Wolfsrudel sorgt für politischen Wirbel

Am Freitag hatte das Bayerische Landesamt für Umwelt (Lfu) drei Jungtiere im Bayerischen Wald gemeldet. Es ist der erste wilde Wolfsnachwuchs in Bayern seit rund 150 Jahren. Umweltschützer reagierten erfreut, verlangten aber ebenfalls Unterstützung für Schäfer und Weidehalter.

Brunner: Schutzstatus des Wolfes absenken

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sagte: "Wir brauchen eine Möglichkeit, den Schutzstatus des Wolfes abzusenken, um im Einzelfall eine Regulierung des Bestandes vornehmen zu können. Anders kann ich mir ein funktionierendes Nebeneinander von Wolf und Landwirtschaft schwer vorstellen."

Brunner wie auch Umweltschützer riefen das Umweltministerium auf, die nächste Stufe des Wolfsmanagementplans vorzulegen. Dies sei seit langem gefordert worden. Schließlich sei lange genug bekannt, dass sich Wölfe in Bayern wieder ansiedeln könnten - auch mit Nachwuchs, hieß es beim Bund Naturschutz (BN).

Mehr zum Thema

Am Managementplan zum Umgang mit Wölfen mit Nachwuchs werde mit Hochdruck gearbeitet, teilte das Umweltministerium dazu zunächst nur mit. Auch ein Förderprogramm zum Herdenschutz werde gerade erarbeitet. "Die Herdenschutzmaßnahmen sollen voraussichtlich sichere Weidezäune und Herdenschutzhunde umfassen."

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisierte Brunners Vorschlag zu wolfsfreien Zonen scharf. "Kaum gibt es in Bayern Wolfswelpen, fällt der CSU nichts anderes ein, als sie abknallen zu wollen. Brunners wolfsfreie Zonen sind bei einem Tier, das so weit wandert und neue Reviere sucht, totaler Quatsch - eine Umsetzung dieses Vorschlages würde auf massive Abschüsse hinauslaufen."

Herdenschutzhunde haben sich bewährt

Das europäische Naturschutzrecht sehe für Wölfe einen "günstigen Erhaltungszustand" vor, der noch lange nicht erreicht sei. Deshalb gehe es vielmehr um mehr Investitionen in die Prävention, um Schafe und andere Nutztiere zu schützen. Herdenschutzhunde hätten sich hier bewährt. Außerdem müsse die Entschädigung unbürokratisch funktionieren.

Auch der BN kritisierte, dass die bei Wolfnachwuchs erforderliche Stufe drei des Managementplans immer noch nicht vorgelegt wurde. Außerdem sei eine wissenschaftlich fundierte Öffentlichkeitsarbeit bei Nutztierhaltern und in der Bevölkerung notwendig. «Das alles könnte es längst geben, wir fordern das seit Jahren. Die Staatsregierung hat jedoch jahrelang nichts getan und heizt damit mögliche Konflikte noch an», kritisierte Christian Hierneis, Wolfsexperte im BN-Landesvorstand, bereits am Freitag. dpa

5 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

Die Tierschützer und sonstigen Naturromantiker pflegen ihre Marotten und die übrige
Bevölkerung trägt die Kosten und die eventuellen Risiken.
Ich denke das Mensch hat die Natur so stark für sich beansprucht und verändert, dass Bedingungen wie vor 150 und mehr Jahren nicht mehr vorhanden sind und auch nicht mehr kommen werden. Und dieser Umstand wird sich nicht positiv für die "menschenfreie Natur" ändern.
Wenn man das Landwirtschafts-Thema "Dünger, Nitrat, Gift, Flächennutzung, Zuschüsse" sieht, droht uns da nichts Gutes.
Unter den derzeitigen Bedingungen Umstände wie vor 150 Jahren schaffen zu wollen und z.Bps. den Wolf wieder ansiedeln zu wollen ist ehrenvoll für die Macher, aber zweifelhaft und teuer (Steuerverschwendung ?). Fraglich ist ob das der "allgemeine + zahlende" Bürger das will.
Nutztierhalter sehen das (vielleicht) noch anders; und entsprechende Entschädigungen, woher kommen die wohl ?
Was soll jetzt dieser Plödsinn mit einem veränderten Schutzstatus für den Wolf? Da gibt gerade mal vielleicht eine Handvoll Wölfe im Bayerischen Wald und im Truppenübungsplatz Grafenwöhr, soquasi da droht ja schon wieder Gefahr für Mensch und Tier! Für den Menschen besteht überhaupt keine Gefahr und von welchen Tieren sprechen wir dann, ja, von den paar noch übriggebliebenen freilaufenden Schafherden vielleicht! Wieviele sind das und wieviele davon wären denn überhaupt in den betroffenenen Regionen betroffen! Wenn sich Deutschland z.B Millionen Neubürger leisten kann, dann können wir uns auch ein paar Wolfrudel in Bayern leisten! Oder wie sieht das dann in dem armen Osteuropa aus, wo z.B allein in Rumänien noch tausende Wölfe leben! Können die sich das auch nicht mehr leisten? Hier geht es doch garnicht um die Tiere, sondern wieder einmal um Lobbyismus und der ist in der Landwirtschaft eben gerade in Bayern sehr groß, weil sich ein paar wenige Schaf-u. Ziegenhalter aufregen!
Wie viele Menschen werden jedes Jahr durch Hunde verletzt? Wie viele durch Wölfe?

Nein, Wölfe sind keine Kuscheltiere, sie sind aber auch keine blutrünstigen Bestien.

Bitte Risiken und Maßnahmen ins Verhältnis setzen.
Dazu kommt noch, dass manche Jagdhunde ganz anders erzogen werden wie Familienhunde, die auch auf fremde Menschen weniger aggressiv reagieren.
Montag, 13. November 2017 - 11:06