4:0-Vorsprung verspielt Tigers unterliegen Deggendorf mit 6:7

Als schwer zu überwindenden Hindernis erwies sich – auch von Bayreuths Martin Heider (rechts) – DSC-Torhüter Jason Bacashihua (links). Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Die Bayreuth Tigers haben nach ihrer 4:5-Niederlage in Dresden einen weiteren herben Dämpfer im Kampf um die Nichtabstiegsplätze in der DEL2 erlitten. Die Mannschaft von Trainer Petri Kujala unterlag am Sonntagabend in einem kuriosen Duell Schlusslicht Deggendorfer SC mit 6:7 (3:0, 1:4, 2:3) und verblieb damit auf Rang elf.

Als Tiger losgesprungen, als Bettvorleger gelandet: So abgedroschen dieser Vergleich auch sein mag, er passte auf die Bayreuther Leistung wie die Faust aufs Auge. Denn der Favoritenschreck, der Spitzenteams regelmäßig in die Schranken weist, sich gegen Kellerkinder aber ebenso regelmäßig die Zähne ausbeißt, führte zu Beginn des Mitteldrittels bereits mit 4:0. Und er stand am Ende doch mit leeren Händen da. Wieder einmal. Es war die bereits vierte Niederlage der Bayreuther gegen den DSC. Mehr Deggendorf-Komplex geht also gar nicht. „Ich hoffe, dass wir die Deggendorfer in dieser Saison nicht noch einmal treffen“, sagte auch Petri Kujala nach der Partie und flüchtete sich in Galgenhumor: „Wenigstens haben wir diesmal sechs Tore geschossen, nachdem wir gegen sie zuvor zweimal leer ausgegangen waren.“ Ansonsten war dem 48-Jährigen wenig zum Scherzen zumute.

Und dabei hatte sein Team so stark begonnen, wohl auch, weil „meine Mannschaft im ersten Drittel noch im Bus saß“, wie DSC-Trainer Kim Collins den ersten Abschnitt umschrieb. Die Tigers arbeiteten von Beginn an mit Hochdruck und Effizienz an der Korrektur der schon vor der Partie so ernüchternden Bilanz gegen Deggendorf in dieser Saison (drei Spiele, null Punkte, 5:16 Tore). Schon nach 72 Sekunden stellte Juuso Rajala die Weichen mit dem 1:0 in die scheinbar richtige Richtung. Frühzeitig eingebogen auf die Siegerstraße schienen die Tigers bereits in der 12. Minute, nachdem Ville Järveläinen und Henry Martens zwei weitere starke Kombinationen mit Treffern belohnt hatten.

Ein leiser Hauch von Schützenfest

Als die Spielfreude der Gastgeber 65 Sekunden nach dem Wechsel mit dem 4:0 durch Juuso Rajala quittiert wurde, wehte sogar ein leiser Hauch von Schützenfest durchs kalte Rund des Tigerkäfigs, zumal die trägen und spielerisch limitierten Deggendorfer kaum ein Bein auf den Boden brachten. Anscheinend aber schien besagter Hauch vor allem von den Tigers Besitz ergriffen zu haben. Sie stellten nun ihre Arbeit weitgehend ein und begannen Almosen zu verteilen – hier ein Fehlpass im Aufbau, dort ein schlampiger Zweikampf. Wirkte Kyle Gibbons’ 1:4 (23.) noch wie ein Schönheitsfehler, war das 2:4 durch einen von Nico Wolfgramm (25.) abgefälschten Fernschuss schon ein Ausdruck der sich zunehmend einschleichenden Unzulänglichkeiten im Abwehrverhalten von Kujalas Team. Als Alex Roach (32.) gar der 4:3-Anschluss gelungen war, war es komplett vorbei mit der Bayreuther Herrlichkeit, zumal nun auch noch das Momentum zum Tragen kam. Deggendorf, das anfangs wie ein Team aus einer unteren Liga gewirkt hatte, diktierte nun das Geschehen, während die Tigers immer fahriger wurden und es auch in der Offensive an Druck und Präzision vermissen ließen. So war Andrew Schembris 4:4-Ausgleich in der 39. Minute, ein schön herausgespieltes Überzahltor, eine logische Folge der längst verschobenen Kräfteverhältnisse.

Nicht einmal die Drittelsirene rettete die Tigers. Denn schon mit Beginn des Schlussdrittels machten beide Teams da weiter, wo sie vorher aufgehört hatten: die Niederbayern mit mutigem, druckvollem Forechecking, die Oberfranken zögerlich und statisch. Die Führung des DSC lag in der Luft und fiel, als Rajala die gefährliche Zone komplett preisgab und Dani Bindels (42.) dort einen freien Schuss ermöglichte. Erst jetzt erwachten die Bayreuther wieder ein bisschen aus ihrer Lethargie. Dennoch war das 5:5 (46.) nach Järveläinens beherztem Alleingang in der Retrospektive nicht mehr als ein Zwischenhoch, denn die Defensivschwächen der Gastgeber hielten an und führten zu zwei weiteren Treffern der nicht nachlassenden Gäste. Binnen 71 Sekunden stellten Curtis Leinweber (53.) und Christoph Kiefersauer (54.) die Weichen endgültig in Richtung DSC-Sieg. Michal Bartoschs 6:7 gute zwei Minuten vor Spielende machte zwar noch einmal Kräfte frei, Deggendorfs starker Rückhalt Jason Bacashihua aber ließ sich nicht mehr überwinden.

Bayreuth Tigers: Jaeger – Heider, Veisert; Karlsson, Mannes; Mayr, Martens; Linden – Kunz, Kolozvary, Bartosch; Järveläinen, Rajala. Loraine; Gams, Busch, Richter; Gläser.

Deggendorfer SC: Bacashihua – Reinig, Kasten; Gläßl, Roach; Vavrusa, Müller; A. Gawlik – Gibbons, Leinweber, Röthke; C. Gawlik, Just, Schembri; Filin, Kiefersauer, Bindels; Wolfgramm, Stern.

SR: Paule, Haupt; Strafminuten: Bayreuth 10, Deggendorf 10; Zuschauer: 1612 .

Tore: 1:0 (2.) Rajala (Järveläinen), 2:0 (10.) Järveläinen (Heider, Lorraine), 3:0 (12.) Martens (Lorraine, Järveläinen – 5 gegen 4), 4:0 (22.) Rajala (Järveläinen, Lorraine), 4:1 (23.) Gibbons (Leinweber, Röthke), 4:2 (25.) Wolfgram (A. Gawlik, Just), 4:3 (32.) Roach (Schembri, C. Gawlik – 5 gegen 4), 4:4 (39.) Schembri (Roach – 5 gegen 4), 4:5 (42.) Bindels (Schembri, C. Gawlik), 5:5 (46.) Järveläinen (Busch, Rajala), 5:6 (53.) Leinweber (Gibbons, Röthke), 5:7 (54.) Kiefersauer (Wolfgramm), 6:7 (58.) Bartosch (Kolozvary, Karlsson – 6 gegen 5).

 

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