Zuschauerboom in der Sportstadt

Unmittelbar zu sehen ist dieser Trend derzeit in der dritten großen Bayreuther Sportarena neben Oberfrankenhalle und Eisstadion: Drei Auftaktsiege in der Fußball-Regionalliga Bayern haben der SpVgg Bayreuth nach schwächeren Jahren wieder so viel Sex-Appeal verliehen, dass sie im jüngsten Heimspiel über 2000 Zuschauer ins Hans-Walter-Wild-Stadion lockte. Zum Vergleich: Gegen die SpVgg Greuther Fürth II waren zu den drei Heimspielen in den drei zurückliegenden Spielzeiten zusammengerechnet 1810 Zuschauer erschienen – 268 weniger als am vergangenen Freitagabend.

1256 Zuschauer gegen Illertissen, dann 1124 gegen Ingolstadt II und nun 2078 gegen die SpVgg Greuther Fürth – die 1486 Zuschauer im Schnitt bedeuten immerhin Platz fünf im Regionalliga-Vergleich. Und dabei fielen die Gegner bislang doch eher in die Rubrik „graue Maus“. Die „Lichtgestalten“ kommen erst noch: Schweinfurt, Bayern II und natürlich 1860 München. Was dann wohl los sein wird im Bayreuther Stadion? „Zwischen 3000 und 7000 Zuschauer sind auf jeden Fall möglich“, sagt Geschäftsführer Christian Höreth. „Und sollte es im letzten Spiel gegen die Löwen noch um was gehen, sind hier sogar über 10 000 Zuschauer drin.“

Der sportliche Erfolg mit größter Anziehungskraft

Zwingend notwendig, um den in der Regel anspruchsvollen, teilweise auch erfolgsverwöhnten Bayreuther Zuschauer ins Stadion locken zu können, sei vor allem der sportliche Erfolg. Wenn dieser Faktor fehlt, könne das keine Benefizaktion wettmachen, kein noch so aufwendiges Showprogramm und auch keine Mannschaft, die sich hauptsächlich aus „Bayreuther Jungs“ zusammensetzt.

Neben einem gut gefüllten Punktekonto spiele auch das Auftreten der Mannschaft eine nicht zu verachtende Rolle. „Unser aktuelles Team macht riesigen Spaß, es spielt mit Herz und Leidenschaft. Und auch das wird von den Zuschauern honoriert“, sagt Höreth, der sich sicher ist, „dass man solch einer jungen und bodenständigen Mannschaft auch einmal eine Niederlage verzeiht“. Er empfiehlt einen Blick auf die andere Mainseite – hinüber zur Oberfrankenhalle. Dort hat Medi Bayreuth eine großartige Saison in der Basketball-Bundesliga hinter sich. „Auch Medi hat nicht alles gewonnen. Und das hat auch niemand erwartet. Die Zuschauer aber sind trotzdem gekommen und haben das Team unterstützt. Warum? Weil es immer alles gegeben hat, sympathisch und bodenständig geblieben ist.“

Große Dauerkarten-Nachfrage bei Medi und Tigers

Auch bei besagten Basketballern deutet sich schon jetzt – zumindest wirtschaftlich – eine sorgenfreie Saison an. „Der Dauerkartenverkauf läuft richtig gut“, sagt Medi-Geschäftsführer Philipp Galewski und nennt Zahlen: 1700 Dauerkarten gingen vor der Saison 15/16 über den Tresen der Geschäftsstelle, ein Jahr später waren es schon 1900 und aktuell sind es 2150. „Wobei das ja noch nicht das Ende der Fahnenstange sein muss.“

War die starke Nachfrage für die Bundesliga-Heimspiele durchaus zu erwarten gewesen, so war der „Run auf die Champions-League-Tickets“ eher eine Reise ins Ungewisse. Doch auch hier sei die Nachfrage enorm. 1100 aller Dauerkarten-Inhaber für Bundesliga-Heimspiele haben auch eine Champions-League-Dauerkarte gelöst. „Das ist stark, überraschend stark und gibt uns natürlich Planungssicherheit“, sagt Galewski, der sich aktuell eher mit einem Luxusproblem herumzuschlagen hat: „Wir stoßen mit der Kapazität an unsere Grenzen. Wir können die Nachfrage besonders für die Plätze der hohen Kategorien gar nicht mehr bedienen.“

Dieses Problem haben die Bayreuth Tigers im heimischen Kunsteisstadion zwar nicht, aber auch hier ist man mehr als nur zufrieden mit dem Stand des Dauerkarten-Verkaufs. „Aktuell stehen wir bei 720, glauben aber, dass wir die 750 noch knacken können“, sagt Geschäftsführer Matthias Wendel und ist „hellauf begeistert“ ob der jetzt schon übertroffenen Erwartungen. „Im letzten Jahr waren es 800, das war aber unser erstes DEL2 Jahr, in diesem Jahr haben wir mit 600 bis 650 gerechnet. Und sind nun natürlich happy, dass wir die 700-Grenze schon geknackt haben.“

Schnittmengen der Fankreise eher klein

Dass seine Tigers unter den Erfolgen und damit dem Zuspruch von Medi und der SpVgg leiden könnten, glaubt Matthias Wendel nicht: „Da sind die Schnittmengen einfach zu gering, als dass sie eine Rolle spielen können. Vielmehr glaube ich, dass von einem Boom – unabhängig in welcher Sportart – alle Bayreuther profitieren werden.“

Ähnlich sieht es auch Christian Höreth. Dass sich die vier großen Bayreuther Sportarten – er nennt explizit auch die Handballer von Haspo – in punkto Zuschauerzuspruch kannibalisieren, hält auch der SpVgg-Geschäftsführer für ausgeschlossen. „Unsere Schnittmenge mit den Fans der Tigers ist sicher am größten. Und natürlich spielt es uns schon ein bisschen in die Karten, dass zur Zeit außer Fußball nichts läuft, denn es gibt schon den einen oder anderen Neugieren, der zu uns kommt. Grundsätzlich aber tun wir uns da nicht weh.“ Vielmehr zeige der insgesamt große Zuspruch das Potenzial in der Stadt: „Bayreuth ist eben nicht nur Uni- und Kulturstadt, sondern vor allem Sportstadt. Die Sportfans sind eine nicht zu unterschätzende Macht.“

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