„Wir sind derzeit nicht profitabel“

Herr Bächle, Sie haben K & L zum 1. September übernommen. Warum?

Jens Bächle: Die Möglichkeit, K & L zu übernehmen, ergab sich während mehrerer Gespräche mit dem Unternehmensgründer Karl Ruppert. Zu diesem Zeitpunkt – es war etwa Mitte 2016 – habe ich das Thema nicht weiterverfolgt. Erst Ende Juni dieses Jahres habe ich es wieder aufgegriffen.

Sie sind nun alleiniger Eigentümer?

Bächle: Ich bin alleiniger Eigentümer und Geschäftsführender Gesellschafter von K & L.

Warum hat sich die Gründerfamilie zurückgezogen?

Bächle: Die Familie hat nach einer zukunftsfähigen Nachfolgeregelung gesucht.

Wie hoch war der Kaufpreis?

Bächle: Das ist vertraulich.

Das Unternehmen ist profitabel?

Bächle: Über die letzten Jahre hat sich die wirtschaftliche Situation sowohl aufgrund der Branchenveränderung als auch aufgrund von Fehlentscheidungen verschlechtert. Wir sind derzeit nicht profitabel.

Der Umsatz lag 2016 bei 143 Millionen Euro. Wie soll sich der Umsatz in diesem und in den kommenden Jahren entwickeln?

Bächle: Wir werden aufgrund der Schließung von vier Standorten (Speyer, Hanau, Augsburg und Villingen-Schwenningen, Anm. d. Red.) im Umsatz leicht rückläufig sein und werden auf dieser Basis in den nächsten Jahren wieder wachsen.

Mit welchen Ergebnissen rechnen Sie für 2017 und die folgenden Jahre?

Bächle: Wir rechnen in 2017 noch mit einem negativen Ergebnis und streben 2018 wieder ein ausgeglichenes Ergebnis an.

K & L hat 57 Filialen, auch in Bayreuth, Hof, Coburg und Plauen. Wie laufen die Geschäfte in den vier genannten Filialen? Sind die Standorte sicher?

Bächle: Aufgrund unserer verbesserten Herbst/Winter-Kollektion steigen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr, sodass wir mit der Entwicklung der Standorte zufrieden sind.

Sie sind auch immer mal in Oberfranken?

Bächle: Meine Schwiegereltern wohnen in Weiden. Die Gegend in Oberfranken ist mir gut bekannt und stellt eine wichtige Region für K & L dar.

Sie wollen die Beschäftigtenzahl von 1200 halten?

Bächle: Wir werden uns zukünftig auch in diesem Bereich bewegen.

Der stationäre Textilhandel hat massive Online-Konkurrenz. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen, um dieser Konkurrenz zu begegnen?

Bächle: Wir setzen verstärkt auf unsere Omni-Channel-Strategie und verknüpfen unsere Kanäle. So können unsere Kunden unsere verschiedenen Kanäle – unsere Filialen, unseren Online-Shop oder unsere Kundenansprache über verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten wie Social Media – barrierefrei nutzen. Wir bieten Services wie: Click & Collect, Return-to-Store, Online-Verfügbarkeit in den Filialen oder es können sogar Bestellungen online aus der Filiale heraus getätigt werden. Zudem haben wir auch getestet, Online-Bestellungen direkt aus der Filiale zu verschicken.

Wie hoch ist Ihr Online-Anteil am Umsatz?

Bächle: Derzeit rund vier Prozent.

Wird es neue Filialen geben, vielleicht auch in Franken?

Bächle: Wir überprüfen permanent unser Storeportfolio, ebenso wie mögliche neue Standorte. Wir schließen dabei keine Region aus. Am bekanntesten sind wir im süddeutschen Raum. Unser erfolgreichstes Filialkonzept sind unsere Fachmärkte. In diesem Bereich werden wir zukünftig favorisiert neue Standorte eröffnen – was aber nicht bedeutet, dass wir nicht auch wieder in Centern oder in Citylagen neue Standorte eröffnen.

Sie waren Finanzvorstand von K & L Ruppert. Jetzt sind Sie Eigentümer. Ein Traum ist wahr geworden?

Bächle: Wenn wir profitabel sind, dann ja.

Die wichtigsten Aufgaben, die nun anstehen?

Bächle: Wir arbeiten bereits seit Monaten an einer Neuausrichtung von K & L und werden hieran anknüpfen. Wir werden unsere Kollektionen weiter verbessern, unsere Verkaufsflächen optimieren, wir werden die Ansprache unserer Kunden weiter verbessern und werden unsere Onlineaktivitäten verstärken.

Das Gespräch führte Roland Töpfer

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Montag, 13. November 2017 - 11:06