Bayreuther steckt hinter AfD-"Extrablatt“

Einen Hinweis auf eine Nähe zu der Partei sucht man vergebens und die AfD-Landesverbände beteuern, nichts damit zu tun zu haben. Doch hinter der Gratiszeitung steckt ein fränkischer AfD-Funktionär.

Der Besitzer einer Werbeagentur ist abgetaucht

Josef Konrad ist stellvertretender Schatzmeister beim AfD-Bezirksverband Oberfranken. Seit dem 2. März, dem Tag, nach dem die „Stuttgarter Nachrichten“ zuerst über das „Extrablatt“ berichtet hatten, wird der Posten auf den Internetseiten der AfD allerdings als vakant angegeben. „Herr Konrad ist schon seit längerem vornehmlich in Leipzig. Sein Vorstandsamt hat er formal noch“, erklärt Bezirksverbandschef Tobias Peterka auf Nachfrage der Redaktion. Erst bei der nächsten Mitgliederversammlung soll das Amt neu besetzt werden.

Konrad steht im Impressum des „Extrablatts“ als Chefredakteur – Herausgeber ist die „Vereinigung zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheit“. Neben der Gratiszeitung ließ die ominöse Vereinigung auch Wahlplakate zugunsten der AfD aufstellen. Auf ihrer Internetseite betonen die Initiatoren, „trotz der Wahlempfehlung (...) zu keiner Partei irgendwelche Bindungen zu haben“. Gerne hätte die Redaktion von Konrad selbst erfahren, wie das mit seiner AfD-Funktion haltbar sein kann. Doch der Besitzer einer Werbeagentur in Bayreuth ist abgetaucht: Anrufe und E-Mails bleiben tagelang unbeantwortet.

Zeitungen veröffentlichen Stellungnahmen

Aus AfD-Kreisen hört man, dass die angeblich unverhoffte Wahlkampfhilfe nicht ungelegen komme. Ein vorheriger Kontakt zwischen Herrn Konrad und dem Landesvorstand von Baden-Württemberg wird aber bestritten – obwohl darin auch ein Interview mit Spitzenkandidat Jörg Meuthen abgedruckt ist. Auf Nachfrage erklärt der Landesverband, Meuthen habe lediglich einer Zeitschrift namens „Polifakt“ ein Interview zur weiteren Verwendung gegeben. Ähnlich äußerte sich in anderen Medien der AfD-Landesverband in Rheinland-Pfalz, wo ebenfalls am 13. März gewählt wird und das Extrablatt verteilt wurde – mit einem Interview mit Spitzenkandidat Uwe Junge.

Auch hinter „Polifakt“ steckt der Oberfranke Konrad. Neben AfD-Wahlkampfmaterial druckte er Anfang 2015 erstmals die Zeitung. Zu Beginn sei es als parteiinternes Informationsblatt gedacht gewesen, heißt es. Heute wird es auch an Wahlkampfständen der Partei verteilt. Alleine in der jüngsten Ausgabe traten die AfD-Funktionäre Alexander Gauland, Beatrix von Storch oder Marcus Pretzell als Autoren auf; Anzeigenkunde ist unter anderem der AfD-Gold-Shop, über den die Partei Gold verkauft. Dennoch erklärt „Polifakt“ auf seiner Internetseite, parteiunabhängig zu sein.

Indes sorgt das „Extrablatt“ für die Landtagswahl für Aufregung. So sahen sich die Verantwortlichen des „Amtsblatts“ in Freiburg sowie die „Badische Zeitung“ und die „Neue Rottweiler Zeitung“ gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, dass sie nichts mit dem rechten „Extrablatt“ zu tun hätten. Mehrfach sei der Eindruck entstanden, dass die AfD-nahe Publikation Beilage oder gar Teil der genannten Zeitungen sei, da Austräger es mit anderen Werbeprospekten in die Zeitungen beigelegt hätten.

Unklar ist die Finanzierung

Bleibt die Frage nach der Finanzierung des „Extrablatts“. Während die „Bild“-Zeitung ohne Angabe von Quellen wissen will, dass zwölf Millionäre die Wahlkampfhilfe finanziert haben, zitiert „Spiegel Online“ die Konstanzer Parteienrechtlerin Sophie Lenski, die eine illegale Parteispende wittert: „Hier liegt der Verdacht einer verschleierten Zuwendung sehr nahe“, sagt sie.

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Kommentare

"Das Volk" sollte sich mal etwas mit den Parteiprogrammen der AfD auseinandersetzen.

Ein kleiner Auszug:
Die AfD fordert die Abschaffung des Mindestlohns sowie Steuersenkungen für Spitzenverdiener. Weiterhin sind ihre Positionen gegen Frauengleichstellung, für staatliche Einflussnahme auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und für die Rückkehr zur Atomkraft kaum bekannt.

Die Partei „des kleinen Mannes“ also...
Hmm, ist die AfD, wie Sie schreiben, " gegen Frauengleichstellung" oder Frauenquote?

Und auch an anderer Stelle geht es differenzierter, wenn man nur möchte:
- "Steuersenkungen für Spitzenverdiener" heißen dann "Steuerpolitisch orientiert sich die AfD nach eigener Aussage an dem Konzept von Paul Kirchhoff."
- " für die Rückkehr zur Atomkraft" heißt dann "Die AfD fordert ein Ende dieses „ökonomischen und ökologischen Irrsinns und plädiert für ein zehnjähriges Moratorium, während dessen der gegenwärtige Energiemix beibehalten werden soll.“
( Quelle: Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: http://www.topagrar.com/news/Energie-Energienews-AfD-will-die-Energiewende-abschaffen-2817528.html).

und "für für staatliche Einflussnahme auf den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk" liest sich dann plötzlich so: "Die deutsche Bundesregierung und die
Landesregierungen sind einem Modell der gelenkten Demokratie als Herrschaftsinstrument verhaftet.
Die AfD will zur Vermeidung korruptionsanfälliger Strukturen bei politischen Verantwortlichen
und Entscheidungsträgern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, endlich die geforderte Staatsferne
herstellen." (Quelle: http://www.alternativefuer-bw.de/wp-content/uploads/Landtagswahlprogramm_AfD_2016.pdf)

Aber so linkspopulistisch geht´s ja auch ganz gut.

Sagen Sie mal, sind Sie eigentlich die helfende Hand der lokalen AfD? Klingt so nach Propagandamitarbeiter...
Nein, keine Propaganda, werter "Exilbayreuther. Ich gehöre nur zu denen, die "einen Kackhaufen einen Kackhaufen nennen, und ihn nicht auf den Tisch stellen und so tun, als wäre es Kaviar" (Quelle: "Fegefeuer der Eitelkeiten", das wäre mal ein Film für Sie!).
Die "helfende Hand" der AfD sind bundesweit einerseits die Asylpolitik der GroKo, andererseits eine Opposition, die den Namen nicht verdient sowie Einheitsmedien á la "DDR".
Ich persönlich würde momentan die AfD nicht wählen, weil es für verantwortliche Politik stabile Mehrheiten braucht. Diese Problematik stellt sich in Bayern ja, Gott und CSU sei Dank, (noch) nicht.
Und, bevor Sie in die Tasten hauen: NPD oder ähnliches Gesindel würde ich schon dreimal nicht wählen.
Montag, 13. November 2017 - 11:06