Wo Stromer um die Wette fahren

Sagt man von einem, er habe Benzin im Blut, dann ist ihm nicht etwa ein verhängnisvoller Fehler bei der Wahl seines Getränkes unterlaufen. Er ist vielmehr Autofan mit Leib und Seele.

Insofern müssten in den Adern der Mitglieder des Vereins Elefant Racing Elektronen zirkulieren. Die dort aktiven Studenten der Universität Bayreuth bauen und fahren Rennwägen. Boliden, die dem Zeitgeist entsprechend, Elektromotoren und Batterien unter ihrer windschlüpfrigen Haube haben.

Der Wotan

FR 17 Wotan heißt der aktuelle Renner des Elefant-Teams. Wotan wegen des Wagner-Bezugs, erklärt Elena Dosch, die Vorsitzende von Elefant Racing. Und 17? Na, wegen der Saison 2017. Am 14. Juni wurde Wotan der Öffentlichkeit vorgestellt und hat mittlerweile bereits Rennerfahrung.

 

 

Gefahren wird in der sogenannten Formula Student. Das ist ein internationaler Designwettbewerb für Ingenieure. Ziel ist es, Studenten mit praxisrelevanten Fähigkeiten für Ihr späteres Berufsleben auszustatten.

Um erfolgreich zu sein, muss ein Team sich neben der Konstruktion des Rennwagens auch mit Forschung, Fertigung und Datenakquise während des Testbetriebs beschäftigen. Darüber hinaus müssen sich die Teams auch noch mit Marketing, Finanzen und Managementthemen auskennen. Um diese Themen abbilden zu können, müssen sich die Teams interdisziplinär aufstellen.

Breit aufgestellt

Was die Bayreuther Elefanten in der Tat sind. „Wir haben Maschinenbauer, Physiker, Informatiker, Betriebswirtschaftler und Juristen im Team“, sagt Vereinschefin Dosch. Jeder, der will, könne mitmachen. Auch Germanisten. 25 Leute engagieren sich derzeit bei Elefant Racing, und das trotz des engen Studien-Zeitplans.

 

 

Die Fahrzeuge selbst werden nach einem internationalen Regelwerk gebaut. Über die Jahre ist das Regelwerk sehr komplex und mittlerweile sogar länger als das der Formel 1 geworden. Wotan, das zwölfte Elefant-Fahrzeug, hat rund neun Monate für Konstruktion und Bau verschlungen. Und einiges an Geld. Mehr als 100.000 Euro stecken in dem knuffigen Auto, wovon der Löwenanteil für die aufwendige Fertigung der Karbonteile fällig war. Arbeitsstunden sind da natürlich nicht mit eingerechnet. Gut, dass es Sponsoren gibt. Rund 100 an der Zahl sind es bei Elefant Racing.

Von null auf 100 in drei Sekunden

Und was erhält man dafür? Einen 209 Kilogramm leichten Renner mit einer Leistung von 80 Kilowatt (knapp 109 PS), einem Beschleunigungsvermögen von drei Sekunden von null auf 100 und einem Spitzentempo von 130 Kilometern pro Stunde. Der Saft in den Lithium-Polymer-Akkus muss dabei für rund 22 Kilometer reichen. Das ist die längste Strecke bei einem Wettbewerb.

Ach, der Wettbewerb: Er besteht bei der Formula Student nicht aus schnödem Tempogebolze. Die Teilnehmer messen sich vielmehr in sogenannten statischen und dynamischen Disziplinen. Klingt seltsam, ist aber schnell erklärt: Bei ersteren wird unter anderem die Konstruktion des Fahrzeugs bewertet und die Kosteneffektivität. Und – hier kommen die Betriebswirtschaftler ins Spiel – mit einem Businessplan machen die Teilnehmer fiktiven Investoren ihren Prototypen schmackhaft.

Energierückgewinnung

Zur Sache geht es dann auf der Rennstrecke. Hier müssen die Rennwagen möglichst schnell einen Kurs in Form einer liegenden Acht durchfahren, auf einer 75 Meter langen Geraden ihr Beschleunigungsvermögen unter Beweis stellen, auf einer ein Kilometer langen Cross-Strecke ihre Fahreigenschaften zeigen und sich schließlich auf oben erwähnter 22-Kilometer-Strecke als Ganzes beweisen. Und das bei möglichst geringem Energieverbrauch, ein weiteres Bewertungskriterium.

Ein Rennen hat Wotan mit seinem Team bereits hinter sich, vor drei Wochen im niederländischen Assen. „Leider hat es nur für einen 17. Platz unter 31 Teilnehmern gereicht“, bedauerte Dosch. Wegen technischer Probleme konnte nicht gefahren werden, aber die statischen Disziplinen klappten dafür umso besser.

 

 

Dies soll nun besser werden: Heute fährt Elefant Racing an den Hockenheimring, wo sich nicht weniger als 120 Studententeams aus der ganzen Welt messen wollen. Dazu wurden noch am Montag letzte Vorbereitungsrunden auf dem Testgelände bei der alten Ziegelei in Mistelgau gedreht.

Feinabstimmung, unter anderem für die Energierückgewinnung beim Bremsen. Schließlich gilt beim Elektroauto nicht: Wer bremst, verliert. Beim bremsen wird vielmehr gewonnen – Energie, die beim Ausdauerrennen entscheidend sein kann.

Wenn der Tiger im Tank gefragt ist, der elektrische.

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Kommentare

Vielleicht könnte man die jungen Studenten auch dafür begeistern, ein kleines Stadtauto mit Elektroantrieb zu entwickeln.
Montag, 13. November 2017 - 11:06