Zimmer frei – blubbernder Mieter gesucht

Petra Wild-Braun hat einen berühmten Vater – Hans Walter Wild, Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth, „der diese Stadt geliebt hat wie nichts sonst“. Die nach eigenen Angaben „über 60 Jährige“ lebte 40 Jahre lang in Nürnberg, hat dort studiert und sich als Finanzierungsberater selbstständig gemacht. Heute ist sie Versicherungskauffrau – ein Beruf, der „total unterschätzt wird“.

Haus und Hof offen

Nach dem Tod ihrer Eltern standen Wild-Braun und ihre beiden Geschwister vor der Aufgabe, das Erbe unter sich aufzuteilen. „Keiner von uns wollte eigentlich das Haus“, sagt sie. Doch auf Drängen ihres Sohns entschied sich die Gutsbesitzerin dafür, das Erbe anzutreten. Von Anfang an war klar: Auf dem Grundstück will sie nicht alleine leben. Und so entschied sie sich, Haus und Hof für bis zu zehn Studenten zu öffnen. Diese teilen sich drei Bäder und drei Küchen, ansonsten sind alle Bereiche des Hauses, auch die Wohnung, wo Wild-Braun mit ihrem Mann und Sohn lebt, für alle zugänglich.

Die Mitbewohner unternehmen viel miteinander. Wild-Braun veranstaltet Sommerfeste, Halloweenpartys, kocht regelmäßig für alle und plant einmal im Jahr einen Tag, an dem alle etwas Ausgefallenes unternehmen. Vor einigen Jahren lieh sie sich eine Wagner-Statue aus, und ein Fotograf machte Bilder von den Studenten, die je nach ihrem Hobby wie eine Ballerina, Reiterin oder Schauspieler verkleidet waren. In diesem Jahr war es der Dreh für die BR-Serie „Wer zieht ein?“. 

Jeder hat seine Freiräume

Obwohl die zehn Studenten im gleichen Haus wie Wild-Braun und ihrer Familie wohnen, hat jeder seine Freiräume. „Wirklich familiär ist es nicht – es gibt immer wen, mit dem man weniger klar kommt“, sagt Mitbewohnerin Flaminia Buchholz. Dennoch sei es im Vergleich zu einer Stadt-Wohngemeinschaft gut, dass „immer jemand da ist, mit dem man was machen kann“. Und natürlich: dass jeder seine Tiere mitbringen kann. So leben zwei Schafe, zwei Pferde, zwei Fledermäuse, zwei Katzen, ein Hund und zwölf Hühner auf dem Gut Grunau.

Im Februar war Wild-Braun auf der Suche nach einem neuen Mitbewohner, als sie auf eine Anzeige des Bayerischen Rundfunks gestoßen ist. Dieser suchte nach ungewöhnlichen Wohngemeinschaften, die ein Zimmer frei haben. Wild-Braun hat sich nach eigener Aussage nicht gemeldet, weil sie „so scharf darauf war, sich im Fernsehen zu sehen“, sondern weil sie es als „großartige Chance“ für die Studenten sieht, die „man nur einmal im Leben bekommt“.

Zwei Kamerateams

Im Juni dann der Dreh: Zwei Kamerateams verfolgten die Bewohner von Gut Grunau über zehn Stunden hinweg. Die Bewerber – „Menschen, die etwas anders sind“ wie sie sagt und sich gezielt für das Leben auf dem Gut entschieden haben – wurden zu einem Kennenlernen eingeladen. Sie wurden einzeln herumgeführt und dann zu einem Vorstellungsgespräch gebeten.

Unter normalen Umständen hätte bereits eine Frage über ihr Schicksal entschieden: „Wie viel Uhr ist es?“ Kommt eine Antwort wie „kurz vor halb vier – bin ich etwa zu früh?“ dürfen sie bleiben, sagen sie „sieben Minuten vor halb vier“, haben sie schon verloren. Denn dann sind sie nach Auffassung der Guts-Besitzer „zu exakt und strukturiert für das Leben bei uns“.

Jeder tickt anders

Denn an ihren Mitbewohnern schätzt Wild-Braun, dass sie „andersartig“ sind und jeder irgendwie anders tickt: Jeder hat eigene Interessen, wovon die anderen stark profitieren würden. Sie ist sich sicher: „Durch das Leben in einer Wohngemeinschaft bekommt man gute Sozialkompetenzen.“

Im Gespräch fragte Wild-Braun nach den Wünschen und Zielen der Bewerber – wofür sie „blubbern“, jemand anderes würde sagen: Wofür sie brennen. Zwei von ihnen konnten besonders überzeugen und durften zu einer Extra-Aufgabe antreten. Sie mussten Pizza backen. Dabei ging es nicht nur darum, ob sie den Teig gut machen können und wie sie die Pizza belegen und backen, sondern auch darum, ob sie nach Hilfe fragen und wie sie mit den Mitbewohnern umgehen. Überzeugt hat der Bewerber Merlin Hofmann, der bereits zum ersten August eingezogen ist.

Nicht bewertet

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Kommentare

Diese wichtige Meldung hätte ich eigentlich in der "B...Zeitung" erwartet
Montag, 13. November 2017 - 11:06