Zoff um geklauten Maibaum

Völlig brauchtumswidrige Umstände, völlig überzogene Forderungen – das werfen die Speichersdorfer Burschen den Nachbarn aus Kemnath vor. Und deshalb wollen sie den geklauten Baum nach zähen Verhandlungen auch nicht auslösen. Daneben habe der erst im Januar gegründete Kemnather Burschen- und Madlaverein auch noch die Bäume in Mockersdorf, Eisersdorf, Grünlas und Altensteinreuth geklaut. Gelagert seien die Hölzer auf einem Bauernhof in Neusteinreuth, wie Pfau herausgefunden haben will.

"Das hat mit Tradition nichts mehr zu tun."

Aber wo ist das Problem? Die Speichersdorfer Kirwaburschen verweisen auf ihre 102-jährige Tradition. Sie klauen seit Jahrzehnten selbst Bäume, zuletzt vor zwei Jahren den von Wirbenz, so André Hofmann. „Wir haben nichts gegen das Klauen, im Gegenteil. Wir haben unsere Spielregeln, an die wir uns seit Jahrzehnten strikt halten.“ Pfau sagt: „Das, was hier in den letzten Tagen passiert ist, hat mit Tradition nichts mehr zu tun.“

Und sie führen Gründe an: Einmal werde in der Region maximal eine Woche vor dem 1. Mai geklaut, nicht bis zu vier Wochen vorher. Auch werde nicht der gleiche Verein zweimal in Folge beklaut. Pfau beruft sich darauf, dass er vom Kemnather Vereinsvorsitzenden Kevin Schraml die feste Zusage gehabt habe, dass heuer der Baum nicht geklaut werde. Im Jahr zuvor hatten die Kemnather den Baum geklaut. Da waren die Speichersdorfer noch bereit, 70 Liter Bier, 30 Liter Spezi und vier Steine Leberkäs’ mit Semmeln zu berappen. Damit sei nun Schluss.

Haben Speichersdorfer Geheimnisse verraten?

Verwundert ist Pfau auch über das Gebaren des Kemnather Vorsitzenden. Im Januar sei dieser bei ihm privat vorstellig geworden und habe um Unterstützung bei der Vereinsgründung einer Kirwagesellschaft und der Gestaltung des Kirwalebens gebeten. Die Speichersdorfer hätten den Nachbarn alle möglichen Tipps zur Gründung und Betrieb eines Burschenvereins gegeben.

Pfau ist auch überzeugt, dass die Speichersdorfer, die im Kemnather Verein Mitglied sind, ihr Insiderwissen über den Standort des Baumes nach Kemnath weitergegeben haben. Er und seine Mitstreiter fühlen sich verraten. „Das Klauen ist dann doch nur billig und brotlose Kunst. Man müsste eigentlich meinen, sie würden sich dabei selbst blöd vorkommen.“

Vorwurf: Völlig überhöhte Auslöseforderung

Das will man in Kemnath nicht auf sich sitzen lassen. Auf ihrer Facebookseite wehren sich die Burschen und Madla gegen die Vorwürfe. Der Speichersdorfer Baum sei nicht bewacht gewesen. „Traditionell stehlen wir den Baum innerhalb der Ortsgrenze und unbemerkt.“ Die Kemnather Auslöseforderung: eine Spende an den Kindergarten, der gleiche Betrag für den Kemnather Verein und drei Kisten Bier zum gemeinsamen Trinken bei der Auslöse des Baumes.

Verschwunden sei der Speichersdorfer Maibaum in der Nacht auf den 21. April, sagt Pfau. „Spenden ist nicht der Sinn der Sache“, sagt er. „Wir spenden unseren eigenen Kindergärten, was wir beim Maifest selbst erwirtschaften, und nicht, was wir erklauen.“

Baum zwischenzeitlich als Brennholz auf Ebay

Es wurde hin und her verhandelt. Das Angebot aus Speichersdorf von 50 Litern Bier, und die Sache sei erledigt, schlugen wiederum die Kemnather aus. Zwischenzeitlich war der Speichersdorfer Baum als Brennholz in einer Auktion bei Ebay angeboten. Das Angebot wurde aber wieder gelöscht. Der Kemnather Verein teilt mit, dass es immer noch ein Angebot gebe, „dieses wunderschöne Stück Holz doch vor den scharfen Zähnen einer Säge zu retten“.

Doch darauf können die Kemnather wohl lange warten. Die Speichersdorfer Burschen wollen sich nicht unter Druck setzen lassen. Denn angeblich hätten die Kemnather angedroht, den Baum in Abschnitten Stück für Stück zurück zu schicken, wenn keine Auslöse gezahlt wird. Ein Ultimatum für einen Anruf sei am Freitag um 12 Uhr abgelaufen. „Auf diesen Anruf können sie lange warten“, so Pfau.

Die Speichersdorfer wollen es den Kemnathern heimzahlen

In Speichersdorf wird am Sonntag um 19 Uhr auf dem Dorfplatz vor dem Brunnen ein neuer Maibaum aufgestellt. Kurz davor wollen es die Speichersdorfer ihren Nachbarn mit einer symbolischen Aktion heimzahlen. „Die Speichersdorfer Bevölkerung darf sich überraschen lassen“, kündigt Hofmann an. Zuvor heißt es, einen neuen Baum zu schlagen, einzufahren, zu entrinden und zu schmücken.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Pfau sagt, er würde gerne Mäuschen sein, wenn die Kemnather erfahren, wie lange sie umsonst auf einen Maibaum aufgepasst haben, der nicht ausgelöst wird. „Das ist das bestbewachte Brennholz der Oberpfalz“, ergänzt Hofmann und grinst sich eins.

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Sorry...Affentheater!