Potenzial zu Weltruhm: Die Gringos und das M.K. Collective aus Karlsbad

Eingeladen sind sie im Rahmen der Tschechischen Woche der Deutsch-Tschechischen Gesellschaft unter Leitung von Kristina Jurosz.

Der Boogie-Woogie knallt sofort rein, die Glissandi der Blechbläser gleiten elegant im Hintergrund, Sologruppen wechseln sich – wirkungsvoll gegen Langeweile – ständig ab. Es ist ein Vortrag aus einem Guss, die Big Band ein Klangkörper. Und die Klassiker sind verdammt gut einstudiert. So gut sogar, dass sich alle Jugendlichen ausleben dürfen, ihre Originalität und Professionalität satt zum Schwingen kommt. Der Bandleader Milan Krajíc hat auch während seiner Sax-Soli von dreckiger Eleganz alles im Griff. Selbst die Big Bands der Rundfunkanstalten haben nicht soviel Verve.

Eigentlich unglaublich ist die Sängerin Petra Brabencová. Ihre ausdrucksstarke Stimme und ihr rockiger Scat-Gesang reißen einen vom Stuhl. Die Power-Voice der erst 20-Jährigen fetzt. Die durchdringende Erotik ihrer Alt-Stimme kommt in „Mission Impossible“ zum Tragen, dann wechselt sie in „Big Spender“ in tremoloarme Geradlinigkeit und umhüllt zugleich die Zuhörer mit ihrem Timbre.

Stimme auf Weltniveau

Wenn die Gruppe sich verkleinert und nach der Pause noch die Combo M.K. Collective übrig bleibt, überzeugt sie mit gebrechlicher Weichheit und intimen Hauch. Mit ihrer Stimmbeweglichkeit spuckt Brabencová Ornamente nebenbei heraus, während ihre ehrliche Dramatik berührt. Den Stimmsitz lässt sie je nach Anforderung virtuos zwischen Kehle und Maske wechseln, Klangfarben formt sie nach Belieben, Ausklang und Abphrasierung sind berauschend. Wenn sie jetzt begönne, Opernarien in Vollendung zu singen, überraschte das nicht einmal. Ohne Übertreibung: Diese Stimme vereint Klasse und Format auf Weltniveau.

Die Qualität ist kaum mit der Leere im Saal zu vereinen, die Situation absurd. Das Publikum ignoriert die exklusive Atmosphäre und sorgt für Spaß auf beiden Seiten. Wer diese Bands erlebt hat, darf sich glücklich schätzen. Einige von ihnen werden einmal große Namen tragen.

Symbolbild: dpa

Nicht bewertet

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