100 Jahre Erster Weltkrieg Die letzte Fahrt des Bayreuther Infanterie-Regiments

Viereinhalb Jahre Krieg haben die überlebenden Soldaten gezeichnet: Das 7. Infanterie-Regiment im Wartestand, kurz vor dem Heimmarsch. Foto: Archiv

BAYREUTH. Noch ist der Erste Weltkrieg nicht vorbei. Aber die deutschen Truppen ziehen sich zurück. Darunter auch das 7. Infanterie-Regiment „Prinz Leopold“, das von seinem Standort in Bayreuth 1914 in den Krieg an die Westfront gezogen war. Am 10. November 1918 machen unter den Soldaten an der Front Gerüchte die Runde, dass es mit der Monarchie in Deutschland zu Ende geht. Mit Kriegsende übernehmen überall in Bayern auch Arbeiter- und Soldatenräte die Kontrolle. Auch in Bayreuth, wo das auch Auswirkungen auf das „Bayreuther Tagblatt“ hat, das noch bis in die letzten Kriegstage hinein auf der Seite der Monarchie gestanden hatte.

Das Bayreuther Regiment ist auf dem Rückzug. „Gerüchte von einer Abdankung des Kaisers und der Ausrufung der Republik in Bayern sind im Umlauf.“ So notiert es das Regimentstagebuch der Siebener – wie sich die Soldaten im 7. Infanterie-Regiment selbst nennen – am 10. November. Was für die Soldaten an der Westfront noch ein Gerücht ist, ist in der Heimat in Bayern schon Gewissheit. Das „Bayreuther Tagblatt“ schrieb schon am 8. November 1918: „Im Anschluss an die gestrige Massenversammlung auf der Theresienwiese (in München, Anm. d. Red.) kam es zu ernsten Unruhen, die im Verlaufe zu Ausrufung der ersten Republik in Bayern führten. In der Nacht zum heutigen Tag bildete sich ein Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern, zu dessen Vorsitzenden Kurt Eisner ernannt wurde.“ Unter der Überschrift „Umsturz in München“ bezieht die Zeitung Stellung: „Bayerns Schicksalsstunde ist da. (...) Nun möge das deutsche Volk zeigen, ob es sich wirklich in eine Bewegung hineintreiben lässt, die alles zunichte macht, was mühevolle Friedensjahre aufgebaut haben und deren Entwicklung an Russland wir schaudernd miterlebten!“

Um 13.30 Uhr die Bestätigung: Der Krieg ist aus

Für die Soldaten, die sich an der Westfront vor den Franzosen, Briten und Amerikanern bis nach Belgien zurückgezogen haben, herrscht auch am 11. November bis in die Mittagsstunden noch Ungewissheit. „Gegen 9 Uhr vormittags verbreitet sich das Gerücht, dass ein Waffenstillstand in Kraft trete.“ So steht es im Regimentsbuch. „Die Bestätigung trifft um 1.30 Uhr nachmittags ein und die Waffen ruhen nach viereinhalbjährigem Kampfe.“ Für die Soldaten sind die Nachrichten aus der Heimat Hiobsbotschaften. Von Fassungslosigkeit ist die Rede.

„Waffenstillstandsbedingungen angenommen“ titelt das „Bayreuther Tagblatt“ am Montag, 11. November 1918. Der Sonntag war für die Redaktion der Zeitung turbulent. Unter der Überschrift „Erklärung“ heißt es auf Seite eins: „Im Laufe des gestrigen Tages erschien in den Räumen des ,Bayreuther Tagblatts’ eine Abordnung des Bayreuther Arbeiter- und Soldatenrats.“ Man habe dem Verleger erklärt, dass man den Betrieb der Zeitung unterbinden werde, „wenn die Sprache der Zeitung keine Änderung erfährt.“

Druck auf die Zeitung

Schriftleiter – also Chefredakteur – des „Bayreuther Tagblatts“ war damals ein gewisser Albert Hoffmann, der auf der Titelseite die Erklärung in eigener Sache kundtat. Er beuge sich dem Druck, um das Erscheinen der Zeitung weiter zu ermöglichen. Jede eigene Meinungsäußerung werde bis auf Weiteres eingestellt.

Erst nach dieser Erklärung berichtet die Zeitung von der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. in knappen Worten, die mit dem Namen des Reichskanzlers Max von Baden gezeichnet sind: „Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Thron zu entsagen.“ Der Reichskanzler bleibe noch so lange im Amt, bis eine verfassunggebende Nationalversammlung einberufen sei, die die künftige Staatsform festlegen soll.

Ein langer Weg in ein verändertes zu Hause

Für das Bayreuther Regiment an der Westfront – oder vielmehr dem, was davon übrig ist – beginnt mit dem 11. November der lange Weg in die Heimat. Zunächst zu Fuß durch Belgien, bis die Soldaten am 22. November 1918 bei Aachen die Grenze überschreiten. Am 27. November erreichen die Besiegten Köln. Einen Tag später überqueren sie den Rhein. „Aber mit welch anderen Gefühlen als 1914“, heißt es im Regimentstagebuch. 300 Kilometer haben die erschöpften Männer zu diesem Zeitpunkt in 15 Tagen hinter sich.

Wieder geht es zu Fuß weiter. Östlich von Wuppertal bleibt das Regiment am 9. Dezember liegen. Erst jetzt können die Soldaten Transportzüge besteigen, die erst am Ostufer des Rheins und dann über Heilbronn und Nürnberg nach Bayreuth fahren, wo die Männer in der Nacht auf den 12. Dezember 1918 eintreffen und von Bürgermeister Casselmann und der Bevölkerung empfangen werden. Es war die letzte Fahrt und der letzte Empfang für das Regiment, das in der Folge nach über 200 Jahren seines Bestehens aufgelöst wurde.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading