„Wir können so nicht weiterproduzieren“

Die Situation, in der sich die Milchbauern befinden, ist derart verkrustet, dass sich in der Politik, bei den Konzernen und letztendlich auch bei den etablierten Standesfunktionären so gut wie nichts bewegt. Und das bringt Gmelch auf die Palme. Er ist überzeugter Landwirt. Er war schon immer Milchbauer und hat den Hof von seiner Mutter im Jahr 1974 übernommen. Sein Sohn Markus (35) ist letztendlich im Beruf geblieben und hat vor elf Jahren den Hof übernommen. Im Stall in Ortlesbrunn stehen 80 Milchkühe.

Ungewisse Zukunft

Vor allem Sohn Markus blickt mitten in der Krise des Milchpreises in eine ungewisse Zukunft. „Ich selber komme schon noch zurecht“, sagt sein Vater. Aber der lässt nicht locker, auf lokaler Ebene mit seinem äußerst aktiven Verband nach Wegen aus der Krise zu suchen. Er war schon mit in Brüssel, schreibt Protestbriefe (unter anderem an den Bundesagrarminister nach Berlin) und fürchtet trotzdem, dass der Milchgipfel am Montag in Berlin die unter Dumpingpreisen leidenden Milchbauern keinen Deut weiterbringen wird. Dazu sind die Milchbauern nicht einmal eingeladen. Seiner Ansicht nach will die Politik ganz klar eine Industrialisierung der Landwirtschaft.

An einem Strang ziehen

„Wir können so nicht weiterproduzieren“, sagt Senior Gmelch beim Hofbesuch. „Wir produzieren Sachen, die im Überfluss vorhanden sind. Das macht in der Wirtschaft doch keiner!“ Nur: Der einzelne Landwirt kann in dieser Misere nichts ausrichten. Alle müssen an einem Strang ziehen, in der ganzen EU, damit das vom BDM favorisierte Konzept greift, das zu einem höheren Milchpreis führen soll. Die Gmelchs haben auf ihrem Hof bereits reagiert und den Herdbestand in den vergangenen beiden Jahren von 90 auf 80 Tiere reduziert.

Preisverfall trifft den Hof

Alfred Gmelch war früher aktiv beim Bauernverband, dort sogar Funktionär. Jetzt nicht mehr. Er machte sich dafür stark, dass der BDM in den Bauernverband integriert wird. Das hat nicht funktioniert. Gmelch kann das nicht verstehen. „Ich habe in meiner bisherigen Schaffenszeit als Landwirt noch nie einen derartigen Verfall von Wertigkeit von Lebensmitteln erlebt wie zurzeit.“ Und er beklagt die „Starre“, in der sich seiner Ansicht nach Politik, Bauernverband und andere Lobbyisten befinden. Der Preisverfall trifft den Hof der Familie Gmelch genauso wie allen anderen Kollegen. Der Einbruch von mehr als zehn Cent pro Liter Milch bedeutet für den Ortlesbrunner Landwirt einen Einnahmeverlust von 65 000 Euro pro Jahr, die aber dringend zur Deckung der Unkosten benötigt werden. In den 70er Jahren habe es noch mehr als 80 Pfennige für den Liter Milch gegeben. „Das waren noch Preise, mit denen wir auskommen konnten“, sagt der 66-Jährige. Da seien noch Gewinne erzielt worden, sonst wäre ja auch die Erweiterung der Betriebe nicht möglich gewesen. Und außerdem: Die Kaufkraft sei in der Region geblieben.

Aktuell bekommt die Familie Gmelch 27 Cent für den Liter Milch. Das ist viel zu wenig. „Wir arbeiten nicht kostendeckend“, sagt der Senior des Hofes. Höhere Preise können aber nur erzielt werden, wenn die Milchmenge, die den Markt überflutet, reduziert wird. Gmelch: „Und dazu brauchen wir in der ganzen Europäischen Union eine allgemeine Verbindlichkeit für die Menge, die produziert wird.“

44 Cent wären richtig

Der Preis müsste bei 44 Cent liegen, rechnet der Ortlesbrunner Landwirt vor. Betriebe müssen ja nicht nur kostendeckend arbeiten, sondern sich auch weiterentwickeln können. Dieser Preis ist ein Durchschnittswert, der über den so genannten „Milchmarker-Index“ für den süddeutschen Raum errechnet worden ist. Durchschnitt bedeutet aber auch, „dass es große Unterschiede gibt, wie ein Hof geführt wird“, sagt Markus Gmelch. Es können bei der Milchmenge zum Beispiel nicht alle die Besten sein, da gebe es große Schwankungen. Das fängt schon beim Tierbestand an. Bei der Produktion, beim Erkennen von Krankheiten in der Herde und noch eine ganze Menge mehr. Die Fütterung zum Beispiel auch.

Der aktuelle Milchpreis bedeutet für die Milchbauern in jedem Fall Verlust. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und sparen? Das ist laut Markus Gmelch vielleicht noch bei den Investitionen auf dem Hof möglich. Oder man schiebt Neuanschaffungen hinaus, so lange es geht.

Aber bei den Kosten für Wasser, Strom, Futter — hier sei in einem laufenden Betrieb nichts zu machen. Gmelch bringt die augenblickliche Situation auf den Punkt: „Entweder man hat Rücklagen, nimmt ein Darlehen auf oder gibt den Betrieb komplett auf.“

Nicht bewertet

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