Zu viel Zucker macht Kinder krank

„Mit der hohen Zuckerzufuhr in Deutschland haben wir bei Kindern wie Erwachsenen ein Riesenproblem“, erläutert Dr. Berthold Koletzko von der Hauner’schen Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: „Die nachweislichen Folgen eines hohen Zuckerverzehrs sind Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Karies. Dicke Kinder laufen Gefahr, später an Zivilisationskrankheiten wie hohem Blutdruck, Herz- und Kreislaufleiden und Gicht zu erkranken.“

Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werteten Daten zum Vorkommen von Karies, Zahnfleischentzündungen und Zahnverlust, entsprechende Behandlungskosten und Krankheitslasten sowie zum Zuckerverbrauch in 168 Ländern für das Jahr 2010 aus. Ihre Schlussfolgerung: „Pro Mehrverzehr von 25 Gramm Zucker pro Person und Tag – was ungefähr acht Zuckerwürfeln entspricht – steigen die Zahnbehandlungskosten in Ländern mit hohen Einkommen im Durchschnitt um 75 Euro pro Person und Jahr an“, so Studienerstautor Toni Meier. Die Behandlungskosten in Deutschland belaufen sich auf jährlich 210 Euro pro Person. Durch eine Senkung des Zuckerkonsums auf die von der WHO empfohlene Menge ließen sich in Deutschland Kosten in Höhe von zwölf Milliarden Euro einsparen.

898 Millionen Euro für die süße Werbung

Die schädlichen Folgen des überhöhten Zuckerkonsums werden von der Zuckerlobby hartnäckig bestritten, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest. Die Zuckerverbände vertreten unverdrossen die Meinung, dass zwischen Zucker und Übergewicht und Karies kein direkter Zusammenhang besteht und treiben den Verbrauch weiter in die Höhe. Allein die deutschen Hersteller von Süßwaren machten innerhalb eines Jahres über 898 Millionen Euro für mediale Kommunikation locker.

Auch das an Kinder gerichtete Marketing im Internet nimmt zu: Nach einer Studie der Universität Hamburg beinhalten über 60 Prozent der Lebensmittelwebseiten mindestens ein Element, das sich dem Kindermarketing zuordnen lässt. Pro Tag kommen Kinder zwischen acht und 22 Mal mit Online-Werbeaktivitäten von Lebensmittelherstellern in Kontakt. Besonders oft geht es dabei um Lebensmittel, die sehr süß, salzig oder fetthaltig sind, hieß es dazu jüngst auf dem vom AOK-Bundesverband initiierten „Zuckerreduktionsgipfel“ in Berlin. Die Folgen der Dauerpropaganda für Süßes: Die Ausgaben für Süßwaren stiegen in Deutschland um 1,7 Prozent und beliefen sich auf 97,90 Euro pro Kopf. Jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis, verbrauchte im vergangenen Jahr 32,71 Kilogramm Süßwaren, 1,2 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Die Menge entspricht etwa 22 Teelöffeln pro Tag. Zum Vergleich: Laut Weltgesundheitsorganisation sollte die Tagesmenge bei Erwachsenen zwölf, bei Kindern sechs Teelöffel nicht übersteigen.

Vorsicht bei süßen Getränken

Süßwaren, Limonaden und Knabberartikel sollten nicht mehr als etwa zehn Prozent des täglichen Energiebedarfes beitragen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Koletzko nennt ein Beispiel: „Für ein vier- bis sechsjähriges Kind liefern eine Kugel Eiscreme und zwei Butterkekse bereits zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs.“

Besondere Vorsicht gilt bei mit Zucker gesüßten Getränken und süßen Fruchtsäften. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Erfrischungsgetränken betrug in Deutschland 2016 nach Industrieangaben 116,3 Liter. Den größten Posten machten Cola- und Cola-Mischgetränke sowie Limonaden mit 78,2 Litern aus. Koletzko: „Mit Zucker gesüßte Getränke fluten den Organismus ungebremst und schnell mit überzähligen Kalorien und können so die Energiebilanz aus dem Gleichgewicht bringen.“

Das gelte nicht nur für Cola und Limonaden, sondern auch für Fruchtsäfte: „Säuglinge und Kleinkinder sollten Fruchtsaft so zurückhaltend trinken wie Erwachsene Champagner. Saft ist kein alltägliches Lebensmittel, sondern vielmehr etwas, das zu besonderen Anlässen genossen werden darf“, so der Kinderarzt. Die Stiftung Kindergesundheit rät: Als Getränke für Kinder gut geeignet sind nur Leitungswasser, Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees oder Fruchtsaftschorle (zwei Drittel Wasser). Gezuckerte Säfte und Limonaden, einschließlich Cola und Eistees, sollten nur gelegentlich getrunken werden.

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Kommentare

Unser Leitungswasser ist wesentlich besser als alles was man im Getränkemarkt kaufen kann. Das was wir für die Klospühlung nutzen ist besser zum Trinken geeignet als sogenannte Tafelwasser!
So sicher wäre bin ich mir da nicht mehr mit dem sauberen Leitungswasser. Siehe zahlreiche Gemeinden im Landkresi wo es in letzter Zeit Probleme gab.
Montag, 13. November 2017 - 11:06