Zum 50. Geburtstag: das XY-Alphabet

 

A - Außenstudios

Im Außenstudio Wien saß ab 1968 zunächst Teddy Podgorski, dann - ab 1971 - Peter Nidetzky. Im Außenstudio Zürich nahm 1969 Werner Vetterli Platz, ab 1976 Konrad Tönz und ab 1998 Stephan Schifferer. Die Österreicher stiegen 2003 aus, die Schweizer 2004. Hauptmoderator

Zimmermann und seine Kollegen Nidetzky und Tönz wurden zu prägenden TV-Gestalten der 1970er Jahre.

 

B - "Bleiben Sie sicher."

Mit diesem Satz verabschiedet sich der aktuelle XY-Moderator Rudi Cerne üblicherweise von seinen Zuschauern.

 

C - Carglass

Oft belächelt werden die hölzernen, leicht amateurhaft gesprochenen Dialoge in den Einspielfilmen aus den Anfangszeiten der Sendung. So etwas gibt es heute nur noch bei der Carglass-Werbung.

 

D - Dreharbeiten

Die Regie bei den Filmfällen führte lange Jahre Kurt Grimm (1931-2004), der hin und wieder auch kleinere Rollen übernahm. Aus Kostengründen wurden manche Kriminalfälle, die sich im Sommer ereigneten, im Winter gefilmt oder umgekehrt. Auch an Originalschauplätzen wird nicht immer gedreht - um Täter nicht vorab auf die anstehende TV-Fahndung aufmerksam zu machen.

 

E - Eintracht Braunschweig

Eine legendäre Panne passierte am 16. Mai 1980. Eduard Zimmerman wollte gerade Konrad Tönz in der Schweiz nach Ergebnissen fragen, als der Ton umgeschaltet wurde auf das Fußballspiel zwischen Hamburger SV und Eintracht Braunschweig. Zu hören war statt Konrad Tönz ein lautes "Tor!, Tor!" - das 1:0 für den HSV war gerade gefallen.

 

F - Fans

Treue Anhänger hat die Sendung viele. Das zeigt etwa der inoffizielle Aktenzeichen-XY-Blog. «Wie wahrscheinlich die meisten XY-Fans bin ich durch abendliches Lauschen an der Zimmertür zu XY gekommen», schreibt Autor Kurt Wolfgang Schmidt.

 

G - Gastauftritte

Zahlreiche (später) prominente Schauspieler hatten Gastauftritte bei den XY-Filmfällen. Heiner Lauterbach etwa verkörperte in der 125. Folge am 16. Mai 1980 den Geschäftsführer eines Bochumer Elektrogeschäfts, der Opfer eines Überfalls wurde. Christine Neubauer war am 12. April 1985 in Folge 174 als Freundin eines Mordopfers zu sehen.

 

H - Herrmann

Für den Fall Ursula Herrmann trat Eduard Zimmermann in der 350. Sendung am 8. November 2002 noch einmal vor die Kamera. Insgesamt dreimal waren die Entführung und der anschließende Tod des Mädchens Thema bei Aktenzeichen XY, allerdings ohne Erfolg.

 

I - Intensivtäter

"Auch ich war ein Gauner" überschrieb Eduard Zimmermann seine 2005  erschienene Autobiographie. Ein Intensivtäter war "Ganoven-Ede" zwar nicht, aber in den Nachkriegsjahren bestritt er laut eigenen Angaben seinen Lebensunterhalt unter anderem "als professioneller Dieb und Schwarzmarkthändler".

 

J - Jazz

Die erste Titelmusik komponierte Ernst-August Quelle; "Spiegel Online" erinnerten die jazzigen Bigband-Klänge an die Titelmusik von "Der rosarote Panther".

 

K - Kurios

Kein Witz: Am 19. April 2012 wurde Aaron Defant im Zusammenhang mit einem XY-Fall von der Polizei kontrolliert. Schnell stellte sich aber heraus, dass der Schauspieler den gesuchten Juwelendieb lediglich in einem Einspielfilm verkörpert hatte.

 

L - Längster zurückliegender Fall

Einen besonders weit zurückliegenden Fall präsentierte Aktenzeichen XY in der Sendung am 23. Februar 2011. Es ging um einen Dreifach-Mord in der NS-Zeit an Verwandten des Physikers Albert Einstein.

