Zwei kämpfen um Rabenstein-Nachfolge

Es läuft auf eine Kampfabstimmung hinaus. Halil Tasdelen, gerade wiedergewählter Vorsitzender der Bayreuther SPD, gegen Irene von der Weth, SPD-Gemeinderätin in Weidenberg.

 

Halil Tasdelen

 

Tasdelen, der bei der parteiinternen Nominierung vor fünf Jahren Rabenstein mit 25 gegen 43 Stimmen unterlegen war, sagte auf Kurier-Anfrage: „Selbstverständlich werde ich kandidieren. Ich habe einiges vorzuweisen und würde mich freuen, wenn sich die Delegierten für mich entscheiden.“ Er wolle sich nicht mehr nur ehrenamtlich, sondern mit ganzer Kraft in der Politik engagieren, sagte der 44-Jährige.

Gemeinderätin aus Weidenberg tritt an

Vom SPD-Ortsverband Weidenberg bereits vorgeschlagen worden ist Irene von der Weth, Gemeinderätin und Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Oberfranken.

 

Irene von der Weth

 

Die 53-jährige Weidenbergerin sagte dem Kurier: „Ich habe die Politik 30 Jahre lang beraten, jetzt möchte ich selber gestalten.“ Ihre familiäre Situation erlaube ihr nun, sich um das hauptberufliche Mandat in München zu bewerben.

Der  SPD-Fraktionsvorsitzende im Bayreuther Stadtrat, Thomas Bauske, will "den Parteigremien noch nicht vorweggreifen", ob er sich ebenfalls um die Nachfolge Rabensteins bewerben will.  „Lassen wir die Dinge sich entwickeln“, sagte der 45-jährige Gymnasiallehrer Bauske, der sich bei der Bundestagswahl im September im Wahlkreis Kulmbach um das Direktmandat beworben und 16,1 Prozent der Stimmen erzielt hatte.

Liste wird im Februar erstellt

Der SPD-Unterbezirk wird sich am Donnerstag mit dem Wahlverfahren befassen und einen Termin für die Nominierungsversammlung festlegen. Voraussichtlich Ende Februar werde die Listenreihung der Landtagskandidaten in Oberfranken stattfinden, teilte Bezirksvorsitzende Anette Kramme mit. Sie dankte Rabenstein für seine Arbeit. "Ich meine, er hat - obwohl er immer Oppositionspolitiker war - tolle Erfolge aufzuweisen, die er durch viel Hartnäckigkeit erreicht hat. Christoph Rabenstein ist immer bescheiden und bürgernah geblieben."

Nicht der Heynckes der Fraktion

Rabenstein selbst wollte keine Empfehlung für seine Nachfolge abgeben. „Das muss die Partei entscheiden.“ Er führte am Dienstag in Bayreuth drei Gründe für seinen Rückzug im kommenden Herbst nach 20 Jahren als Abgeordneter an. Dann werde er mit fast 67 Jahren das Rentenalter erreicht haben. „Ich will nicht der Jupp Heynckes der SPD-Fraktion werden“, sagte Rabenstein. Er wolle wie seine neun anderen ausscheidenden Fraktionskollegen eine Verjüngung  einleiten. Zudem wolle er sich als gelernter Historiker endlich Projekten widmen, die er bislang hinausgeschoben habe, zum Beispiel Biographien  von Oswald Merz und Friedrich Puchta. Politisch will Rabenstein weiter aktiv sein. Er werde sein Stadtratsmandat bis zum Jahr 2020 ausüben und bei der nächsten Stadtratswahl auf dem letzten Listenplatz für die SPD antreten. Auch im Kampf gegen Rechtsextremismus werde er weiterhin Aktionen unterstützen und sich selber beteiligen.

Stolz auf Verfassungsänderung

Rabenstein zog eine überwiegend positive Bilanz seiner 19 Jahre als Abgeordneter im Landtag. An erster Stelle nannte er seinen Einsatz für den ländlichen Raum. Sein Antrag auf Verfassungsänderung zur Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in Bayern sei als parteiübergreifender Gesetzentwurf 2013 per Volksentscheid angenommen worden. „Darauf bin ich schon ein bisschen stolz“, sagte Rabenstein, derzeit Vizevorsitzender der Enquete-Kommission im Landtag, die sich mit diesem Thema befasst. Von Erfolg gekrönt sei auch sein Einsatz für die Aufnahme des Markgräflichen Opernhauses in das Weltkulturerbe gewesen. Auf seine Initiative zurückgegangen sei außerdem der NPD-Verbotsantrag Bayerns im Bundesrat, der allerdings vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert war. Immerhin werde die NPD aber nicht mehr staatlich finanziert. Außerdem habe der Vorstoß demonstriert, dass sich die Demokratie gegen Rechtsextremisten zur Wehr setze.

Im ICE nach Nürnberg?

 Nicht zufrieden ist Rabenstein, dass sich bei der Anbindung Bayreuths an eine Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale zu wenig tue.  „Ich hoffe aber immer noch, dass ich irgendwann im ICE mit Strom von Bayreuth nach Nürnberg fahren kann.“ Seine größte Enttäuschung sei das Scheitern der Urwelt-Erlebnisgrube Mistelgau. „Wir hatten grünes Licht für die Finanzierung aus München, aber das Projekt starb wegen des Widerstands vor Ort.“ Er habe immer gern Politik gemacht, sagte Rabenstein.  „Aber das ist zum Verzweifeln.“

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Kommentare

"Bauske will sich nicht festlegen". Den wird die SPD halt nicht mehr wollen, nachdem seine Gegenkandidatin quasi ohne Konkurrenz das beste bayerische Ergebnis erzielt hat...
Leider setzt sich die Demokratie nicht in gleicher Weise gegen Linksextremisten zur Wehr.
Aber nach Aussage von Herrn Stegner gibt es im linken und sehr linken Spektrum keinen
Extremismus.
Wem wird denn hier Linksextremismus unterstellt?
"Ich hoffe aber immer noch, dass ich irgendwann im ICE mit Strom von Bayreuth nach Nürnberg fahren kann.“

Und in der anderen Richtung nach Eger - Karlsbad - Prag und Hof - Leipzig - Berlin, auch Plauen - Zwickau - Chemnitz - Dresden.
Ich glaube, die Regierung setzt eher auf autonom fahrende Autos auf unseren Autobahnen, vielleicht sogar in Kolonnenfahrweise. Dann können sich die Menschen sehen und miteinander mit ihren Smart-Phones kommunizieren.
Das, was Bayreuther Stadträte vor eineinhalb Jahrhunderten in Sachen Eisenbahn verbockt haben, muss die Bayreuther Region nun halt leider büßen. Ein noch so großes Gejammere von wem auch immer, wird diesen Nachteil niemals mehr wettmachen können. Leider!
@Mielex. Der Bayreuther Magistrat hatte vor 150 Jahren keine Chance. Die Entscheidung, die Strecke an Bayreuth vorbeizuführen, kam aus München.
Soweit ich weiß, hat Bayreuth die Stichstrecke nach Neuenmarkt sogar aus eigenen Mitteln bezahlt, um überhaupt an die Hauptverkehsstrecken Anschluss zu haben.
Aber Sie haben natürlich recht. Das Bayreuther Unheil in Sachen Bahn hat damal begonnen.