Wöhrl will bald Investor präsentieren

Bayreuth sei ein „typisch starkes fränkisches Wöhrl-Haus“, sagte Mach. In Hof und Plauen sei Wöhrl das führende Modehaus vor Ort. Es gebe hier keine Schließungsüberlegungen. Aber Mach wie Restrukturierungsvorstand Christian Gerloff schränkten auf Kurier-Nachfrage ein, dass ein neuer Investor generell ausbauen oder schließen könne. Langfristige Bestandsgarantien seien in der heutigen Zeit nicht mehr möglich.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Mit Ablauf des dreimonatigen Schutzschirmverfahrens am 30. November hat Wöhrl zum 1. Dezember beim Amtsgericht Nürnberg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Die Zustimmung des Gerichts vorausgesetzt, bleibt der Vorstand damit weiter im Amt. Er wird dem Gericht einen vorläufigen Insolvenzplan vorlegen.

35 Investoren in engerer Auswahl

Nach Angaben von Gerloff hat Wöhrl zunächst 170 mögliche Investoren kontaktiert. 35 davon kamen in eine engere Auswahl. Aktuell sei man „mit einer Handvoll in fortgeschrittenen Gesprächen“. Die Familie Wöhrl sei unverändert zu einer unternehmerischen Partnerschaft mit einem Investor und zu einem weiteren Engagement als Gesellschafter bereit.

Personalabbau

Wie berichtet, werden vier von 34 Wöhrl-Standorten geschlossen (Nürnberg-Langwasser, Roth, München und Berlin). Zudem wurde die Schließung von drei Outlets beschlossen. „Die passen nicht zu uns“, sagte Mach. Wöhrl wolle Markenmode in den Innenstädten anbieten und mit neuen Marken und häufiger wechselnden Angeboten für mehr Bewegung sorgen. 77 Kündigungen gibt es in den Filialen. Dazu kommt ein deutlicher Personalabbau in der Nürnberger Zentrale. Wöhrl hat insgesamt rund 2000 Beschäftigte. 

Zum gemeinsamen Vertreter der Anleihe-Gläubiger (Laufzeit 2013 bis 2018, Nominalbetrag: 30 Millionen Euro) wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Christian H. Gloeckner  gewählt. Er soll die Interessen der Anleihe-Gläubiger bündeln. „Meine Zuversicht, dass Wöhrl sanierungsfähig ist und als Ganzes erhalten werden kann, ist heute größer als zu Beginn des Schutzschirmverfahrens“, sagte Mach.

Heftiger Schlagabtausch

Im Vorfeld der Wahl des Vertreters der Anleihegläubiger war es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Anwälten gekommen. Die Münchner Kanzlei Mattil & Kollegen hatte Rechtsanwalt Sascha Borowski als Vertreter der Anleihe-Gläubiger vorgeschlagen und Gloeckner vorgeworfen, bei vergleichbaren Fällen immens hohe Honorarvorstellungen gehabt zu haben, die „unvertretbar und völlig maßlos“ gewesen seien. Der gemeinsame Vertreter erhalte eine angemessene Vergütung, wobei diese nach Berücksichtigung der Kappungsgrenze von 30 Millionen Euro auf 91.713 Euro netto plus Auslagen begrenzt werde. Darüber hinausgehende Vergütungen bedürften der Zustimmung der Anleihe-Gläubiger.

Überzogene Honorare?

Mattil warf Gloeckner vor, in einem aktuellen Verfahren für nur wenige Monate ein Honorar von fast 200.000 Euro verlangt zu haben. Üblicherweise würden „für derartige Tätigkeiten Spesen und eine bescheidene Aufwandsvergütung erhoben“. Gloeckners Qualifikation für eine Restrukturierung sei nicht erwiesen. Man habe die Geschäftsführung der Wöhrl AG angeschrieben und um Stellungnahme gebeten, „weshalb den Anleihegläubigern ausgerechnet ein Kandidat präsentiert wird, für den die gemeinsame Vertretung nichts anderes als ein persönliches Geschäftsmodell ist“.

Bleibt für Anleihegläubiger nichts übrig?

Die Kanzlei Mattil befürchtet, dass die Restrukturierung von Wöhrl zum Scheitern verurteilt ist, wenn überzogene Honorare gefordert würden. Neben Gloeckner erhält angeblich One Square, Münchner Beratungsfirma für Restrukturierung, monatlich 30.000 Euro. Sanierungsvorstand Gerloff bekommt angeblich eine monatliche Vergütung von 50.000 Euro. Auf diese Weise werde für die Anleihegläubiger nichts zu verteilen sein. Wöhrl soll auch Auskunft geben, ob es richtig ist, dass Gloeckner und Gerloff auch in anderen Fällen zusammenarbeiten „und sich die Posten zuschieben“.

Vorwürfe zurückgewiesen

Gloeckner wies die Vorwürfe zurück. Es würden keine Posten hin- und hergeschoben. Seine Vergütung sei angemessen. Die Münchner Kanzlei habe ihn anscheinend „zu seinem Intimfeind erkoren“.

Daniel Bauer, Vorstandschef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK/München), hatte im Kurier-Interview die Befürchtung geäußert, dass sich die Anleger auf über 50 Prozent Verlust einstellen müssten. 2500 bis 3000 Privatanleger dürften Wöhrl-Anleihen in ihrem Depot haben. Bauer: „Man muss davon ausgehen, dass man auf einen Großteil des investierten Geldes verzichten muss.“

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6. Mai 2015: Wöhrl mit deutlichem Umsatzrückgang

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