 

M - Moderatoren

Gründervater Eduard Zimmermann moderierte von 1967 bis 1997. Seine Tochter Sabine kam 1987 als Co-Moderatorin hinzu und übte den Job bis 2001 aus. Als Hauptmoderatoren folgten von 1997 bis 2001 Butz Peters und seit 2002 Rudi Cerne.

 

N - Nepper

Bereits 1964 rief Eduard Zimmermann die Sendung "Vorsicht Falle!" ins Leben. Dort warnte er höchst erfolgreich vor "Neppern, Schleppern und Bauernfängern".

 

O - Ostdeutschland

Die schwedische Tageszeitung «Dagens Nyheter» schickte Zimmermann 1949 für eine Reportage nach Ostdeutschland. Dort geriet er in die Fänge des sowjetischen Geheimdienstes und wurde wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Arbeitslager in Bautzen verurteilt. Erst viereinhalb Jahren später kam Zimmermann wieder frei.

 

P - Parodien

Oliver Welke mit "Aktenzeichen XY... eingedöst" oder die Comedy-Truppe von "Switch reloaded": Sie alle haben das Format parodiert. Ein Allzeit-Klassiker: Loriot. "Ein Verbrechen von seltener Grausamkeit beschäftigt die Kriminalpolizei des Landkreises Lauenburg seit dem 18. Juni 1912 ..."

 

Q - Quote

Wie immer im Fernsehen das Maß aller Dinge. Bei Verbrechen kommt dann noch die Aufklärungsquote hinzu. Zu Spitzenzeiten schalteten bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" 18 Millionen Zuschauer ein. Heutzutage sind es deutlich weniger. Rudi Cerne gibt zu Protokoll: "Die Einschaltquote ist wichtig für die Aufklärung, und ich hoffe, dass die Aufklärungsquote bei 40 Prozent bleibt - dann sind wir happy."

 

R - "Riffelglas-Blenden

Die "Riffelglas-Blenden" sollten in den frühen Einspielfilmen einen Zeitsprung verdeutlichen - und prägten lange Zeit den speziellen Look bei Aktenzeichen XY.

 

S - Statistik

Mit Stand 1. August wurden 4586 Fälle vorgestellt, davon 1914 Filmfälle. Die meisten, nämlich 3604, spielten in Deutschland; die Plätze zwei und drei belegen Österreich (469) und die Schweiz (463). 15 Fälle kamen aus den Niederlanden, sieben aus Großbritannien und je fünf

aus Belgien und Luxemburg.

 

T - Technik

Fürs Technikprotokoll: am 17. Januar 1975 erste XY-Sendung in Farbe.

 

U - Unterföhring

Zunächst in Wiesbaden heimisch, wird "Aktenzeichen XY ungelöst..." seit Herbst 1969 aus Unterföhring beziehungsweise Geiselgasteig vor den Toren Münchens produziert.

 

W - WWW

1996 wurde angeblich erstmals auf eine Internet-Adresse verwiesen.

 

V - Versuch

Die Niederlande wollten 1969 nach Österreich und der Schweiz bei Aktenzeichen XY einsteigen. Wegen der Sprachprobleme blieb es aber bei nur einem Versuch. Seit 1982 ist bei den Nachbarn ein eigenes Format auf Sendung: "Opsporing Verzocht".

 

X - Xanten

Ein gruseliger Fund sorgte in Zusammenhang mit einer XY-Sendung 2012 für Schlagzeilen. Bei Xanten hatte ein Angler im Vorjahr einen Toten ohne Kopf, Arme und Beine im Rhein entdeckt. Es handelte sich, wie sich nach der Sendung herausstellte, um einen vermissten Senioren aus Duisburg. Den Ermittlern war das zunächst nicht aufgefallen. Rechtsmediziner hatten anhand des Oberschenkelknochens eine falsche Körpergröße ermittelt. Ursache war eine fehlerhafte Formel in der Neuauflage eines Lehrbuchs.

 

Y - Y

Bei mathematischen Gleichungen bezeichnet Y die zweite Unbekannte; die erste ist - natürlich - das X. Noch Fragen?

 

Z - Zivilcourage

Zum Schluss eine Art Vermächtnis von Eduard Zimmermann: "Zivilcourage ist nie out, denn es wird immer Menschen geben, die in brenzligen Situationen eingreifen, und andere, die lieber wegschauen."

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06