143 Aufführungen im Festspielhaus Dirigent Peter Schneider wird 80

Der Dirigent Peter Schneider. Foto: Bayreuther Festspiele

BAYREUTH. Die „Meistersinger“ zu dirigieren, sei mit der Ersteigung des Mount Everest vergleichbar. Der Dirigent, von dem dieser Satz stammt, hat leibhaftig zwar nie den höchsten Berg der Welt erklommen, dafür aber in 20 Spielzeiten den Grünen Hügel von Bayreuth. In 143 Aufführungen stand Peter Schneider am Pult des Festspielorchesters. Nur sehr wenige Dirigenten haben es auf mehr Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus gebracht. An diesem Dienstag feiert der österreichische Dirigent, der am Chiemsee wohnt, seinen 80. Geburtstag.

Eines war für Peter Schneider selbstverständlich: Wenn er bei den Bayreuther Festspielen engagiert war, verbrachte er auch den gesamten Sommer zusammen mit seiner Frau in der Region. Das Ehepaar wohnte entweder in Wirsberg oder Bad Berneck. „Wir waren immer durchgehend da, das hat dem Herrn Wagner sehr gepasst“, sagt Schneider im Gespräch mit dem Kurier. Es zählte zu den Markenzeichen des in Wien geborenen Dirigenten, sich stets voll und ganz in den Dienst der Sache und des jeweiligen Hauses zu stellen. Festspielleiter Wolfgang Wagner „schaute, dass immer alles abgesichert ist. Sollte ein Dirigent ausfallen oder nicht den richtigen Flug bekommen, war ich als Absicherung da.“

Fast wäre es an einem Abend auch zu solch einem Noteinsatz gekommen. Peter Schneider hatte es sich zusammen mit seiner Ehefrau bereits vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als der Anruf aus dem Festspielhaus kam mit der Frage, „ob ich nicht gleich kommen könnte“. Einem berühmten Kollegen ging es an diesem Abend nicht gut und es war nicht klar, ob dieser werde zu Ende dirigieren können. Selbstredend war Peter Schneider sofort zur Stelle. Zur Staberl-Übergabe kam es an diesem Abend dann aber doch nicht.

Sein Debüt in Bayreuth gab Peter Schneider im Jahr 1981 mit dem „Fliegenden Holländer“. Seine große Stunde sollte im Jahr 1984 schlagen. Für den „Ring“ war ursprünglich der Star-Dirigent Georg Solti vorgesehen. Die Schallplattenfirma Decca hatte an Bayreuths Litfaßsäulen bereits entsprechende Plakate angebracht. Nach Soltis Rückzug mussten diese überklebt werden.

„Bei der Übernahme von Peter Schneider zeigte sich in exemplarischer Weise der Bayreuther Teamgeist. Alle standen zusammen, und es war eine Frage des Ehrgeizes und der Solidarität aller, die Probleme und Schwierigkeiten durch Kollegialität, Professionalität und präzisen Einsatz so zu meistern, dass dem Publikum ,festspielwürdige‘ Aufführungen des ,Ring‘ geboten werden konnten“, schreibt Oswald Georg Bauer in seiner „Geschichte der Bayreuther Festspiele“. Schon bald sprach man vom „Retter des Ring“. Peter Schneider hatte auch viele Skeptiker überzeugt.

"Lohengrin" mit Werner Herzog

1987 übernahm Peter Schneider erstmals die musikalische Leitung einer Neuinszenierung: „Lohengrin“ mit dem Filmregisseur Werner Herzog. Eine Produktion, an die sich der Dirigent gerne erinnert. Sehr imponiert habe ihm, dass ihn Herzog zusammen mit dem Bühnenbildner Henning von Gierke zu Beginn des Projekts zu Hause besucht hatte, um Grundlegendes zu besprechen. „Das ist sehr selten, dass ein Regisseur die Musik so einbezieht“, sagt Schneider rückblickend im Gespräch mit dem Kurier.

Schneiders letztes Stück in Bayreuth war „Tristan und Isolde“ in der umstrittenen Inszenierung von Christoph Marthaler. Erstmals dirigierte er das Werk 2006, letztmals im Jahr 2012. Über Schneiders letzte Aufführung im Festspielhaus war im Kurier zu lesen: „Im Orchestergraben [...] winkt Peter Schneider den Schlussakkord ab, nickt kurz und applaudiert seinen Musikern.“

Peter Schneider war nie einer, der sich selbst inszenierte oder das eigene Ego in den Vordergrund rückte. Nebulöse Charakterisierungen wie Pultlöwe, Taktstockakrobat, Klangmagier oder Schaumschläger würde man mit ihm nicht in Verbindung bringen. Für viele Musiker ist er ein hochgeschätzter Kapellmeister, der einfach sein Handwerk exzellent beherrscht. „Jetset – das war bei mir nie“, sagt er.

Der Tenor Robert Dean Smith, der mehrfach in Bayreuth unter dem österreichischen Dirigenten den Tristan gesungen hat, sagte der Wiener Plattform online-merker über Schneiders „Meistersinger“-Dirigate: „Ich war verblüfft, wie leicht er im 2. Akt die Hammerschläge des Sachs mit der linken Hand dirigierte, und das Orchester samt Sängern mit der rechten klar und deutlich führte. Nachdem ich viele Jahre mit Peter Schneider gearbeitet habe, besonders in Bayreuth, weiß ich, dass er nicht viel Wert auf solche Kunstfertigkeiten legt. Es geht ihm viel mehr um das Kommunizieren. Die Musik will was sagen und er möchte sie verständlich machen.“ In Bayreuth hat Schneider die „Meistersinger“ nie dirigiert. In München sorgte er mit diesem Stück mehrfach für den glanzvollen Abschluss der Opernfestspiele.

"Ariadne auf Naxos"

Zum voraussichtlichen Abschluss seiner Dirigentenkarriere wird Peter Schneider die Partitur der Richard-Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ aufschlagen. Im September sind an der Wiener Staatsoper drei Aufführungen geplant. Wie Bacchus die verzweifelte Ariadne zu neuem Leben erweckt, wird Peter Schneider im Sitzen dirigieren.

 

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