Zwei Medi-Heimspiele in drei Tagen

Groß war der Aderlass vor der Saison in Ulm: Bis auf „Institution“ Per Günther, US-Flügelspieler Da’Shaun Butler und den lange verletzt pausierenden Nationalcenter Tim Ohlbrecht hatten alle Leistungsträger das Interesse zahlungskräftigerer Konkurrenten auf sich gezogen und sich aus der Donaustadt verabschiedet. Im Gegenzug kamen vielversprechende Neuzugänge mit zuweilen klangvollen Namen wie die NBA-erfahrenen Luke Harangody (70 Spiele für Boston und Cleveland) und Toure Murry (56 Einsätze für New York, Utah und Washington), der ebenso wie der Ex-Bayreuther BBL-Allstar Trey Lewis (jetzt Bourg/Frankreich) den Club zwischenzeitlich wieder verlassen musste, oder Bonns Topscorer Ryan Thompson.

Doch das neu zusammengestellte Team fand nur holprig in die Saison und musste immer wieder Rückschläge hinnehmen. Hinzu kam Verletzungspech, und auch die Nachverpflichtungen (Benimon, Babic, Reinhardt) konnten das Ruder nicht nachhaltig herumreißen. Spätestens seit dem kapitalen Fehlstart in den April mit vier Niederlagen in Serie (Bonn, München, MBC, Braunschweig) ist die siebte Ulmer Playoff-Teilnahme in weite Ferne gerückt. Mit 14 Siegen und 15 Niederlagen nehmen die Schwaben fünf Spieltage vor dem Saisonende den zehnten Tabellenplatz ein und haben bereits zwei Siegen Rückstand auf den achten Tabellenplatz.

Korner erwartet hoch motivierte Ulmer

„Wir dürfen jetzt nicht in Selbstmitleid verfallen, sondern müssen Charakter beweisen. Die aktuelle Situation haben wir uns schließlich selbst zuzuschreiben“, nimmt Trainer Thorsten Leibenath sein Team in die Pflicht, und Neuzugang Katin Reinhardt versichert: „Solange wir die Chance haben, glauben wir daran. Wir blicken aber nicht in den Mai, sondern fokussieren uns ausschließlich auf das nächste Spiel und wollen dabei alles auf dem Parkett lassen. Darin sind wir uns im Team alle einig.“

Entsprechend erwartet Medi-Coach Raoul Korner einen bis in die Haarspitzen motivierten Gegner: „Wir rechnen damit, dass die Ulmer alles auf das Parkett schmeißen werden, was sie haben – das wird ein heißer Tanz. Im bisherigen Saisonverlauf haben sie mehrfach gezeigt, dass sie es mit jedem in der Liga aufnehmen können. Es fehlt ihnen alleine an Konstanz.“ Und just mit Konstanz will Korner die Schwaben „knacken“: „Es geht für uns darum, über 40 Minuten konstant zu spielen und eine etwaige Schwächephase der Ulmer auszunutzen. Ich denke, dass für meine Mannschaft das bessere kollektive Selbstvertrauen spricht.“

Eisbären im Abstiegskampf unter Druck

Ganz anders war die Ausgangslage bei den Eisbären Bremerhaven: Gleich sechs Spieler der Vorjahresformation, die sich ohne Zitterpartie den Klassenerhalt sichern konnte, durften bleiben und bilden das Korsett des aktuellen Teams – so viel Kontinuität gab es in der Hafenstadt schon lange nicht mehr. Spielmacher Jordan Hulls und sein US-Landsmann Ivan Elliott, Eigengewächs André Breitlauch und Combo Guard Lars Wendt sowie der Ex-Hagener Fabian Bleck und der ehemalige Bayreuther David Brembly trugen schon im Vorjahr das Eisbären-Trikot. Hinzu kam mit Dominique Johnson ein Bremerhavener Eigengewächs, das nach Stationen in Braunschweig und beim Mitteldeutschen BC an die Küste zurückfand.

Kontinuierlich wollte man auch mit Sebastian Machowski zusammenarbeiten, der erst im März 2016 den Trainerstuhl bei den Seestädtern bestiegen hatte. Weil unter dem vormaligen Cheftrainer der Baskets Oldenburg in den ersten 13 Saisonspielen allerdings nur zwei Siege gelingen wollten und die Eisbären damit Anfang Dezember im Tabellenkeller festhingen, musste Machowski seinen Hut nehmen. Seinen Job übernahm auf Wunsch der Gesellschafter der Geschäftsführer Arne Woltmann – in Personalunion. Unter dem ehemaligen Trainer der A2-Nationalmannschaft, der einst in Quakenbrück und Bamberg als Co-Trainer fungierte und bis März 2017 als Headcoach bei Zweitligist Rheinstars Köln tätig war, konnten die Eisbären bis zum 29. Spieltag immerhin weitere fünf Siege einfahren.

Das Abstiegsgespenst ist damit aber alles andere als vertrieben, erst am letzten Wochenende setzte es mit 78:81 im Kellerduell bei der BG Göttingen einen weiteren herben Rückschlag. Die Eisbären gehen auf Platz 16 mit lediglich einem Sieg Vorsprung auf die Abstiegszone in die letzten fünf Spiele und haben die direkten Vergleiche gegen Göttingen (15.) und Erfurt (17.) jeweils verloren. „Wir müssen positiv bleiben, zumal wir den Klassenerhalt trotz der jüngsten Niederlagen noch immer in der eigenen Hand haben“, forderte Woltmann vor dem Saisonendspurt.

1 (1 vote)

Anzeige