Wülfersreuth ist 700 Jahre alt

Sein Lehrer hieß Erich Meißner. „Er hat uns für Heimatkunde und Ortsgeschichte begeistert.“ Wenn auch die Heimatkunde in Grießhammers Berufsleben zurückstehen musste, kann er sich inzwischen wieder auf seine Leidenschaft besinnen. „Seit sechs oder sieben Jahren habe ich mir die Geschichte zur Aufgabe gemacht“, sagt er. Dann näherte sich das Jubiläum „700 Jahre Wülfersreuth“, und inzwischen ist Grießhammer mittendrin in den Vorbereitungen. Denn zum Jubiläum soll es eine Ortschronik geben. Daran arbeitet er inzwischen intensiv. Es gibt einen alten Schrank, inzwischen in Bischofsgrün aufbewahrt, in dem die alten Dokumente von Wülfersreuth aufbewahrt werden. Bis zurück ins Jahr 1930 wurde das Archiv bereits überarbeitet, die Unterlagen aus der Zeit davor indes nicht.

Text muss bis Mai fertig sein

Also begann Grießhammer damit, die Archivalien zu sichten. Und der nächste Schritt war die Gliederung für die Chronik. Der Heimatkundler zeigt seinen Ordner, in dem einige Kapitel schon weit gediehen sind, es aber auch noch Lücken gibt. Bis zur Jubiläumsfeier am 16. und 17. September soll die Chronik fertig sein. Sie soll Teil der FGV-Reihe „Bischofsgrüner Schätze“ werden. Der Text muss bis Mai stehen. Dann kann gedruckt werden. Am Jubiläumswochenende steht der Samstag unter dem Motto „Ein Dorf stellt sich vor“.

Es wird Ausstellungen von alten Traktoren und Geräten geben. „Ich werde in Vitrinen alte Dokumente ausstellen“, so Grießhammer über seine Pläne. Er denkt an eine Ortskarte aus dem Jahr 1852 oder andere Dokumente, die er im Archiv gefunden hat. Wie schon 1979, nur diesmal von der nächsten Generation, wird das wohl auch von Lehrer Meißner geschriebene Theaterstück „Der welsche Gast“ aufgeführt. Es erinnert an die Bergbauversuche in den Maintalhöhlen und geht auf eine alte Sage zurück. 15 Darsteller werden gebraucht. „Im Frühsommer beginnen die Proben“, sagt Grießhammer.

Zu den Anfängen

Er spricht gern über die Anfänge Wülfersreuths. Da ist noch vieles unbekannt. „Kirchlich haben wir zu Marktschorgast gehört“, weiß er. Seiner Ansicht nach gab es wohl in alten Zeiten eine Grenze zwischen Eygen und Wülfersreuth. Erstes Dokument ist jedenfalls eine Urkunde von 1317, auf die sich das Jubiläum bezieht. Als Grundlage für seine Arbeit hat er eine Ortschronik verwendet, die der in Bischofsgrün tätige Oberlehrer Seidel geschrieben hat. Der bereits erwähnte Lehrer Meißner führte die Chronik bis in die 60er Jahre fort. „Daraus habe ich viel übernommen“, sagt Grießhammer. 

Ein Vorname als Ortsname

Der Name Wülfersreuth geht seiner Meinung nach auf einen Vornamen zurück. Grießhammer hat in einem alten Reichssteuerregister von 1497 auch zum Teil die selben Namen, wie es sie heute noch gibt, gefunden. „Der Name Zapf ist seitdem heimisch.“ Aus Wülfersreuth kamen aber beispielsweise auch die meisten Flößermeister am Main. In der Chronik wird auch nachzulesen sein, dass 1784 durch Leichtsinn elf Häuser niederbrannten. Und es wird auch berichtet, dass ab 1757 tote Tiere zur Fallmeisterei gebracht werden mussten. Von dort aus wurde dann unter anderem die Wolfsgrube bestückt.

Erst seit 1870 gab es einen Bürgermeister und einen Gemeinderat. Im Jahr 1857 wanderten gleich elf Personen nach Amerika aus. Grießhammer hat aber auch nachgeschaut, welchen Berufen die Wülfersreuther früher nachgingen. Er fand heraus, dass es vom Maurer über Schuhmacher, Metzger und Maler eine Rundumversorgung gab. In den Kriegsjahren von 1866 bis 1871 gab es eine Einquartierungskommission. Vorher, während des 30-jährigen Kriegs, waren bis zu 400 Soldaten im Ort untergebracht.

65 Kinder besuchten die Schule

Über das Schulwesen hat er zusammengetragen, dass es 1760 einen Schulhalter gab. 1830 wurde das alte Schulhaus als Wohnhaus gebaut. Im Jahr 1858 gab es dann respektable 65 Schüler, 50 in der Werktagsschule und 15 in der Sonntagsschule, vor allem aber alle in einem Klassenzimmer. Im Jubiläumsjahr werden aber auch die anderen örtlichen Festivitäten unter das Motto „700 Jahre Wülfersreuth“ gestellt. Zum Maibaumaufstellen am 30. April wird auch die Geschichte des Maibaumaufstellens aufgerollt. Zur Schwarzergässer Kerwa am 20. Mai wird an die alte Kerwatradition erinnert, die bis 1955 aufrecht erhalten wurde. Am 24. Juni findet noch das Johannisfeuer statt.

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