Unbekanntes Netzwerk: Millionen versickern

Rund 600 Millionen Euro will die Staatsregierung bis 2018 in Franken und der Oberpfalz investieren. Das Geld fließt in Universitäten und Hochschulen, in Firmen und Museen. Insgesamt 56 Maßnahmen listet die sogenannte Nordbayern-Initiative auf. Und eines der Projekte heißt "Innovationsnetzwerk Oberfranken".

Eines Spurensuche: Auf der Internetseite der Regierung von Oberfranken sind 27 Initiativen und Aktionsgruppen gelistet, dazu kommen noch Vereine wie Oberfranken offensiv und die Landkreise. Sie alle wollen die Region voranbringen, zukunftsweisende Ideen entwickeln und Fördergelder einholen. In der Liste fehlt: Innovationsnetzwerk Oberfranken.

Eine Google-Recherche verweist an erster Stelle auf ein Dokument des Wirtschaftsministeriums. Hier heißt es zum Stichwort: "Ausbau eines regionalen Clusters zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen". Mehr Informationen? Fehlanzeige.

Das Innovationsnetzwerk Oberfranken hat im Haushaltsplan des Freistaats die Nummer 0703/686 63. Mit diesem Geld soll der Technologie-Transfer verbessert werden. Erreicht werden soll dies unter anderem durch Beratung der Unternehmen, durch Informationsveranstaltungen und Seminare. Außerdem sollen die Firmen Hilfe bekommen, wenn sie Zuschüsse bei der EU beantragen. Dafür stehen in diesem Jahr 750 000 Euro mehr zur Verfügung als 2014.

Nach dieser Beschreibung müssten die "üblichen Verdächtigen" in Sachen Innovationen Bescheid wissen: IHK und Wirtschaftsförderer zum Beispiel. Auch an der Universität Bayreuth beschäftigt sich eine ganze Abteilung mit dem Thema. An keiner Stelle ist das Innovationsnetzwerk Oberfranken bekannt: "Da müssen wir uns erst mal schlau machen", heißt es.

Die Staatsregierung stellt Millionen zur Verfügung, und niemand weiß, wofür? Ein Fall für die politischen Gegner. Landtagsabgeordneter Christoph Rabenstein (SPD) kennt Einzelheiten zu einer Vielzahl der Projekte aus dem Nordbayernplan. Aber das Innovationsnetzwerk Oberfranken ist auch ihm neu.

Die Kurier-Anfrage schlägt inzwischen Wellen hinter den Kulissen. Die Bayreuther IHK-Pressestelle meldet sich: "...wir mussten selbst erst ein wenig recherchieren". Und zitiert das Wirtschaftsministerium: "Das Projekt Innovationsnetzwerk Oberfranken ist ein Baustein des Programms für Demographie gefährdete Regionen in Oberfranken.

Dafür stehen insgesamt drei Millionen Euro über drei Jahre (bis 2016) zur Verfügung. Das Vorhaben wird durch Bayern innovativ im Auftrag der Staatsregierung durchgeführt." Aha. In der Pressestelle dieses in Nürnberg ansässigen Unternehmens heißt es: "Wahrscheinlich sind wir damit gemeint." Es gebe etliche Innovationsnetzwerke; dass den Namen keiner kennt, führt die Pressesprecherin auf einen möglichen Fehler im Protokoll zurück: "Wir sind mit dem Begriff nicht vertraut."

Doch die Aufgaben, die das mysteriöse Netzwerk laut der Beschreibung im Haushaltsplan erfüllen soll, diese Aufgaben sind Kernkompetenz der Mittelfranken. Sie beraten kleine und mittlere Untenehmen dabei, Strategien für die Zukunft zu entwickeln: "Letztlich geht es darum, das Potenzial der Untenehmen zu heben und somit die Wirtschaftlichkeit der gesamten Region zu stärken."

Die Bayern innovativ GmbH wurde 1995 von der Staatsregierung initiiert und als Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer gegründet. Das Unternehmen machte 2012 rund 16 Millionen Euro Umsatz.

Auftrag, Laufzeit und Fördersumme des Projektes - alles passt zur Beschreibung des Innovationsnetzwerks Oberfranken. Das bestätigen auch die Nürnberger. Und sie haben sogar eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Namen: "Modellregion Oberfranken" müsste es heißen. Wahrscheinlich.

Im August 2014 stellte die Staatsregierung ihre Nordbayern-Initiative vor. Insgesamt fließen knapp 600 Millionen Euro nach Franken und in die Oberpfalz. Die Opposition im Landtag kritisiert, dass lediglich 254,6 Millionen neu in den Haushalt eingestellt wurden, der Rest sei auf Vorhaben zurückzuführen, die schon viel früher begonnen wurden. Christoph Rabenstein weist darauf hin, dass etwa die Sanierung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth für rund 20 Millionen bereits seit 2007 im Haushalt steht. Weitere alte Projekte seien etwa die Neue Residenz inBamberg (5,5 Millionen, seit 2009), der Umbau der Burg Lauenstein (9,75 Millionen, seit 2014), der Ausbau des Kompetenzzentrums Neue Materialien in Wolfsbach (3,8 Millionen, seit 2010) und die Technologie-Allinaz Oberfranken (86 Millionen, seit 2012).

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