte sie nicht mehr funktioniert – so wie in Coburg, wo es noch immer zwei kleine Zeitungen gibt“, sagt Laurent Fischer am Dienstag, auf den Tag genau 50 Jahre nach der ersten Kurier-Ausgabe. Neue kartellrechtliche Vorgaben hätten dem Schritt einen Riegel vorgeschoben.

Auf der einen Seite liberal, auf der anderen konservativ

Die Verhandlungen hätten sich über Jahre hingezogen zwischen Laurent Fischers Vater Walter auf der einen Seite und Albert Ellwanger, dem Vater des späteren Kurier-Mitverlegers Wolfgang Ellwanger, auf der anderen Seite. „Das ,Bayreuther Tagblatt‘ war eher konservativ, die kleinere Zeitung, die sich aufs Stadtgebiet konzentrierte. Unsere ,Fränkische Presse‘ war die größere, die liberale Zeitung, die auch das Umland bediente“, sagt Fischer.

Die erste Kurier-Titelseite am 2. Januar 1968 (anklicken für größere Darstellung)

Ende 1945 bereits hatte Fischer mit der „Fränkischen Presse“ wieder eine Zeitung herausgebracht, das Tagblatt folgte Ende 1949. Eine Konkurrenz, die diverse Anekdoten schrieb. Die letzte ganz knapp vor der Fusion: „Wir hatten 1967 Fred Behmel, den Blaulicht- und Klatschreporter, vom Tagblatt abgeworben. Kaum war er zu uns ins Jägerhaus umgezogen, musste er schon wieder mit seinem Schreibtisch in die Maxstraße umziehen“, sagt Fischer. Die Fusion führt auch dazu, dass der Kurier erst einmal zwei Lokalchefs hat: Dieter Hartung und Erich Rappl.

„Die Zeitung ist nicht Opposition. Wir schreiben, was ist.“

So wie sich erst einmal die Redakteure umstellen mussten, muss seit der Fusion die Zeitung die Hand am Puls der Zeit haben. Die Grundidee hat sich kaum gewandelt: „Zeitung ist das Zeitgespräch in der Gesellschaft“, zitiert Fischer den Medienwissenschaftler Otto Groth – mit einem Satz aus den 1920er Jahren. „Wir sind in einer Zeit der Transformation“, sagt Fischer. Das Zeitgespräch findet längst nicht mehr nur auf Papier statt. „Das Zeitgespräch findet jetzt in vielen Bereichen statt. Die Zeitung ist die Großmutter des Zeitgesprächs, die heute viele Enkel hat“, sagt Fischer.

Allerdings sagt Fischer auch: „Der Kurier ist mehr als Zeitung, er ist eine Marke in der Region.“ Die Zeitung stehe nicht nur für die Nachricht, sondern „für viele Aktivitäten, als Werbeträger, als Promoter von Veranstaltungen, für Leseförderung, für Medienbildung in der Schule“. Was sich nicht geändert habe seit 1968, der Geburtsstunde des Kuriers: „Die Grundsätze sind gleich geblieben“, sagt Fischer. „Die Zeitung ist nicht Opposition. Wir schreiben, was ist.“ Als eine „Richtschnur in der Komplexität der Gegensätze heute“.

"Mut und die Pflicht, Name und Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.“

Otto Lapp, der stellvertretende Chefredakteur des „Nordbayerischen Kuriers“, formuliert genau das so: „Wo die angeblich sozialen Medien Ahnungen, Mutmaßungen und bloße Meinung bieten, punktet die Lokalzeitung mit Fakten. Auf Deutsch: Ins Internet kommt alles, in den Kurier nur das, was sich nachprüfen lässt.“ Und im Gegensatz zum Internet, wo sich Meinungsmacher feige hinter Pseudonymen verstecken, haben, sagt Lapp, „die Redakteure des Kuriers den Mut und die Pflicht, Name und Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen“.

Gerade das mache es für Leser und Redakteure gleich spannend. „Die Nachricht ist klar, die Quellen liegen offen und der Journalist kann dafür geradestehen.“ Das, sagt Lapp, sei bei einer Zeitung, die das Alter von 50 Jahren erreicht hat, kein bisschen anders. „Und wo im Internet ein ,Gefällt-mir‘-Klick genug ist, um sich zu engagieren, bietet der Kurier über seine Stiftung und mit seinen Artikeln eine wirkliche Hilfe für Menschen an, die Hilfe gebrauchen können. Immer wieder schwarz auf weiß nachzulesen.“

Herausforderung digitaler Wandel

Das Medienhaus sei heute mehr als nur Zeitungsverlag, sagt der Geschäftsführer Serge Schäfers. „Wir liefern unsere Dienstleistungen nicht nur gedruckt und digital, sondern entwickeln stetig neue Produkte für die Region.“ Die Herausforderung: Im Zeitalter der Digitalisierung, „wo jeder gleichzeitig Sender und Empfänger sein kann“, wie es Laurent Fischer formuliert, „was durchaus die Aufspaltung der Massenmedien in die Individualmedien bedeutet“. Das Ergebnis: Der Kurier erreiche „über unsere Nachrichtenportale neben unseren gedruckten Titeln mehrere hunderttausend Menschen jeden Monat“, sagt Schäfers.

Im 51. Erscheinungsjahr stehe der Kurier im Wind, werde „durch den digitalen Wandel laufend neu herausgefordert“, sagt Schäfers. „Auch wir müssen uns neu organisieren, die Art und Weise, wie wir Nachrichten produzieren, überdenken. Und immer wieder neue Ideen austesten, um herauszufinden, was die Menschen in unserer Region von uns erwarten.“

Der lokalen Zeitung gehört ein Stück Zukunft

Digitalisierung bedeute, dort Stetigkeit zu beweisen, „wo die Menschen dies von uns erwarten und sich dennoch gleichzeitig mit den verändernden Wünschen unserer Kunden neu zu erfinden“, sagt der Kurier-Geschäftsführer. In diesen Tagen, sagt Schäfers, „laufen viele Philosophen und Propheten des digitalen Zeitalters durch die Lande und wissen heute schon, was morgen sein wird. Wir glauben allerdings nicht wirklich an Wahrsagerei.“ Allerdings daran, dass durch „Einsatz, Inspiration und Passion“ einer lokalen Zeitung ein Stück der Zukunft gehören kann.

Die Zukunft, die nähere, ist in jedem Fall mit vielen Aktionen für die Kurier-Leser vorgeplant, sagt Marketingleiterin Ingrid Amschler: Die erste große Veranstaltung ist der Hate Slam am 31. Januar im Zentrum. Am 3. Februar eröffnet im Alten Schloss eine Ausstellung: „50 Jahre Titelseiten“.

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