Zwei Rudis suchen Sehnsuchtsorte

Es ist die etwas andere Art der Hospizarbeit. Rudolf Ziegler möchte für Patienten auf der Palliativstation des Klinikums Fotobücher erstellen. Ohne, dass sie einen Cent dafür bezahlen müssen. Die Bilder liefert der freiberufliche Pressefotograf selbst. Von Orten, die den Patienten etwas bedeuten.

Sonnentag auf der Neubürg

Auf die Idee gekommen ist der 60-jährige Bayreuther am vergangenen Weihnachtsfest. „Ich stand bei schönem Wetter auf der Neubürg und war ganz alleine“, erzählt er dem Kurier. Seine Bilder stellte er auf seine Homepage und in seinen Blog – für all diejenigen, die diesen Sonnentag nicht wie er genießen konnten, weil sie Dienst hatten, krank waren oder auch nur auf der Couch die Weihnachtsgans verdauen mussten. Die Resonanz auf seine Bilder sei enorm gewesen. „Darunter war einer, der mit einem gebrochenen Bein zuhause war und sich riesig über die Fotos freute.“

Ein Überraschungskorb

Die Idee war geboren. Ziegler hatte nach einer persönlichen Neuorientierung vor einigen Jahren sein Hobby Fotografie zu seinem Beruf gemacht und sich in der Hospizbewegung engagiert. Im Klinikum sei er mit seinem Vorhaben gleich auf offene Ohren gestoßen. Die Idee: Das Personal auf der Palliativstation erfährt aus den Gesprächen mit den Patienten, ob und welche Lieblingsorte es für sie gibt, an die sie schöne Erinnerungen haben. Rudolf Ziegler wird angesprochen und macht sich auf Fototour: An den Fichtelsee zum Beispiel oder in die Fränkische Schweiz, einen Ort im Umkreis von rund 50 Kilometern.

Aus seinen Bildern erstellt er ein Fotobuch, die Kosten trägt die Hospizstiftung. Das Buch wird dem Patienten vom Pflegepersonal in einem Korb als Überraschung übergeben, zusammen mit einem Stein, einem Holzstück oder einem anderen Gegenstand vom fotografierten Ort. Kopfkino ans Krankenbett.

Der andere Rudi

Mit im Korb ist Rudi. Nicht der Fotograf Rudolf Ziegler, sondern sein Stellvertreter in Miniformat. Eine kleine Stoffmaus, die den Patienten zusammen mit dem Fotobuch übergeben wird. „Ich bin nicht wichtig, ich trete nicht in Erscheinung“, sagt Ziegler, der für seine Tätigkeit kein Geld nimmt, auch keine Kostenerstattung für die Fahrten. Der kleine Rudi ist sein Gefährte auf den Reportagetouren, wird an den ausgewählten Orten mit fotografiert und dann den Patienten überreicht. „Entdeckt habe ich Rudi bei Sigikid in Mistelbach“, sagt Ziegler. Der Stofftierhersteller habe die Aktion sofort unterstützt und spendiere die Puppen großzügig.

Ziegler selber will den Patienten nicht die Körbchen mit seinen Fotobüchern übergeben, dafür ist der kleine Rudi dabei. Er erfährt auch gar nicht, für wen er die Bilder macht. „Ich stelle mir vor, wie sie sich freuen. Allein das Wissen, dass ich etwas Gutes und Richtiges gemacht habe, macht mich glücklich.“ Er wolle etwas zurückgeben an Menschen, denen es nicht so gut geht, sagt Ziegler. Nun wartet er gespannt, wie seine Aktion bei den Patienten ankommen wird. Der erste Auftrag für die zwei Rudis kann kommen.

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Kommentare

Toll, habe gerade fast Tränen in den Augen über diese wunderschöne Idee! Viel Freude beim Fotografieren!
Das sind die wahren Helden in unserer Gesellschaft!
Danke Rudi,eine ganz tolle Idee.Deshalb brauchen wir Menschen uns,genau deshalb sind wir nur zusammen vollkommen.Danke.
Eine großartige Idee mit den Fotos und der Stoffmaus. Dieses können wir alle auch im privaten Kreis nachmachen.