Wissenschaftler warnen: Süd-Campus würde Lebensraum bedrohter Tierarten gefährden

Konrad Dettner kann sich in Rage reden, wenn es um die Lebensräume bedrohter Tierarten geht. Vor allem um die am Ökologisch-Botanischen Garten der Uni. Dettner ist Wissenschaftler, hat den Lehrstuhl Tierökologie II der Universität Bayreuth inne, seit Jahren forscht er intensiv direkt vor der Haustür der Uni. Und findet immer mehr seltene und bedrohte Arten. Doch seitdem eine grobe Zukunftsplanung für eine Erweiterung der Universität nach Süden vorliegt, hadert er mit seiner Hochschule.

Dettner fängt an zu kämpfen

Dass im kommenden Frühjahr für 40 Millionen Euro ein Zentrum für die Technologieallianz Oberfranken (TAO), dem Zusammenschluss der vier oberfränkischen Unis und Fachhochschulen, gebaut wird, das ist beschlossene Sache. Zusätzliche Gebäude, die die Uni in einem Architektenwettbewerb für TAO gleich mal mit entwerfen ließ, sind es allerdings noch nicht. Damit dieser Riegel aus Forschungsgebäuden am besten nie gebaut wird, damit die weit und breit einzigartige Artenvielfalt rund um den Garten der Uni eine Chance hat, fängt Dettner jetzt zu kämpfen an.

Der Kammmolch ist sein größter Trumpf. Zwischen 200 und 400 Tiere leben in einem von Schilf fast zugewucherten Tümpel am Südwestrand des Uni-Geländes. So viele Molche an einem Ort, gibt es selten. Und: Die Molche sind gleich dreifach geschützt. Durch die Rote Liste, durch das Bayerische Naturschutzgesetz und durch die europäischen Richtlinien für Fauna-Flora-Habitate (FFH). Die FFH-Richtlinie, sagt Masterstudentin und Umweltschützerin Ulrike Richter, ist das schärfste Schwert. Denn diese Richtlinie ist kein Gummiparagraf. Sie hat den Rang eines Gesetzes. Darauf kann man sich juristisch berufen. Wenn es sein muss.

Kritisch sieht auch Elisabeth Obermaier, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ökologisch-Botanischen Garten, eine mögliche Süderweiterung der Uni. Der Garten, sagt sie, ist nicht nur ein Ort, an dem viele Bayreuther gerne spazieren gehen. Er ist vor allem auch ein Lebensraum für bedrohte Tiere. Reptilien und Amphibien, Schnecken und Libellen, Wildbienen und Schmetterlinge finden Schutz und Futter. Über 150 gefährdete Arten leben hier. „Der Garten hat immense Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität“, sagt Obermaier. Gebäude entlang der Universitätsstraße wären Gift, sie würden den Austausch mit Flächen weiter im Süden, jenseits der Universität, stören. Flächen, die wenig bewirtschaftet werden, und von denen Tiere in den Ökologisch-Botanischen Garten einwandern.

Hochschulleitung spekuliert nicht

Die Hochschulleitung der Universität Bayreuth will nicht spekulieren, konzentriert sich lieber auf den derzeitigen Planungsstand. „Natürlich nehmen wir die Argumente unserer Wissenschaftler ernst“, sagt Uni-Pressesprecherin Brigitte Kohlberg. Aber so weit, dass die Uni einen Südcampus bekäme, sei man noch lange nicht. Konkret wird nur das TAO-Gebäude geplant. Das entsteht auf dem ehemalige Kaninchenfreigelände – und dort kommen laut Kohlberg keine bedrohten Tier- oder Pflanzenarten vor. Dass Architekten bei dem Gestaltungswettbewerb für das neue Gebäude auftragsgemäß auch Entwürfe für einen Südcampus abgegeben haben, räumt Kohlberg ein. Allerdings ohne konkrete Realisierungsoptionen. „Weitere Planungen bestehen derzeit für einen wie auch immer aussehenden Süd-Campus nicht.“ Derzeit.

Tierökologe Dettner und Masterstudentin Richter können sich nicht vorstellen, dass die Uni Architekten ins Blaue hinein aufgefordert habe, Ideen für eine Süderweiterung vorzulegen. Sie sind sich sicher: „Das sind Konzepte, die man sich in die Schublade legt, um sie zu einem günstigen Zeitpunkt wieder hervorzuholen.“ Eine klare und dauerhafte Entscheidung der Universität Bayreuth für die Umwelt und die Artenvielfalt wäre ihnen bedeutend lieber als ein „derzeit“.

Vielleicht haben die Umweltschützer ein Etappenziel aber schon erreicht. Noch fürchtet Dettner vor allem eine Straße, die in den Plänen einer Süderweiterung auftauchte. Parallel zur Schrebergartenkolonie Schwedenbrücke, in gefährlicher Nähe zum Kammmolchtümpel. Sie war gedacht, um den Südcampus von der Universitätsstraße aus zu erschließen. Dass sie ohne Auswirkung auf den Wasserhaushalt bliebe, „das ist kaum anzunehmen“, sagt Dettner. Für den Kammmolch wäre das fatal, denn der zieht nicht um. Diese besondere Tierart lebt nur in alten Gewässern, ein neuer Teich würde nichts nützen. Dettner fürchtet diese Straße. Der Direktor des Ökologisch-Botanischen Gartens, Gregor Aas, teilt diese Sorge nicht. Nicht mehr. „Die Straße ist raus aus der Planung“, sagt er. Das wäre eine gute Nachricht – zumindest für den Kammmolch.

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Kommentare

Das hat schon was Tragisches: ausgerechnet aus der Uni kommt Gegenwind.
Aber ist die dort vorhandene Tierwelt wirklich so extrem selten und auf genau dieses Fleckchen Erde begrenzt, dass es sich lohnt, das Potential einer Universitätserweiterung komplett auszuschlagen?
Oder kann es sein, dass man dort besonders viel findet, weil dort uninah auch viel gesucht wird?
Ich kann mir dazu kein fundiertes Urteil anmaßen, finde das Ganze es aber schon irritierend ...
Wieso "ausgerechnet aus der Uni" ? Gerade aus der Uni! Wenn statt in Qualität immer mehr in Quantität investiert und damit die wahren Werte vernichtet werden, muessen die, die es wissen, auch Widerstand leisten! Es ist schließlich nicht so, daß es keine Alternativen gäbe - wenn diese zugegebenermaßen auch ein bißchen teurer wären (z.B. Zapfgelände). Gerade eine Uni sollte mit nachhaltigem und umweltbewußtem Wirtschaften vorangehen - was heute hier gedacht und gelehrt wird, bestimmt morgen unsere Gesellschaft!

Zu der Annahme, daß in Uninähe besonders intensiv nachgeschaut würde - nein, es gibt leider nur noch selten Flächen, die nicht dauernd massiv gestört werden!